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Bulgarien: Osterbräuche zwischen Tradition und Moderne
Das erste Ei muss rot sein: In Bulgarien ist das Osterfest vor Weihnachten der wichtigste kirchliche Feiertag des Jahres, der von traditionellen Bräuchen begleitet wird. Nun hat auch der katholische Osterhase Einzug in die orthodoxe Republik am Schwarzen Meer gehalten.
von Martin Fuchs, MARCO POLO Redaktion, 12.12.2023
Bulgarien: Osterbräuche zwischen Tradition und Moderne
© Kongkiat Charoensawat, shutterstock
Das erste Ei muss rot sein: In Bulgarien ist das Osterfest vor Weihnachten der wichtigste kirchliche Feiertag des Jahres, der von traditionellen Bräuchen begleitet wird. Nun hat auch der katholische Osterhase Einzug in die orthodoxe Republik am Schwarzen Meer gehalten.
von Martin Fuchs, MARCO POLO Redaktion, 12.12.2023
Ostern ist in Bulgarien das wichtigste Kirchenfest des Jahres, was bereits in der Bezeichnung "Velikden" ("Großer Tag") zum Ausdruck kommt. Fast die ganze Woche vor dem Osterfest ist von Bräuchen und Traditionen geprägt, die zur Vorbereitung auf das große Fest am Ostersonntag dienen - und das obwohl religiöse Feste in der Geschichte des Landes lange unterdrückt wurden: Rund fünf Jahrhunderte gehörte Bulgarien zum Osmanischen Reich, das die damalige Provinz nach islamischen Recht verwaltete. Jedoch unterdrückte besonders das kommunistische Regime die christlich-orthodoxen Feierlichkeiten, die erst nach der Wende im Jahr 1989 eine Wiedergeburt erfuhren. Seither haben auch die freien Medien zur Vermischung katholischer und orthodoxer Osterbräuche beigetragen und beispielsweise den Osterhasen in bulgarische Wohnzimmer gebracht.
Süßes Osterbrot mit Ei
Die Feierlichkeiten beginnen in Bulgarien bereits sieben Tage vor dem Osterfest mit der "Leidenswoche", die durch das Fasten, aber auch von zahlreichen Bräuchen und Traditionen bestimmt wird: Am Lazarustag flechten unverheiratete Mädchen Kränze aus Weidezweigen, die sie dann am Palmsonntag in einen Fluss werfen um die nächste Braut zu bestimmen. Dabei kündigt der am schnellsten schwimmende Kranz die Hochzeit seiner Macherin an. Während in den ersten Tagen der Karwoche die Häuser ordentlich geputzt werden, herrscht am Gründonnerstag ein strenges Arbeitsverbot. An diesem Tag werden die Ostereier gefärbt, wobei das erste Ei symbolisch für das Blut Christi rot bemalt wird. Am Karfreitag backen die Bulgaren das traditionelle Osterbrot "Kosunak", in dessen Mitte ein Ei platziert wird. Das süße Brot wird mit Mehl, Eiern, Zucker, Hefe und Früchten angerührt und ist mit einem Rosinenzopf vergleichbar.
Eierkampf für ein gutes Jahr
Am Tag vor dem großen Fest wird die frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu verkündet: Die Menschen begrüßen einander mit den Worten "Christus ist auferstanden" ("Hristos vyskrese"), worauf mit "Er ist wahrhaftig auferstanden" ("voistina vyskrese") geantwortet wird. Außerdem steht ein allseits beliebter Eierkampf auf dem Programm, bei dem zwei Kontrahenten ihre Ostereier gegeneinander schlagen: Ein gutes Jahr blüht demjenigen, dessen Ei nicht zerbrochen ist. Am Ostersonntag versammelt sich schließlich die ganze Familie zu einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem traditionell Lammfleisch und Wein serviert wird - und Osterhasen eine Brücke zwischen Tradition und Moderne schlagen.