Ningaloo Reef – Aquarium voll tanzender Giganten

„In die Wetsuits, fertig, los!" ruft Fraser, Skipper von „Ningaloo Experience“. Die Company bietet für 80 Euro Riff-Trips, bei denen Wale beobachtet, mit Mantas geschwommen und mit kunterbunten Fischen und Korallen geschnorchelt wird. Zuerst schreckt mich der Preis ein wenig ab, doch Nina, eine Kommilitonin aus Melbourne, hat so sehr von dieser Halbtagestour geschwärmt, dass ich nicht widerstehen kann. So springe ich an diesem Morgen mit sechs anderen Wasserratten aus der ganzen Welt in die warmen Fluten des Indischen Ozeans. Wir nehmen sogleich die Verfolgung zweier riesiger, pechschwarzer Mantas auf. Die beiden Rochen gleiten graziös wie tanzende Teppiche durchs Wasser. Genauer betrachtet scheint es sogar, als würden sie durch die Fluten fliegen. Es ist gar nicht so einfach, das Tempo der Giganten zu halten und gleichzeitig mit der Wegwerf-Unterwasserkamera Fotos zu schießen. Doch dank eines Adrenalin- und Endorphinrausches gelingt selbst das! Später blicke ich in die vor Begeisterung strahlenden Gesichter meiner Tourbegleiter: Ob ich auch die vier kleinen Schmarotzerfische – angedockt an die schneeweißen Bäuche der Mantas – gesehen hätte? Und ob!

Wale

Die Mantas sind allerdings nicht die Hauptattraktion des Ningaloo Reefs, schließlich tummeln sie sich hier das ganze Jahr über im türkisgrün bis dunkelblau schimmernden Meer. Nein, das Riff ist zudem einer der wenigen Plätze weltweit, den Walhaie regelmäßig aufsuchen. „Zwischen März und Juni halten sich die Meeresriesen bei uns auf, während sie von ihren tropischen Brutgebieten zu den arktischen Futterplätzen wandern“, erklärt Fraser. Ich bin also zu früh, um mit den bis zu 18 m langen, gepunkteten Planktonfressern zu schnorcheln  – leider. Von Juni bis November ist Buckelwalsaison – am Fontänen- und Flossenzauber bin ich auch knapp vorbei geschrammt. Doch kein Grund, Trübsal zu blasen. Tummeln sich doch in Australiens größtem Küstenriff mehr als 520 Fisch- und 250 Korallenarten. Nach der Mittagspause nimmt Fraser sein Funkgerät in die Hand und legt den neuen Kurs fest. Eine halbe Stunde später ist es soweit: „Dugongs voraus!“, schallt es vom Steuerrad. Wir stürmen sofort zu Fraser. Dieser streckt seine Hand aus und deutet aufs Meer: „Schaut, da, auf 9 Uhr – eine kleine Seekuhfamilie.“ Ein Raunen geht durch die Gruppe. Fotos werden gezückt. Blitzlichtgewitter. Dann heißt es: schnellstmöglich ins Wasser. Auf Tuchfühlung mit den liebenswerten Dickerchen, deren Form mich sehr an die der Wale erinnert. Mehr Aufmerksamkeit würde wohl kein Promi der Welt erregen. Als ich am Abend in den sternenklaren Himmel blicke, leuchtet über mir das Kreuz des Südens. Nach wenigen Minuten erspähe ich auch noch eine Sternschnuppe. Doch ich bin bereits wunschlos glücklich.

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