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Türkei: Deutsche Verkehrsschilder auf türkischen Straßen

Stop, Vorfahrt achten, Achtung Baustelle – in der türkischen Gemeinde Dereköseler nahe der Schwarzmeerküste bietet sich Besuchern ein überraschendes Bild auf den Straßen des Ortes: Neben den landesüblichen Verkehrszeichen sorgen auch deutsche Verkehrsschilder für Ordnung. Grund dafür ist der "Ethno-Tourismus".

von Martin Fuchs, MARCO POLO Redaktion, 22.02.2024

Türkei: Deutsche Verkehrsschilder auf türkischen Straßen

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Stop, Vorfahrt achten, Achtung Baustelle – in der türkischen Gemeinde Dereköseler nahe der Schwarzmeerküste bietet sich Besuchern ein überraschendes Bild auf den Straßen des Ortes: Neben den landesüblichen Verkehrszeichen sorgen auch deutsche Verkehrsschilder für Ordnung. Grund dafür ist der "Ethno-Tourismus".

von Martin Fuchs, MARCO POLO Redaktion, 22.02.2024

Ein ungewohntes Straßenbild erwartet Besucher in der Gemeinde Dereköseler in der Türkei, die einen ungewöhnlichen Entschluss gefasst hat: An den Straßenrändern stehen und hängen alte deutsche Verkehrsschilder neben den Türkischen – und das, obwohl der beschauliche Ort nicht zu den Touristen-Hochburgen an der Schwarzmeerküste zählt. Damit machte die Gemeinde vor einigen Jahren landesweit Schlagzeilen, denn nicht zuletzt verstoßen die ausländischen Verkehrszeichen gegen die türkische Straßenverkehrsordnung. Der Grund für die "zweisprachige" Verkehrsregelung sind jedoch die rund 1.000 Deutsch-Türken, die jedes Jahr im Sommer die Heimat ihrer Familien besuchen.

Leichtere Orientierung

Dank der deutschen Verkehrsschilder finden sich die sogenannten "Ethno-Touristen", die jedes Jahr ihren Sommerurlaub im Heimatort ihrer Familie verbringen, viel besser im Straßenverkehr zu recht als vorher. Wer sich schon mal im Ausland durch schwer verständliche Schilder verfahren hat, kann sich vorstellen, was für eine Erleichterung die deutschen Schilder bedeuten. Zumal 40 Prozent der Einwohner sogar in Deutschland arbeiten. Bei den Schildern handelt es sich um ausrangierte Exemplare, die von den Deutsch-Türken gekauft und nach Dereköseler mitgebracht wurden, wo sie nun neben den türkischen Schildern hängen. Auch den Polizeichef der nahe gelegenen Stadt Zonguldak hat die Ordnungswidrigkeit bisher nicht zum Einschreiten veranlasst.

Keine Einbahnstraße

Die Initiative der "Ethno-Touristen" in Dereköseler ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr die Arbeitsmigration nach Deutschland auch die Türkei selbst beeinflusst hat. Diese begann bereits 1961 nach der Unterzeichnung des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Damals konnte sich niemand vorstellen, dass Deutschland zu einer dauerhaften Heimat für die Gastarbeiter werden würde. Heute reisen die nachfolgenden Generationen als Ethno-Touristen zwischen den beiden Ländern hin und her und bringen auch ein Stück Deutschland in die Heimat ihrer Väter und Großväter.