Mount Kinabalu: Höchster der Gefühle

Das Gipfelplateau des Mount Kinabalu liegt 4095 m über dem Meeresspiegel. Bis dahin gibt es jede Menge Stufen, seltene Pflanzen und Granitfelsen jenseits der Baumgrenze. Zugegeben, eigentlich legen Bergsteiger nur gute 2200 Höhenmeter zurück, denn der Aufstieg beginnt auf 1800 m – kleinliche Rechenspiele sind angesichts des realen Kraftaufwands aber fehl am Platz.

Von der Power Station hoch zum Gipfel

Die Wanderschuhe sind geschnürt, dicke Daunenjacke und Taschenlampe im Rucksack verstaut. Morgens früh startet die Bergbesteigung an der Power Station. Eine Schülergruppe aus Singapur geht auch gerade los, außerdem Touristen aus Malaysia, Japan, Australien und Europa. Alle haben sich ein Gipfelbillett besorgt und einen eigenen Führer dabei, der bei der Besteigung des Mount Kinabalu Pflicht ist. Die versierten Bergsteiger ermahnen ihre Schützlinge, nicht zu schnell loszulaufen. Nach hunderten von Aufstiegen kennen sie sich mit Wanderern aus, die ungestüm durchstarten und dann gleich wieder schlappmachen.

 

Klettertour durch tropische Bergwälder

Klettertour durch tropische Bergwälder

Sieben bis acht Stunden geht es durch tropische Bergwälder, auf krummen Stufen und Pfaden, die sich gen Himmel schrauben. Geübte Träger treten zu einem wahren Wettlauf an: Beladen mit Gasflaschen, Getränkepaletten und Lebensmittelpaketen sorgen sie dafür, dass die Besucher in der Berghütte nicht darben müssen. Leichtfüßig überholen sie die keuchenden Touristengruppen. Am Wegesrand wuchern Orchideen und insektenfressende Kannenpflanzen, die aussehen wie die Trinkbecher exotischer Waldelfen. Ein letzter Zwischenstopp vor dem Sturm auf den Gipfel, die Bergstation liegt kurz vor der Baumgrenze.

Sonnenaufgang auf dem Mount Kinabalu

Sonnenaufgang auf dem Mount Kinabalu

In der Hütte gibt es eine Stärkung und einige Stunden Bettruhe. Frühmorgens um 3 Uhr beginnt dann das letzte Stück des Aufstiegs. Noch ein Stück Nebelwald, dann kommt die Baumgrenze. Die Luft ist glasklar und der Wind eisig kalt. Ein dick eingepackter Bergsteiger nach dem anderen hangelt sich an Seilen die blanken Felsen hoch. Die Lichtkegel der Taschenlampen und die der Sterne leuchten durch die Nacht. Nach drei Stunden ist der höchste Gipfel Südostasiens erreicht – um 6.15 Uhr geht die Sonne auf, der rote Ball schiebt sich durch die Wolken. Nicht nur dieser märchenhafte Anblick ist ein Trostpflaster für den Muskelkater an den folgenden Tagen: Nach dem Abstieg erhalten alle Gipfelstürmer im Besucherzentrum des Kinabalu Nationalparks ihre persönliche Urkunde als Nachweis für die Tour in die dünne Luft.

Text: Claudia Piuntek

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