...Cafés in Budapest: Große Kunst

 

Wohnzimmer der Avantgarde

In den 1920er-Jahren brachten Cafés wie das New York Literaten, Künstler, Journalisten an einen Tisch. Die Wohnungen dieser Zeit waren überfüllt, und die Kaffeehäuser fungierten als Ausweichquartier und -büro. Manche dieser Häuser hielten – neben einem guten Zeitungssortiment – sogar Nachschlagewerke bereit. Ein wenig von dieser Atmosphäre konnte sich das Cafe Muvész erhalten. „Muvész“ heißt Künstler, und ein beliebter Treff für Ensemblemitglieder des gegenüberliegenden Opernhauses ist das Café mit dem intakten Jahrhundertwende-Interieur geblieben. Noch uriger ist das benachbarte „Eckermann“, einst Stammlokal des Dichters Endre Ady (1877–1919).

Kleine Konditorei, große Kunst

Fließend sind aber nicht bloß die Übergänge zwischen Business und Literatur, Milchkaffee und Wohnsalon, sondern mitunter auch jene zwischen Café und Konditorei. Dabei könnten zumindest die Aushängeschilder der zu Recht gerühmten Budapester Patisserie ja durchaus als Café durchgehen: das im 19. Jh. von einem Schweizer gegründete süße Imperium namens Gerbeaud etwa. Rokoko- und Jugendstilelemente finden sich in den Innenräumen, dazu mindestens ebenso alte Konditorrezepte. In der Regel verrät auch ein Blick in die Vitrine, dass man in Häusern wie dem Gerbeaud in einer Konditorei gelandet ist. Das gilt auch für einen Klassiker auf der Pester Seite der Donau: dem winzigen „Ruszwurm“ neben der Fischerbastei. Groß genug für großartige Schomlauer Nockerl ist das Lokal aber übrigens schon.

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