11. April 2007: Uluru: Heiliger Stein der Aborigines

Voll unbeschreiblicher Würde und Grandiosität liegt er vor uns: der „Schattige Platz“, wie die Aborigines ihre heilige Stätte nennen. Ehrfurcht macht sich in mir breit. Chris, unser Tourguide, stellt gleich die Frage der Fragen: „Wer will hoch klettern?“ Jeder blickt um sich, sucht nach Verbündeten. Stille. Dann schnellen die ersten Arme nach oben. „Wir, wir wollen hoch!“, prescht Marc vor und deutet auf sich und seine zwei Freunde aus England. Sie sind nicht die einzigen. Mehr als die Hälfte unserer Gruppe kommt der Bitte der Aborigines nicht nach: den Fuß nicht auf den heiligen Berg zu setzen, dessen Eisenpartikel in der Sonne satt rot reflektieren. Ich verzichte und mache mich gemeinsam mit Nora, Ärztin aus Alice, auf den 9 km langen Rundgang. Der Berg zieht uns von der ersten Sekunde an in seinen Bann. Wir starren auf ihn, versuchen ihn zu begreifen. Ich schaffe es nicht, meinen Blick abzuwenden. Was macht bloß die Faszination aus? Der 348 m hohe Koloss wirkt, als sei er eines Tages einfach vom Himmel gefallen. Inmitten des Nirgendwo zieht er jährlich Hunderttausende von Touristen an. Es scheint, als hätten wir einen guten Tag erwischt: Auf unserem zweistündigen Spaziergang begegnen wir gerade einmal einer Handvoll kamerabewaffneter Schaulustiger. Doch Vorsicht: Schnappschüsse sind nicht überall erlaubt. Viele heilige Stellen darf man nicht nur nicht betreten, sondern auch nicht fotografieren. An manchen Orten zeugen über 30 000 Jahre alte Höhlenzeichnungen von religiösen Zeremonien. Diese finden auch heute noch statt – die Rituale werden allerdings fernab der Touristenströme abgehalten.

Farbenspiel

Da der Sandsteinfels vor allem für sein sagenhaftes Farbspiel berühmt ist, pilgern auch wir zu einer der ausgewiesenen “Sunset Viewing Areas“. Auf einer kleinen Anhöhe wird dem Sonnenuntergang entgegen gefiebert. Kaum angekommen, möchte ich die Flucht ergreifen. Wir sind umgeben von unzähligen Reisegruppen. Überall sind Tische, Stühle und Buffets mit kleinen Leckereien aufgebaut sowie Wein- und Sektausschänke errichtet. Unglaublich! Ich werfe Chris einen enttäuschten Blick zu und frage, weswegen wir ausgerechnet hierher kommen mussten. Er grinst: „Ganz einfach, es ist der beste Platz. Hier wirst du von der Atmosphäre und dem einzigartigen Naturspektakel gefangen. Warte ab, gleich geht es los. Im Handumdrehen hast du die anderen vergessen.“ Ich möchte es nicht glauben – doch Recht hat er. Ein leuchtendes Orange wandelt sich erst in Feuerrot, gefolgt von Purpurrot, Violett und Braun. Wahnsinn! Als es dunkel ist und der Aufbruch naht, zückt Chris eine Tüte Süßigkeiten. „Wer weiß, weswegen sich die Farbe ständig wandelt, ist nachher der Held am Lagerfeuer. Ich biete eine Riesenpackung Marshmallows für die richtige Antwort.“ Noch bevor ich etwas sagen kann, schreit Georg: „Die Eisenoxidverbindungen im Gestein sind es!“ Bingo! Kurz darauf brutzeln kleine weiße und rosa Bällchen über dem Feuer … so sieht er also aus, der perfekte Abend am Ende der Welt: die Stimmung mystisch, der Himmel sternenklar.

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