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Kuba: Die Totenstadt von Havanna
Die Necrópolis Cristóbal Colón, auch Kolumbusfriedhof genannt, ist mit einer Fläche von 56 Hektar und über zwei Millionen begrabenen Toten - fast so viele, wie Havanna Einwohner hat - eine der größten Begräbnisstätten der Welt. Aber auch eine der Schönsten und Interessantesten.
von David Desta, MARCO POLO Redaktion, 15.12.2023
Kuba: Die Totenstadt von Havanna
© Anton Zelenov, shutterstock
Die Necrópolis Cristóbal Colón, auch Kolumbusfriedhof genannt, ist mit einer Fläche von 56 Hektar und über zwei Millionen begrabenen Toten - fast so viele, wie Havanna Einwohner hat - eine der größten Begräbnisstätten der Welt. Aber auch eine der Schönsten und Interessantesten.
von David Desta, MARCO POLO Redaktion, 15.12.2023
Als die Bevölkerung Havannas Mitte des 19. Jahrhunderts immer stärker anwuchs und der Platz auf dem Zentralfriedhof nicht mehr ausreichte, wurde per königlichen Erlass der Bau des Cementerio de Colón beschlossen. Es ist der größte Friedhof Amerikas und der drittgrößte weltweit, benannt nach dem in Sevilla begrabenen Entdecker Christoph Columbus, der überall in der Hauptstadt verewigt ist. 1871 eigentlich weit außerhalb der Stadt eingerichtet, ist die Necrópolis mittlerweile Teil des Viertels Vedado. Seit 1987 steht der Friedhof unter Denkmalschutz, doch trotzdem finden hier täglich bis zu 50 Begräbnisse statt und lassen die Zahl der Gräber jährlich um 20.000 anwachsen.
Von Dichtern und Wundertätigen
Necrópolis ist spanisch für Totenstadt. Eine Stadt mit berühmten Bewohnern: Vom Revolutionär Máximo Gómez über Musiker wie Rubén Gonzáles, dem Dichter Alejo Carpentier und dem Schachweltmeister José Raúl Capablanca, bieten viele der wunderschönen Grabstätten bekannten Persönlichkeiten eine letzte Ruhestätte. Aber auch eine Stadt mit vielen Geschichten, die sich um die alten Gräber ranken. Eine davon ist die von Amelia Goyri, der Wundertätigen "La Milagrosa", die 1901 bei der Totgeburt ihrer Tochter im Alter von 24 Jahren ums Leben kam. Ihr Ehemann soll das Grabmal seiner Frau bis zu seinem Tod jeden Tag besucht haben und kehrte ihrer letzten Ruhestätte nie den Rücken. Als man das Grab nach 13 Jahren öffnete, sollen die Leichen völlig unversehrt gewesen sein, und das Kind, das eigentlich zu den Füßen der Mutter begraben war, fand sich in ihren Armen wieder. Bis heute ziehen vor allem schwangere Frauen zum Grab um zu beten und verlassen es rückwärtsgehend, um die Tote zu ehren, wie ihr Mann es tat.
Gut zu wissen
Wer den Kolumbusfriedhof heute durch das Friedenstor betritt, der wird die schachbrettartige Anordnung der Gräber sofort erkennen. Die Architekten Calixto de Loira und Eugenio Rayneri Sorrentino legten den Friedhof streng symmetrisch an und teilten ihn durch kreuzförmige Alleen in vier Teile, nicht nur aus symbolischen, sondern auch aus gesellschaftlichem Gründen: Im Südosten finden sich einfache Grabplatten und Massengräber, während sich die prunkvollen Mausoleen und Totenpaläste, hauptsächlich im Norden, der früher den Weißen vorbehalten war, befinden. Doch im Tod sind alle gleich, und so trifft hier das Christentum auf afrikanische Begräbnisriten: Nicht selten ziehen die Trauergemeinden mit Priester und Kreuz zu traditionellen Klageliedern und unter Trommelschlägen zum Grab. Bisweilen wird sogar der Sarg selbst zum Perkussionsinstrument. Die "Marmor-Stadt", wie sie von den Einheimischen auch genannt wird, zieht jährlich 160.000 ausländische Touristen an, für die Führungen auf Englisch, Französisch und Russisch angeboten werden. Für Besucher ist allerdings Vorsicht geboten: Der Friedhof ist befahrbar. Dass aus Pietät nicht gehupt wird, bedeutet nicht, dass die Fahrer es nicht eilig hätten.