18. Dezember 2006: Magnetic Island: Spektakuläre Koala-Begegnung

Als James Cook 1770 an Magnetic Island vorbeisegelte, spielte sein Kompass verrückt. Den Grund dafür kennt bis heute niemand. „Cook dachte, dass unsere Insel aus magnethaltigem Gestein besteht. Doch das ist Quatsch. Seither hat nie wieder jemand von komischem Kompassverhalten erzählt – den Namen haben wir trotzdem behalten“, erklärt Garreth, Besitzer des Hostels, in dem ich übernachte, während er mir einen Milchshake mixt. Die Erfrischung habe ich dringend nötig. Denn die Sonne brennt – und wie. Kein Wunder, schließlich zählt Maggie, wie die Australier die Insel vor den Toren der Stadt Townsville liebevoll nennen, zu den sonnigsten Flecken des Kontinents. Mehr als dreihundert Tage im Jahr ist der Himmel strahlend blau – so auch heute. Doch kühle Drinks schlürfen und am Strand liegen ist heute nicht drin, Ich habe Aufregenderes vor. Hat mir doch Craig, ein Neuseeländer, den ich auf der Fähre kennen gelernt habe, und der schon häufiger auf Maggie war, die Felsinsel als wahre Koalahochburg angepriesen. Das glaube ich natürlich erst, wenn ich die Beuteltiere mit eigenen Augen sehe!

Koala

Ich mache mich auf zur Horseshoe Bay im Norden der Insel, denn auf dem Weg dorthin sollen sich die Beuteltiere besonders gerne tummeln. Bereits nach einigen Schritten denke ich, dass ich mich hier als Koala auch wohl fühlen würde. Überall ragen üppig bewachsene Eukalyptusbäume empor. Nicht dicht gedrängt, sondern in lockerer Anordnung. Vereinzelt wachsen auch einige dunkelgrüne Hoop Pines, einheimische Nadelbäume, im Koalaparadies. Mein Blick konzentriert sich auf die Astgabelungen der Eukalypten, in denen die grauen Pelzknäuel besonders gerne schlafen.

Und dann, ja, ja, da, direkt vor mir ist er: der erste Koala. Grau und scheinbar schlafend sitzt er im Geäst. Dann führt er langsam – wie in Zeitlupe – seine Finger zum Mund und beginnt zu gähnen. So leise wie möglich, pirsche ich mich ein wenig näher heran, um auch wirklich kein Detail des Spektakels zu verpassen und bin sprachlos. Der Koala bietet mir wirklich ein besonderes „Spektakel“: verrichtet er doch tatsächlich gemütlich auf dem Ast sitzend sein Geschäft! Nach dieser „ergreifenden“ Tierszene brauche ich eine Abkühlung. Ich wandere zu einer verlassenen Bucht hinab, werfe meine Klamotten auf einen der riesigen, für die Insel typischen Granitfelsblöcke und stürze mich ins strahlend türkisfarbene Wasser. Im Visier von kackenden Koalas.

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