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Russland: Der giftigste Ort der Erde
Der Karatschai-See im südlichen Ural gilt als giftigster Ort der Erde. In den 1950er-Jahren nutzte die Sowjetunion den See für die Ablagerung von atomaren Abfällen. Eine anschließende Austrocknung des Sees verteilte den atomaren Staub auf eine noch viel größere Fläche. Die Strahlenbelastung war in den 1990er-Jahren noch so hoch, dass ein Aufenthalt am Ufer des Sees nach kürzester Zeit tödlich gewesen wäre.
von Solveig Michelsen, 11.12.2023
Russland: Der giftigste Ort der Erde
© Elena Duvernay, iStock
Der Karatschai-See im südlichen Ural gilt als giftigster Ort der Erde. In den 1950er-Jahren nutzte die Sowjetunion den See für die Ablagerung von atomaren Abfällen. Eine anschließende Austrocknung des Sees verteilte den atomaren Staub auf eine noch viel größere Fläche. Die Strahlenbelastung war in den 1990er-Jahren noch so hoch, dass ein Aufenthalt am Ufer des Sees nach kürzester Zeit tödlich gewesen wäre.
von Solveig Michelsen, 11.12.2023
Traurige Berühmtheit hat ein kleiner Ort im Süden Russlands erlangt: Der Karatschai-See in der Nähe der Stadt Kyschtym ist laut einem Bericht des Worldwatch Institutes der am stärksten verschmutzte Ort der Erde: 1991 lag die Strahlenbelastung am Ufer des Sees noch bei bis zu sechs Gray pro Stunde – eine für den Menschen nach rund zehn Minuten tödliche Dosis.
Ursprünglich wurden die atomaren Abfälle der Atomanlage Majak einfach in das Tetscha-Flusssystem entsorgt. Um die schnell sehr massiv auftretenden Strahlenschäden bei der Bevölkerung zu verhindern, leitete man den atomaren Müll nach und nach in den Karatschai-See um (1951 bis 1953). Erst danach begann man, die Abfälle in Tanks zu deponieren – wovon einer 1957 explodierte und zur immensen und lange geheim gehaltenen nuklearen Katastrophe von Kyschtym führte.
Der Karatschi-See jedoch trocknete in den 1960er-Jahren aus und setzte radioaktiven Staub frei, den der Wind 1968 über eine große Fläche verteilen konnte. Dabei wurden rund eine halbe Million Menschen mit einer ähnlichen Strahlendosis belastet wie nach dem Abwurf der Atombombe Little Boy in Hiroshima. Daraufhin begann man, den See mit Beton-Hohlkörpern aufzufüllen und abzudecken, um weitere Abtragungen zu verhindern. Trotzdem übertrifft seine Radioaktivität alles, was jemals durch Uran-Abbau, Atommüll-Beseitigung und die Katastrophe von Tschernobyl freigesetzt worden ist.
Sehr tragisch ist die Tatsache, dass in Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann, dass das restliche Wasser des Sees über Grundwasserströme in Kontakt mit dem Fluss Tetscha und damit dem Ob kommt. Auf diese Weise könnte die Radioaktivität den Arktischen Ozean erreichen und eine der letzten großen Wildnisse zerstören.