MARCO POLO TV: ULTRA-GrenzgängerFolge 3: Am Rande der Kalahari – Windhoek-Etosha-Swakopmund

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Der Nullmeridian in Greenwich ist der Startpunkt für eine Reise der Extreme von Julian Hylla und seinem Kameramann Philipp Bender – es ist die Reise ihres Lebens. Vier Wochen lang waren sie unterwegs, erreichten Europas nördlichste Regionen und schließlich das Kap der Guten Hoffnung im äußersten Süden Afrikas. Ihre Herausforderungen und intensivsten Momente sowie atemberaubende Landschaftsaufnahmen haben die beiden in einer vierteiligen Dokumentation in ultrahoch- auflösender Qualität festgehalten.

Hier berichtet Julian Hylla, was er und sein Kameramann Philipp Bender auf der Reise von Kap zu Kap erlebt haben:

Was haben wir am Nordkap gefroren – Grenzgänger hin oder her – in Windhoek auf der Kaiserstraße, die heute Independence Avenue heißt, lachte uns die heiße Afrikanische Sonne an und unser schöner aber kalter Norwegen Trip verschwand erstmal auf der Festplatte. Auf dem Schirm hatten wir jetzt ausschließlich unsere anstehende Tour: offroad durch das südliche Afrika. Für Philipp und mich „Terra incognita“ – unbekanntes Land, wir taten ganz cool, waren es aber nicht.

Bei der Firma Africa on Wheels stand für uns ein Toyota-Ungeheuer parat, das extrem nach Abenteuer aussah und das ich erst mal andeutungsweise verstehen musste. Klar, das Steuer war auf der rechten Seite, macht ja Sinn in einem Land, in dem links gefahren wird, aber die ganzen Camp-Aufbauten. Ich kann Wurfzelte aufbauen, aber dieses Können war hier gerade nicht gefragt. Gut, dass Philipp in seinem früheren Leben offensichtlich Campingplatzpächter war. Er half mir auf die Sprünge und der Meister von der Vermietstation übte sich auch in extremer Geduld. Zu seinem eigenen Wohl, er wollte sein Auto ja auch als Auto zurückbekommen. Irgendwann saß ich dann hinterm Steuer - Philipp hatte natürlich meine stümperhafte „Gewöhnung ans Gerät“ in allen Einzelheiten gefilmt – und wir verließen Windhoek auf einem breiten Highway Richtung Norden. Savannenlandschaften in den verschiedensten Brauntönen zogen an uns vorüber, am Horizont mitunter bizarre Felsgebirge. Und die Straße säumte auf beiden Seiten fast durchgängig ein Weidezaun. Unglaublich, dass auf diesen kargen Böden Vieh gehalten werden kann. Extensive Weidewirtschaft nennt man das, habe ich gelernt. Logischerweise sind die Farmen, die man von der Straße häufig gar nicht sehen kann, riesengroß, manchmal besitzen sie über 300 Quadratkilometer Land. Nach 450 Kilometern finden wir am Südrand des Etosha Nationalparks noch einen Stellplatz auf einem Campingplatz. Wie gerne hätten wir im legendären Joe’s Beerhouse in Windhoek vor der langen Fahrt noch ein schönes Zebra-Steak gegessen, aber das hatte zeitlich nicht gepasst. Jetzt mussten wir Hunger schieben, zumal es dunkel wurde und wir noch unser Dachzelt aufbauen mussten. Beim Testliegen gab’s dann die böse Überraschung: Toyota Dachzeltkonstruktionen sind zwar ziemlich durchdacht, aber nicht für zwei Männer konzipiert, von denen einer 2 Meter misst. Also hat mich Philipp rausgeschmissen und ins Reservekuppelzelt auf dem staubigen Boden einquartiert, immerhin hat er mir beim Aufbau geholfen.

Am nächsten Morgen warteten dann die Big Five im Etosha Nationalpark auf uns. Auf Safari mit dem eigenen Wagen und dabei völlig frei in der Routenwahl. Kleine Einschränkung: Aussteigen nur in eingezäunten Arealen erlaubt. Hier kommen Menschen hinter den Zaun, nicht die Tiere! Statt Löwen gab‘s zur Eingewöhnung erstmal nette Springböcke zu sehen, dann kamen Zebras ins Blickfeld - und ich dachte, dass die hier auch besser aufgehoben sind als auf einem Grill in Windhoek – es folgten Giraffen. Elefanten und Nashörner. Von den Big Five, das sind Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard, fehlten also ein paar Vertreter. Aus verständlichen Gründen: Büffel leben gar nicht im Park, Leoparden sind extrem scheu und eher nachts aktiv und die Löwen, ja die fehlten irgendwie unentschuldigt. Aber auch ohne sie waren wir absolut beeindruckt, zumal an den Wasserlöchern wegen der Trockenzeit Hochbetrieb herrschte. Das Bild erinnerte uns im Spaß ein wenig an das Gedränge an der Theke einer Kölner Kölschkneipe. Als wir uns sattgesehen hatten, sind wir weiter gedüst, Richtung Süden. Unser Ziel war Swakopmund, die „deutsche“ Stadt am Atlantik. Wir haben dort das ehemalige Amtsgericht bestaunt, ein paar typisch deutsche Kaffeeteilchen verschlungen und ich hab mir von einem cleveren Souvenirhändler für umgerechnet 26 Euro eine Art Kastanie aufschwätzen lassen, in die er mit‘nem Kugelschreiber vor meinen Augen Julian eingraviert hat. Der Bursche muss mich irgendwie auch hypnotisiert haben, 26 Euro für eine Kastanie! Wo war Philipp? Klar, hinter der Kamera und fast ohnmächtig vor Lachen. Gleich hinter Swakopmund reichen die gewaltigen Dünen der Namib Wüste bis an den Ozean und genau in diesem riesigen Sandkasten sind wir dann ein wenig spielen gegangen. Dünen rauf und runter gelaufen, gestolpert und gerutscht, absolut fasziniert von den Licht- und Farbspielen bei untergehender Sonne, wenn die Wüste wirkt, als würde sie Feuer fangen. Wir hatten zur Vorbereitung auf unsere Reise das Buch „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ von Henno Martin gelesen. Daran mussten wir jetzt denken. Martin hatte sich mit seinem Freund vor dem zweiten Weltkrieg hier in der Wüste versteckt, über zwei Jahre lang – unglaublich, aber wahr.

Wir klopften uns den Sand aus den Schuhen, stiegen in unseren klimatisierten Geländewagen und ritten in den Sonnenuntergang.

Mit Julian Hylla und Philipp Bender

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