31. Januar 2007: "The Pinnacles": Im Land der Hinkelsteine

Von der nordöstlichen zur südwestlichen Ecke von Australien ist es nicht gerade ein Katzensprung. Die Entfernung beträgt mehrere tausend Kilometer, der Flug dauert sechs Stunden. Durch die Zeitverschiebung habe ich immerhin zwei Stunden „im Schlaf“ gewonnen. Prima!

Bevor ich meinen Rucksack wieder aufsetze und meine Entdeckungstour durch Westaustralien hinauf zum „Top End“ starte, ist Relaxen in Perth angesagt. Perth ist die isolierteste Millionenmetropole der Welt. Sie liegt näher an Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens, als an Sydney. In der charmanten Stadt am Swan River reihen sich liebevoll restaurierte koloniale Sandsteingebäude an Wolkenkratzer mit glitzernden Glasfassaden. Da sich mein Greyhound-Billig-Busticket an der Ostküste bestens bewährt hat, werde ich auch im Westen wieder ein- und aussteigen, wo es mir gefällt. Einziger Wermutstropfen: Mein „Western Explorer“-Pass kostet stolze 360 Euro, den Buspass von Sydney nach Cairns gab es zum Schnäppchenpreis von 140 Euro. Dafür bekomme ich im Gegenzug auch noch weniger Service: Die Busse fahren statt dreimal meist nur einmal täglich. Woran das liegt? Der Westen ist nicht so überlaufen wie die Ostküste, die Zahl der Rucksackreisenden noch überschaubar. Für das unberührte, ursprüngliche Australien greife ich daher gerne tiefer in die Tasche.

Perth

Als ich nach drei entspannten Tagen in Perth gen Norden aufbreche, merke ich schnell, wie mit jedem Highwaykilometer die wilde Natur näher rückt. Nach knapp drei Stunden erreiche ich den Nambung Nationalpark. Besser bekannt als “The Pinnacles“, was übersetzt Zinnen oder Spitzen heißt. Über eine unbefestigte Straße fahre ich mit Mike, Ranger und Tourguide, in den Park. Nach blühendem Buschland, auf dem sich Emus und graue Kängurus verköstigen, eröffnet sich uns schlagartig ein atemberaubender Ausblick. Mike schmunzelt und sagt: „Welcome to the moon“ – doch ich komme mir vor, als wäre ich bei Asterix und Obelix im Land der Hinkelsteine gelandet. Vor uns ragen hunderte, nein, tausende Steinsäulen aus gelbem Sand. Mal messen sie nur wenige Zentimeter, mal stolze 5 m. Mal sind sie stricknadeldünn und stockgerade, mal bucklig und ebenso breit wie hoch – entstanden aus einem langen Verwitterungsprozess.

Die Sonne scheint und kein Wölkchen ist zu sehen. Der strahlende Himmel bildet einen einmaligen Kontrast zum leuchtenden Ockergelb der Steine und des Sandes. Das Farbspiel wird noch eindrucksvoller, als sich die Sonne senkt. Der Kalksandstein erscheint plötzlich golden und alle Säulen werfen lange Schatten. Mike, seit über zehn Jahren Guide im Park, verrät, dass manche der Säulen mittlerweile Namen hätten. Kein Wunder, auch ich beginne sofort allerlei Tierumrisse zu erkennen. Vor mir sehe ich einen Gorilla, der eine Banane isst – in Gesellschaft einer neugierigen Katze. Und da: Wenn das kein Saurier ist … Mittlerweile ist es dunkel und plötzlich fühle ich mich, als stünde ich auf einem riesigen Friedhof. Höchste Zeit, den gigantischen Steinwald inmitten der Wüste wieder zu verlassen.

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