15. Oktober 2006: Blue Mountains – nichts als weiße Wände

Die wuchtigen Baumkronen wirken wie ein satter grüner Teppich. Der stille Atem der dichten Wälder verleiht den Bergen ihren berühmten Farbton. Das Gebiet unweit von Sydney zählt zum UNESCO Weltkulturerbe und ist ein must do. Das sagen zumindest die Reiseführer. Ich dagegen sage: Wäre ich an diesem Tag mal besser in Sydney geblieben.

Und das, obwohl der Tag so gut begann. Mein Bahnticket nach Katoomba, Startpunkt meines Trips, war günstiger als erwartet. Der Himmel bis auf wenige Wolken strahlend blau. Ich war glücklich, mich gegen die überteuerten und bis auf die letzte Minute durchorganisierten Ganztagestourpakete entschieden zu haben.

Nebel

Nach zwei Stunden im Zugabteil wich mein Hochgefühl. Nicht wegen der kreischenden Kinder, die um sich schlugen und spuckten, sondern wegen der trüben Aussichten. Nichts als Nebelschwaden. Von steilen Tälern und erhabenen Eukalyptuswäldern keine Spur. Ich fühlte mich wie in Michael Endes Unendlicher Geschichte – nachdem das Nichts zugeschlagen hatte.

Am Echo Point: keine Three Sisters. Ein weißer Vorhang hatte sich über die bekannteste Gesteinsformation der Region gelegt. Im Regenwald: scheinbar keine Bäume. In Katoomba: blindes Umherirren zwischen Häuserwänden. Noch dazu: Dauerregen und klirrende Kälte. Aber aufgeben? Niemals. Ich wollte wenigstens einen Hauch von Blau erhaschen. Also ging es ab ins nächste Café, heiße Schokolade schlürfen. Kann sich doch Nebel ebenso schnell in Nichts auflösen, wie er daher kommt. Doch auch Stunden später: alles weiß. Von blau schimmerndem Dunst keine Spur. Meine Schokolade bestellte ich inzwischen mit Schuss … Und Eukalyptusgeruch hatte ich erst in der Nase als ich auf der Heimfahrt meine Bonbontüte öffnete.

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