Granitküste: In Rosarot

Dieter Hallervorden weiß, wo es schön ist. Auf der spiegelglatten See reflektiert der wolkenlose Himmel. Gerade so, dass die wie von einem Riesen wahllos über die Bucht verstreuten rosafarbenen Granitblöcke in dem Tiefblau so richtig zu glühen beginnen. Mittendrin: das Anwesen des Komikers. Ein Märchenschloss auf einer Mini-Insel, mit Türmchen und Erkern, Zinnen und Schornsteinen. Walt Disneys Schneewittchen würde neidisch werden.

Grandiose Farben, bizarre Formen

Die zauberhafte Bucht von Ploumanach ist eines der absoluten Highlights an der Granitküste im Norden der Bretagne. Hier kann man stundenlang stehen und einfach nur schauen: auf die grandiosen Farben, die bizarren Formen der Felsen und das meterhohe Spiel der Gezeiten, das die Landschaft jedes Mal komplett verändert. Das frühere Fischerdorf Ploumanach hat sich zu einem beschaulichen Seebad gemausert, in dem die rosa Wackermänner allgegenwärtig sind. Bis in die Vorgärten der Häuser und Villen ziehen sie sich hinauf. Im Nachbarort Trégastel wurde sogar ein Aquarium mitten in die aufgetürmten Riesenkiesel gebaut.

Wanderung auf dem Zöllnerpfad

Doch nirgendwo sonst wird die ganze Dramatik der Felsenlandschaft deutlicher als auf dem Zöllnerpfad von Ploumanach nach Perros-Guirec. Wo einst die Vertreter der Staatsmacht mühsam auf dem Meer nach Schmugglern Ausschau hielten, erstreckt sich heute ein Naturpark. Ginster, Zwergsträucher und Heidekraut flankieren den 3,5 km langen Schotterweg. Es blüht in leuchtendem Gelb, zartem Rot und kräftigem Lila. Doch die Hauptattraktion ist natürlich der Granit, in 350 Mio. Jahren von Wind und Wasser zu den aberwitzigsten Figuren geformt.

Vom Totenkopf und Napoleons Hut

Klar, dass einem da die Phantasie so manchen Streich spielt. Sieht dieser Stein nicht aus wie eine Flasche, die waghalsig auf einem Felsblock balanciert? Längst hat der Volksmund den verrücktesten Felsformationen an der Côte de Granit Rose Namen gegeben: da gibt es Napoleons Hut, den Totenkopf mit seinen ausgehöhlten Augen, den berühmten Würfel und nahe von Perros-Guirec das Château du Diable, eine gewaltige Granitburg, die sich hoch über dem Meer auftürmt.

Seebad vom Feinsten

Perros-Guirec ist das bedeutendste Seebad des Küstenabschnitts. Über den breiten Sandstränden thronen am Hang feudale Villen in weiten Parks. Im ehemaligen Fischerhafen schaukeln weiße Yachten auf den Wellen. Kongresshalle, Casino und diverse Beachclubs prägen die Unterstadt. In Perros-Guirec ist immer was los: Strandkonzerte, Segelregatten, Beachvolleyball-Turniere. Und falls das Touristikprogramm einmal enttäuscht, bleibt immer noch ein Bootsausflug auf die Sept Iles, Frankreichs ältestes Vogelschutzgebiet mit Basstölpel- und Papageientaucherkolonien.

In Lannion Stadtluft schnuppern

Wer sich nach Stadtluft sehnt, ist in Lannion richtig, mit seinen vielen kleinen Cafés, hübschen Boutiquen und geduckten Fachwerkhäuern. Donnerstags verwandeln sich die schmalen Gassen der Altstadt in einen quirligen Markt. Im Schatten der windschiefen Häuser auf der Place Leclerc werden dann Käsespezialitäten, Cidre und süßes Naschwerk verkauft. Die hölzernen Karyatiden, die Trägerinnen der Balken von Haus Nr. 31 schauen milde auf die bunten Schirme und die riesige Obst- und Gemüseauswahl. Und in der kleinen Markthalle gibt es alles, was zur typisch bretonischen Meeresfrüchteplatte dazugehört: vom Hummer bis zur Seespinne. Ob Dieter Hallervorden hier schon einmal gesichtet wurde? Dazu können die Marktleute nichts sagen. Aber vielleicht genießt er ja einfach nur die grandiose Aussicht von seinem Märchenschloss.

Text: Gesine Oltmanns

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