Insel-Hüpfen: Mild oder wild?

Manche sind von mildem Klima verwöhnt, duftende Blumen wuchern auf ihnen in verschwenderischer Pracht. Andere werden vom Wind zerzaust, das Meer nagt gnadenlos an der Substanz und Besucher kommen nur, um einen Tag lang Zeuge des unendlichen Kampfes der Elemente zu werden. Die Inseln der Bretagne haben 1000 Gesichter, faszinierend sind sie fast alle.

Das Mittelmeer lässt grüßen

Auf der Ile de Bréhat an der Côte du Goëlo zeigt sich die Region von ihrer lieblichsten Seite. Mannshoch blühen die Hortensien am Weg, in den Gärten wachsen Oleander und Feigenbäume. Palmen, Agaven und Mimosen lassen Besucher endgültig glauben, am Mittelmeer und nicht mitten im Atlantik angekommen zu sein. Nicht umsonst gilt die Ile de Bréhat als Blumeninsel der Bretagne.

Entspannende Ruhe überall

Zwischen Wiesen und Gemüsefeldern schlängeln sich Trampelpfade durch die sanften Hügel, vorbei an weiß getünchten Gutshäusern und der kleinen Kirche St. Michel. Straßen gibt es kaum. Wozu auch? Die Insel ist autofrei, entspannende Ruhe überall. Doch egal, wo man entlang läuft, letztendlich landet jeder auf dem kleinen Marktplatz von Le Bourg – neben dem Hafen Port-Clos die einzige Ortschaft auf der nur gut 3 km langen Insel. An den schmalen Gassen stehen niedrige Granithäuser. Geranien und Bougainvilleen liefern sich einen Wettstreit um die schönsten Farben. Ein Dorf wie eine Puppenstube. Hier möchte man bleiben, die Stille genießen und den Duft der Blumen einatmen.

Die Bäume sind dem Wind nicht gewachsen

Auf der Ile d’Ouessant halten es die Touristen meist nur kurz aus, denn am äußersten Westzipfel Frankreichs ist mit der Natur nicht zu spaßen. Unaufhörlich brandet der Atlantik mit tosender Wucht gegen das Eiland, dem Wind sind Bäume einfach nicht gewachsen und die vorgelagerten Riffe kosteten schon hunderte Seeleuten das Leben. Ouessant - das ist Einsamkeit, aber auch grandiose Landschaft.

Hier führt das Meer Regie

Bestes Beispiel ist die Nordwestküste beim Phare de Créac’h. Der Leuchtturm im schwarz-weißen Sträflingsgewand gehört zu den leistungsstärksten der Welt. Mit gutem Grund, denn die See ist dort besonders tückisch. Unzählige spitzgezackte Nadelfelsen ragen aus dem Wasser. Die Gischt spritzt meterhoch, die Luft schmeckt nach Tang. Hier führt das Meer Regie und der Mensch ist nur Zuschauer bei diesem einzigartigen Schauspiel.

Wie für die Jugend geschaffen

Die Naturgewalten spielen auch auf Belle Ile en Mer eine Rolle – allerdings vor allem im Winter, wenn auch im Süden der Bretagne die Stürme peitschen. Im Sommer regiert auf der größten Insel der Region die Leichtigkeit des Seins. Vor dem Plage des Grands Sables tanzen bunte Surfsegel auf den Wellen, auf den Terrassen der Bars am Hafen von Le Palais wird bis in den Morgen getanzt. Die Nächte sind mild, die Insel hat sich auf junge Leute eingestellt. Und die kommen in Scharen, spielen Gitarre am Strand und schlagen Picknickdecken an der wild-romantischen Côte Sauvage auf. Den Panoramablick auf die zerklüfteten Felsen und die riesige Apothicairerie-Grotte gibt es inklusive.

Geranien so groß wie Büsche

Die Insel ist lebendig und heiter. Vor den oft nur vom Meer aus zugänglichen kleinen Badebuchten dümpeln Segelboote und in den grünen Tälern verstecken sich pastellfarbene Gehöfte und kleine Weiler. Auch hier wachsen Palmen und die Geranien sind groß wie Büsche. Doch die Belle Ile hat ihr ganz eigenes Gesicht, so wie fast jede der unzähligen Inseln der Bretagne.

Text: Gesine Oltmanns

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