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St. Anton am Arlberg

Skifahren auf höchstem Niveau (2/2)

St. Anton am Arlberg - Skifahren auf höchstem Niveau

Für derlei ästhetische Details haben die Gäste jedoch üblicherweise erst nach Pistenschluss Augen. Denn tagsüber geben sie sich dem Weißen Rausch hin. Unter diesem Titel hielt der Regisseur Arnold Fanck bereits 1930 auf 35 mm fest, was passiert, wenn begeisterte Skifahrer mit dem Arlberg zusammentreffen. Sie werden trunken vor Glück – damals ebenso wie heute. Sie törnen sich an, indem sie ihren Blick über tief verschneite Bergkanten schweifen lassen, sie betrinken sich mit dem Anblick des Tiefschnees und geben sich schließlich auf Buckelpisten die Kante.

Der Rausch von St. Anton ist von der Sorte, die süchtig macht. Für blutige Anfänger ohne Skikurs nicht zu empfehlen: 75 Prozent der Pistenkilometer von St. Anton liegen im roten und schwarzen Bereich, doch selbst die blauen Abfahrten haben noch Pep. St. Anton ist sportlich; auf den Abfahrten von der Valluga und dem Rendl legen selbst Skiseniorinnen Schwünge wie aus dem Lehrbuch hin. Welche Anorakmarke sie dabei tragen, ist sekundär. Anders als im noblen und schicken Lech auf der anderen Arlbergseite, wo die Pisten breiter sind, die Champagner-Bars zahlreicher und die Mittagspause auf den Sonnenterrassen von Balmalp gern auch genussvoll bis vier Uhr nachmittags ausgedehnt wird, spielen hier sozialer Status und Geld keine besonders große Rolle. Wichtiger ist immer noch, dass man mit Anstand das höllisch buckelige Schindlerkar herunterkommt.

Seit einiger Zeit macht sich jedoch auch im sportlichen St. Anton eine genießerische Grundhaltung breit. Gut zu beobachten lässt die sich auf 2085 Höhenmetern oder genauer: in der Bergstation der Galzig-Bahn, durch die um die Mittagsstunde ein feiner Duft nach Safran, Knoblauch und frischem Fisch zieht. Kenner wissen dann: In der Verwallstube steht Bouillabaisse auf der Karte. Und alle Tische sind besetzt. Denn das Lokal im Gebäude der Bergstation ist ein mit zwei Hauben ausgezeichnetes Gourmet-Restaurant – ein Rekord in so dünner Luft. Nichts erinnert hier an das übliche Skihütten-Programm: Auf weiß eingedeckten Tischen glitzern Kristallgläser, die Service-Mädchen in ihren weißen Blusen parlieren mehrsprachig, über hausgemachte Nudeln wird großzügig Alba-Trüffel gehobelt und auf der Weinkarte finden sich rund 250 edle Etiketten, persönlich ausgesucht von Wirt Manfred Fahrner, der das Konzept der Verwallstube in den Neunziger Jahren erfunden hat.

Ein ziemliches Wagnis damals, auf über 2000 Meter Höhe Loup de Mer statt Pommes und Germknödel anzubieten, doch die Philosophie fand Anklang. Heute sitzen in dem lichtdurchfluteten Raum sonnengegerbte Tiefschnee-Kapitäne mit Lawinenpiepser an der Skihose, die noch einen Sancerre bestellen, kinderreiche Familien mit persönlichem Skilehrer und manchmal auch Caroline von Monaco samt Hofstaat, obwohl die ja eigentlich in Zürs auf der anderen Arlbergseite eingebucht ist. Aber wer widersteht nach einem halben Pistentag schon dem Aroma frisch gegrillter Rotbarben!

Auch unten im Dorf ist Wohlbefinden angesagt. War Sankt Anton früher vor allem für fröhliches Aprés-Ski-Treiben bekannt, so finden Gäste heute nichts mehr dabei, sich statt ein paar Bieren einen Entspannungsabend im neuen Wellnesszentrum „well.com“ zu gönnen. 27 Grad ist das Wasser im Außenbecken heiß; ermattete Skifahrer treiben wohlig entspannt durch die Fluten, und hinter den Dampfschwaden setzt der Arlberg sein Gute-Nacht-Spektakel in Szene: Abenddämmerung im Gebirge, Alpenglühen auf verschneiten Hängen und Bergwäldern, Friede und Harmonie in wohlig gewärmten Gliedern und mit der Natur. Schön ist auch die finnische Sauna, geräumig wie ein Wohnzimmer, mit Panoramafensterwand zum Sonnenuntergang. Ein schöner Ort übrigens, um im schwindenden Tageslicht schon einmal die nächsten Abfahrten auszuloten.

Denn Arlberg bedeutet immer noch vor allem Tiefschnee. Er ist das österreichische Off-Piste-Paradies schlechthin. 180 km Varianten warten abseits der präparierten Pisten, sanfte Hänge ebenso wie wie dramatische Tobel, trichterförmige Täler mit engem Ausgang, für erfahrene Freerider. Freeriden ist die Fortentwicklung des Tiefschneefahrens – ein Sport für echte Könner, angereichert mit Tricks und Sprüngen. Freaks aus der ganzen Welt treffen sich in St. Anton in der Hoffnung, morgens als erste ihre Spur in einen frisch verschneiten Hang fräsen zu dürfen.

Einheimische Skifahrer wiederum finden die Bedingungen hier so gut, dass sie erst gar nicht weggehen. Geli Häusl etwa, 39 Jahre alt und am Arlberg aufgewachsen, fuhr acht Jahre lang als Profi in internationalen Freeride-Competitions mit und führt jetzt als geprüfte Skiführerin auch Gäste ins Gelände rund um St. Anton. „Die Landschaftsform hier mit ihren eher runden Gipfeln und steilen, felsdurchsetzten Tobeln eignet sich einfach perfekt dafür“, schwärmt sie von ihrer Heimat. „Ob Rendl, Maroikopf, Schindlerspitze, du hast an jedem Berg extrem viele Möglichkeiten.“ Dann packt die junge Frau mit den langen blonden Haaren Skier, Helm und Lawinenausrüstung zusammen, setzt sich ins Auto und steuert die Galzig-Bahn an. In der Nacht hat es geschneit und sie will den Jungbrunntobel machen. Hannes Schneider, Gott hab ihn selig, wäre sicher stolz auf sie.


St. Anton am Arlberg — Skifahren auf höchstem Niveau: Seite 1

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