Die Stadt Como gilt als Epizentrum der europäischen Seidenproduktion.
© Boris Stroujko, shutterstock

Lago di Como: See und Seide

Lagerfeld, Dior, Versace, Dolce & Gabbana – wenn es um feine Stoffe geht, schwören die großen Namen der Haute Couture alle auf eins: Seide aus Como. Die Stadt am gleichnamigen norditalienischen See besitzt nicht nur lauschige Plätze mit schattigen Arkaden und jahrhundertealten Häusern, sie ist auch das Epizentrum der europäischen Seidenproduktion.

von Gesine Oltmanns, MARCO POLO Redaktion, 06.02.2024

Lago di Como: See und Seide

  • Die Stadt Como gilt als Epizentrum der europäischen Seidenproduktion.© Boris Stroujko, shutterstock

Lagerfeld, Dior, Versace, Dolce & Gabbana – wenn es um feine Stoffe geht, schwören die großen Namen der Haute Couture alle auf eins: Seide aus Como. Die Stadt am gleichnamigen norditalienischen See besitzt nicht nur lauschige Plätze mit schattigen Arkaden und jahrhundertealten Häusern, sie ist auch das Epizentrum der europäischen Seidenproduktion.

von Gesine Oltmanns, MARCO POLO Redaktion, 06.02.2024

Luxus für Haut und Seele

Wer sich einmal von der langen mit Palmen und bunten Blumen geschmückten Promenade losreißt und in die malerischen Gassen der Altstadt eintaucht, dem wird das nicht lange verborgen bleiben: Von der Krawatte bis zum Möbelstoff zieren Seidenartikel die Schaufenster. Hier schwelgst du in fließend weichen Kimonos und glänzenden Seidentüchern, dort in Ballen wallenden Stoffes und bauschigen Kissen – ein Luxus für Haut und Seele. Jungdesigner trumpfen mit wagemutigen Kreationen auf wie Leopardendruck auf durchsichtigen Strandhosen, Traditionshäuser wie Mantero, Frey und Ratti bieten ihre Ware sogar in preisgünstigen Factory Outlets an, beispielsweise das Franciacorta Village nördlich von Como nahe Brescia.

Seide für Papst und Präsident

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Die in Como hergestellten Seidenprodukte gehören zu den hochwertigsten der Welt: matt im Glanz, leicht und weich wie eine Feder. Selbst in China, wo das noble Tuch "erfunden" wurde und das noch immer dessen weltgrößter Produzent ist, nickt man anerkennend Richtung Italien. Hier hat man längst einige Granden der Branche vorgebracht. Zum Beispiel Giuseppe Bianchi, einem der ganz Großen in Como. Der Seidenweber in vierter Generation stellte Schmuckbänder für die Schärpen des Papstes her und fertigte den Bezug der Brokatkissen im Weißen Haus an. 1000 € und mehr kostet ein Meter seiner edelsten Stoffe.

3200 Tonnen im Jahr

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Die Seide hat Tradition am See. Schon während der Renaissance wurden in der Brianza südlich von Como Seidenraupen gezüchtet. 1748 gab es bereits 248 Spinnereien, im 19. Jh. war das Tuch wichtigster Exportartikel der gesamten Lombardei. Zwar machten Krankheiten und Schädlinge der Produktion schließlich ein Ende, doch die schlauen Italiener stiegen auf importierte Rohseide aus Fernost um und spezialisierten sich in der Verarbeitung: Design der Muster, Weberei, Färberei und Druck von Seidenstoffen. Vor dem COVID-19-Ausbruch war Como für 70 Prozent der europäischen Seidenverarbeitung verantwortlich – 3200 Tonnen im Jahr. Doch während der Pandemie standen auch hier die Spulen still und die Geschäfte brachen weg. Glücklicherweise erholt sich die Industrie grade wieder. Ob allerdings die "Idea Como‘" wieder stattfinden wird, die führende Messe für Seide, die 1978 auch Karl Lager besuchte, bleibt abzuwarten.

Geschichte des Stoffes der Könige

Einen Einblick in die historische Produktion des Stoffs der Könige gewinnst du im Seidenmuseum in Como. Auf 900 qm sind antike Maschinen, Instrumente und Webstühle zu sehen. Das chemische Labor von 1922 mit seinen dutzenden Fläschchen, Phiolen und Tiegeln erinnert dabei eher an eine Apotheke. In der Farbenküche stehen gewaltige Holzzuber und Metallkessel und im Webesaal beeindruckt ein riesiger doppelter Webstuhl von 1870. Dicht an dicht finden darauf 288 Garnspulen Platz.

Weltweit einmalig: der Concept Store für Seide

Ebensolche Ungetüme standen auch in der stillgelegten Weberei in der Viale Roosevelt etwas außerhalb der Innenstadt. Doch in der für zwei Millionen Euro umgebauten Fabrikhalle von 1887 breitet sich heute der ultramoderne Laden La Tessitura aus, der erste ganz der Seide gewidmete Concept Store der Welt. Der größte Seidenhersteller Comos, Moritz Mantero, hat hier sein Experimentierfeld. Neben Krawatten in edlen Mustern sind ausgefranste Seidenpantoffel und schrille Röcke, bunte Pareos und ausgefallene Taschen auf Tischen und Stangen drapiert – vieles aus Verarbeitungsresten der klassischen Linie recycelt. Vom "Loom Café" im Zwischenstock, das wie die Bibliothek und eine Galerie zum Geschäft gehört, kannst du dir einen Überblick über das kunterbunte Angebot verschaffen.

Informationen

Der Lago di Como im Internet
comersee-info.de
comolake.com

Museo didattico della Seta di Como (Seidenmuseum)
Via Castelnuovo, 9 - 22100 Como, Eintritt: 7 €, Storie de Lago: 12 €
museosetacomo.com (engl.)

Seidengeschäfte und Factory Outlets:

Frey & Co.
Shop Bellagio, Via Garibaldi 27, Bellagio, Como, frey.it

Ratti
Via Per Cernobbio 19, Como ratti.it

Studio Tucano
Lungo Lario Trieste 54, Como