Berlin auf Hochtouren: Kreativmotor

Wenn in 100 Jahren jemand auf die Idee kommt, in Berliner Kellern zu stöbern, dann könnte er interessante Funde machen. Kleider etwa mit Berliner Straßenlaternendruck oder Seifen mit Fernsehturmmotiv. Vielleicht ist ja dann auch noch eines der Quartettspiele erhalten, die Berliner Lampentypen oder Plattenbaumodelle zum Thema haben. Niemals war die Auswahl an Gebrauchsgegenständen mit Motiven aus der Hauptstadt größer als derzeit. Fast könnte man meinen, der Berliner Designerszene fiele nichts anderes mehr ein, als Fassaden, Lampen und Gebäude auf Quartettspielen, Lampenschirmen oder Geschirrhandtüchern zu verewigen.

Der Kreativmotor brummt

Das allerdings ist ein Trugschluss. Nicht erst, seit die UNESCO im Januar 2006 Berlin als bislang einzige Metropole Europas zur Stadt des Designs gekürt hat, brummt der Kreativmotor an der Spree. Berlin ist hip, und selbst der „Spiegel“ hatte vor kurzem dem Unfertigen, dem ständigen Wandel, dem Zukunftsweisenden, aber auch dem Abgerissenen und Zerzausten eine Titelgeschichte gewidmet.

Und überall: Design

Eine solche Atmosphäre bietet den idealen Nährboden für Kreative, rund 350 vorwiegend junge Designer leben und arbeiten mittlerweile in der Hauptstadt. Was in Köpfen und Werkstätten entsteht, lässt sich auf dem Internationalen Designfestival Berlin bewundern: Der Designmai geht vom 12. bis 20. Mai in Shops und Locations in der ganzen Stadt über die Bühne. Wer zu diesem Zeitpunkt gerade nicht in Berlin ist, muss trotzdem nicht auf eine Begegnung mit dem Hauptstadtlook verzichten. Im „Berlinomat“ im szenigen Stadtteil Friedrichshain finden sich die zu Produkten gewordenen Ideen von über 150 Berliner Designern, die Palette reicht Mode über Schmuck und Sonnenbrillen bis Designaccessoires und Möbel.

Ganz besondere Stoffe

Doch noch einmal zurück zum Trend, Berlin als Motiv zu entdecken. Dies ist wohl auch der Tatsache zu verdanken, dass viele Desinger an der Spree zusätzlich als Architekten arbeiten. Dirk Berger etwa hat mit seiner Partnerin Sandra Seiwert jüngst in Berlin-Mitte S-Wert-Design eröffnet, einen Laden mit Stoffaccessoires wie Kissen und Tischdecken. Besonders stolz ist Berger auf eine neue Tischlampe. Ist die Funzel aus, sieht man einen schlichten bordeauxroten Schirm, im beleuchteten Zustand zeigt sie das Rautenmuster der ehemaligen Kaufhoffassade am Alexanderplatz.

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