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Fünf Orte, die durch Instagram zerstört werden

#overtourism – Urlaub fürs perfekte Bild

Instagram ist ja an sich eine tolle Sache: haufenweise Reiseinspirationen, Tipps für die besten Restaurants und die schönsten Spots für Sonnenuntergänge – ein kleiner Reiseguide im Hosentaschenformat. Doch mittlerweile werden viele Orte nicht mehr wegen ihrer kulturellen Besonderheiten besucht, sondern aufgrund der "Instagramability". Das Problem: Auf der Jagd nach dem perfekten Foto gehen viele der ehemals einzigartigen Orte unter den Touristenmassen zugrunde. Diesen fünf Orten schadet ihre Berühmtheit auf Instagram mehr als sie ihnen nutzt.

von Sinja Stiefel, MARCO POLO Redaktion, 14.03.2024

Fünf Orte, die durch Instagram zerstört werden

#overtourism – Urlaub fürs perfekte Bild
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Instagram ist ja an sich eine tolle Sache: haufenweise Reiseinspirationen, Tipps für die besten Restaurants und die schönsten Spots für Sonnenuntergänge – ein kleiner Reiseguide im Hosentaschenformat. Doch mittlerweile werden viele Orte nicht mehr wegen ihrer kulturellen Besonderheiten besucht, sondern aufgrund der "Instagramability". Das Problem: Auf der Jagd nach dem perfekten Foto gehen viele der ehemals einzigartigen Orte unter den Touristenmassen zugrunde. Diesen fünf Orten schadet ihre Berühmtheit auf Instagram mehr als sie ihnen nutzt.

von Sinja Stiefel, MARCO POLO Redaktion, 14.03.2024

1. Pragser Wildsee, Italien

Der Lago di Braies ist DER einsame Bergsee schlechthin! Danach sieht es zumindest auf den zahlreichen Bildern aus, die unter dem Hashtag #lagodibraies auf Instagram kursieren. Doch alleine ist man fürs Sonnenuntergangsfoto am malerischen Bergsee schon lange nicht mehr. Dank seines leuchtendblauen Wassers und den spektakulären Bergspitzen, die dem See seine ganz besondere Kulisse verleihen, ist das Gewässer auch aufgrund zahlreicher Instagram-Verlinkungen zum Urlauber-Hotspot geworden, der besonders in den Ferien oft überlaufen ist. Schade!

2. Tulpenfelder, Niederlande

Geotags sei (nicht) dank, musste in den letzten Jahren so mancher Tulpenbauer in den Niederlanden große Ernteverluste hinnehmen. Viele übermotivierte Influencer spazieren auf der Suche nach dem perfekten Bildwinkel ohne Rücksicht auf Verluste durch die bunten Tulpenreihen – und zertrampeln dabei das eigentliche Fotomotiv. Das Ende der Geschichte: Viele Bauern haben ihre Felder mittlerweile für Touristen gesperrt.

3. Trolltunga, Norwegen

Wer dem Hashtag #trolltunga folgt, um die scheinbar endlose Einsamkeit der Natur rund um die spektakuläre Felsformation einmal mit eigenen Augen zu sehen, wird vor Ort schnell eines Besseren belehrt. Obwohl viele Bilder absolute Einsamkeit rund um den spektakulären Felsvorsprung suggerieren, bilden sich häufig schon morgens lange Menschenschlangen hinauf zur ‚Trollzunge‘. Das perfekte Foto vor dem Abgrund? Das will hier natürlich jeder haben. Hinzu kommt, dass die Instagram-Wut schnell gefährlich werden kann: Immer wieder verunglücken leichtsinnige und schlecht ausgerüstete Touristen bei der Jagd nach dem perfekten Selfie schwer. Das ist es nun #wirklichnichtwert.

4. Pig Beach, Bahamas

Süüß! Die schwimmenden Schweinchen am traumhaften Strand von Big Major Cay sind zweifellos ein echtes Highlight für Bahamas-Urlauber. Das obligatorische Posing mit den Rüsselnasen, für die daheimgebliebene Followerschaft, gehört selbstverständlich zu jedem Besuch mit dazu. Problem: Das klassische Neben-dem-Schwein-Stehen ist vielen Hobby-Fotografen mittlerweile zu langweilig geworden. Die Tiere werden hochgehoben, mit Alkohol gefüttert und sogar zum Reiten missbraucht - alles fürs vermeintlich ‚einzigartige‘ Instagramfoto. 2017 führte dieses andauernde Fehlverhalten augenscheinlich zu einem Massensterben der Tiere. Verantwortungsvolle Urlauber schalten den Geotag daher lieber aus und genießen den Anblick der Schweine, ohne sich mit Tierquälerei online profilieren zu müssen.

5. Gasthaus Aescher-Wildkirchli, Schweiz

Spätestens seit das spektakulär gelegene Gasthaus Aescher-Wildkirchli 2015 auf dem Cover des National Geographic Reisemagazins erschien, strömen Besucher aus der ganzen Welt in Scharen auf den Berg um Käserösti zu essen – und das kleine Gasthaus, das sich eng an die Felswand der Appenzeller Alpen schmiegt, in ihrem Instagram-Feed zu verewigen. In den letzten Jahren wurde der Andrang jedoch so groß, dass die Pächterfamilie, die das Aescher seit drei Jahrzehnten bewirtschaftete, 2018 das Handtuch warf. Grund: Kapitulation vor den Besuchermassen. Seit Sommer 2019 ist das Gasthaus nun wieder unter neuer Leitung geöffnet. Man kann nur hoffen, dass ab jetzt mehr Ausblick und weniger Ablichten für die Wanderer im Vordergrund steht.