Die Elisabethstadt: Koscher und hip

Er arbeitete mit Gary Grant, machte sich an der Seite von Jack Lemmon an Marilyn Monroe heran, trug im Historienepos „Spartacus“ fesche römische Sandalen, liebte Christine Kaufmann und wuchs in der Bronx auf – nur mit Budapest verbindet man den Namen Tony Curtis kaum. Im Bezirk Elisabethstadt, dem jüdischen Viertel der Metropole, ist das ein bisschen anders. Immerhin war es die von dem US-Schauspieler mit den ungarisch-jüdischen Wurzeln ins Leben gerufene Stiftung, die die grundlegende Renovierung  der Großen Synagoge in der Dohány-Straße ermöglichte.

Größte Synagoge Europas

Wer heute – an der Metalltrauerweide des ungarischen Künstlers Imre Varga vorbei – ins Innere des Bethauses tritt, ist über die damit verbundenen Dimensionen schnell im Bilde: Die 1859 eingeweihte Synagoge ist die größte Europas, und die zweitgrößte der Welt, nur die New Yorker ist größer. Das Gotteshaus mit den Zwiebeltürmen, gebaut im byzantinisch-maurischen Stil, zählt denn auch zu den großartigsten Bauwerken der Stadt. Idealer Ausgangspunkt für die Erkundung des jüdischen Erbes von Budapest ist sie ohnehin – voll von Details zur langen Historie. Ein Seitenflügel der Synagoge beherbergt das Jüdische Museum mit einer reichen Sammlung von Judaika von der Römerzeit bis zum 20. Jh..

Spurensuche: Kein Schtetl

Ein klassisches Schtetl – ein Viertel, in dem nur nach jüdischen Traditionen gelebt wurde – hat sich in Budapest trotzdem nie entwickelt, ungeachtet der einst riesigen jüdischen Gemeinde. 1939, vor dem Grauen des Holocausts, zählte sie bis zu 200 000 Menschen. Daher finden sich vielfältige Spuren der jüdischen Kultur in der östlichen Donaumetropole, die ältesten davon weit entfernt von der Großen Synagoge, und zwar rund um die Táncsics Mihály utca im nordöstlichen Teil des Pester Burgviertels. Hier befand sich im Mittelalter das jüdische Ghetto, „Judenstraße“ nennt man die Gasse bis heute im Volksmund.

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