15. Februar 2007: Karijini-Nationalpark - Schluchten zum Schwärmen

Aufbruch: 5.30 Uhr. Gepäck: Wetsuit, Zahnbürste und Schlafsack. „Unsere Tour ist nichts für Weicheier!“ Das glaube ich John, am Wochenende Karijini-Tourguide und unter der Woche Minenarbeiter aus Port Hedland, sofort. Der Rotschopf ist Anfang vierzig, durchtrainiert und ein Mann der klaren Worte – ein richtiger Outbackguy eben. „Wir werden viel schwimmen und klettern. Zwischendurch wird gewandert. Und abends schlagen wir unsere Zelte im Nirgendwo auf. Toiletten und Duschen gibt es keine – dafür ein Lagerfeuer und einen Sternenhimmel, der euch sprachlos machen wird.“ Back to the roots, so die Devise für mich und sechs weitere Abenteuerhungrige für die nächsten zwei Tage.

Ich bin froh, dass wir so früh aufbrechen, denn Port Hedland ist eine sehr heiße und mit einer roten Staubschicht überzogene Industrie- und Hafenstadt. Charme gleich null. Die gut 300 km hinein ins Landesinnere zum Nationalpark sind von karger Halbwüste geprägt. Rote Erde, Termitenhügel und Spinifex-Grasbüschel, nur hin und wieder ein Eukalyptusbaum. Nach drei Stunden im Allradminibus erhebt sich die Hamersley Range vor uns. Der sich über 350 km erstreckende Gebirgszug liegt inmitten der Pilbara, der „Schatzkammer Australiens“. Hier befinden sich die reichhaltigsten Eisenerzvorkommen der Welt.

No worries

"No worries – hier gibt es nur hin und wieder giftige Schlangen”, witzelt John. Na wunderbar! Außerdem lässt er durchblicken, dass das Wasser in den Schluchten, in denen wir baden wollen, lediglich frostige 4 bis 14 Grad warm ist. Uff! Doch schon der Vogelperspektiven-Blick auf die malerische Hamersley Gorge entschädigt für den Schreck. Nach einer kurzen Wanderung stehen wir im plätschernden Herzen der Schlucht. Wie in Naturstein geschliffene Badewannen sehen die kleinen, ausgewaschenen grauen Steinbecken aus. Bei aller Kälte, ein Bad ist Pflicht. Wir zwängen uns in die mitgebrachten Wetsuits, und tatsächlich: Es ist nur etwas kühl. Damit es uns wieder warm wird, folgt kurz darauf die erste anspruchsvolle Kletterstrecke zum Handrail Pool. Wir schwitzen uns die Felswände entlang. Um die handtuchschmale Schlucht zu erreichen, bedarf es viel Geschick. Es lohnt sich: Rotes und graues schroffes Gestein ragt 50 m empor, vor uns ein kleines Schwimmbecken, von dem ein enger Gang zur nächsten Schlucht abzweigt, in die sich ein 10 m hoher Wasserfall ergießt.

Der zweite Tag: überall roter Staub. In den Haaren, an den Klamotten, sogar das Klopapier ist rostrot. Um wieder sauber zu werden, hilft nur ein erneutes Bad: Auf zur nächsten Schlucht! Die Wanderung ist recht einfach, entlang an Felsformationen in deren Ecken üppige, beinahe tropisch wirkende Pflanzen gedeihen. Am Fern Pool verschlägt es mir die Sprache: Ein palmenumsäumter Teich liegt vor meinen Füßen. Über die noch im Schatten liegende Wasseroberfläche fliegen kreischende Papageien. Perfekter kann kein Badezimmer der Welt aussehen. Ein perfekter Abschluss einer perfekten Tour.

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