Zeitgeschichte: Damals, in Berlin...

Früher war Berlin eine Insel. Heute liegt die Metropole in der Mitte Europas, eine Weltstadt, die als Drehkreuz zwischen West und Ost fungiert. Gemeinsam mit Brandenburg bildet die deutsche Hauptstadt den drittgrößten Ballungsraum des Kontinents – eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Paris und London. Und doch ist Berlin einmalig. Wegen seiner Geschichte: Keine andere Stadt der Welt wurde fast 30 Jahre lang von einer 155 km langen Mauer geteilt. Nicht nur deshalb ist es in Berlin ein ganz besonderes Erlebnis, in die Zeitgeschichte einzutauchen.

Erinnerung an die Mauer

Die Mauer ist verschwunden, die Erinnerung nicht. Eine ganze Reihe von Gedenkstätten hält sie lebendig: Seit 1998 wird etwa an der Bernauer Straße den Opfern des Mauerbaus und der deutschen Teilung gedacht, neben dem eigentlichen Denkmal vervollständigen die Kapelle der Versöhnung und das Dokumentationszentrum das Ensemble. Es ist der einzige Ort Berlins, an dem noch eine vollständige Grenzanlage zu besichtigen ist. Fast noch beeindruckender in ihrer Trostlosigkeit: die Brache des ehemaligen Todesstreifens, die heute noch zwischen den Wohnhäusern erkennbar ist.

Checkpoint und Open-Air-Galerie

Ganz anders dagegen wirkt Checkpoint Charlie, jener Grenzübergang zwischen Ost und West, der im Lauf der Jahrzehnte zu seiner eigenen Legende wurde. Hier, am einst schwer bewachten, nachts hell erleuchteten Kontrollpunkt, steht heute noch ein ehemaliges Grenzschild und –häuschen, wirkt die Weltgeschichte noch nach. Außerdem: die Geschichte der Mauer und die Geschichten von gelungener Flucht und gescheiterten Versuchen im Museum Haus am Checkpoint Charlie. Die East Side Gallery – ein 1,3 km langer Mauerabschnitt zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof – wurde 1990 von Künstlern in die größte Open-Air-Galerie der Welt verwandelt. Und auch in der Niederkirchner Straße blieb ein 200 m langer Grenzmauerabschnitt stehen.

Dunkles Kapitel der jüngeren Vergangenheit

Letzterer erinnert an ein nur geringfügig älteres, aber ebenfalls dunkles Kapitel der Stadt: Das Mauerstück markiert das Ende der Topographie des Terrors genannten Ausgrabungen entlang der Niederkirchner Straße. Die Openair-Dokumentation informiert über die dort zwischen 1933 und 1945 ansässigen Zentralen von Gestapo, SA, SS und Reichssicherheitshauptamt. Hier wurde der NS-Terror koordiniert und der Holocaust geplant. An diesen erinnert nicht nur das Holocaust-Mahnmal nahe des Brandenburger Tors als zentrale Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus, sondern auch das Haus der Wannsee-Konferenz, die Gedenkstätte Plötzensee, die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und das Jüdische Museum.

Zurück bis in die Urgeschichte

The Story of Berlin wiederum heißt eine Ausstellung, die noch viel weiter zurückreicht. Über zwanzig Themenräume entführen ins Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung von 1253, in das Preußen des 18. Jhs., in die Zeit der Industrialisierung des 19. Jhs., in die goldenen Zwanziger, die Zeit der Teilung und des Mauerfalls. Höhepunkt ist der Besuch des großen Atomschutzbunkers aus den 70ern, der über 3500 Menschen Platz bietet. Ein Luftschutzkeller des Zweiten Weltkriegs ist beklemmender Bestandteil des Anti-Kriegs-Museums, ein Rosinenbomber – eines der Flugzeuge, das die Alliierten zur Versorgung der Bevölkerung während der Blockade der Stadt durch die Sowjets 1948/49 eingesetzt hatten – macht die Geschichte im Alliiertenmuseum plastisch. Und bis in die Ur- und Frühgeschichte der heutigen Metropole geht es im Märkischen Museum zurück.

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