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Fuerteventura — Sonnige Zeiten (2/4)

Fuerteventura - Sonnige Zeiten

Und davon hat Fuerteventura reichlich, die längsten und schönsten Strände liegen im Süden zwischen Morro Jable und Jandia sowie hier im Norden bei Corralejo. Wobei letzterer Ort so etwas wie der Sündenfall ist auf dieser Insel der Ruhe: Einst ein verschlafenes Fischernest, wohnt dort heute neben knapp 15.000 Einheimischen stets ein Vielfaches an Touristen. Rockmusik dringt aus coolen Bars, an Plätzen und Straßen reihen sich Shops und Cafés unter Palmen, und abends ist hier und da schon mal Disko. Doch am Hafen hocken noch immer die alten Majoreros auf harten Bänken, legen Fährschiffe gelassen ab nach Lanzarote oder zur kleinen, vorgelagerten Vulkaninsel Los Lobos, die unbewohnt ist und bei einem Tagesausflug prima zu Fuß umwandert werden kann.

Wer dann abends zurückgeschippert ist nach Corralejo, verputzt in einer der Hafenkneipen etwa einen Teller voll Papas arrugadas (kanarische Schrumpelkartoffeln) mit der würzigen Mojo rojo und frisch gebratenes Zicklein oder Kaninchen im Safran-Chili-Sud, später nach dem Wein gibt’s einen kräftigen Brandy, und die tiefe Nachtruhe ist gesichert.

Am nächsten Morgen surrt der Leihwagen ins Inselinnere, über schmale, gut asphaltierte Serpentinenstraßen, die schon mal von übermütigen frei laufenden Ziegen blockiert werden, nach Betancuria. Die nur 600 Einwohner kleine einstige Hauptstadt des rund 100 Kilometer langen und bis zu 30 Kilometer breiten Eilands liegt inmitten der kargen Bergwelt und steht samt Kirchlein, Heimatmuseum und Käserei komplett unter Denkmalschutz. Das Auto wird nahe der Pfarrkirche geparkt, dann beginnt der Aufstieg über einen schmalen Pfad zwischen wilden Mandelbäumen und Agaven zur Passhöhe Degollada de la Villa.

Weit geht der Blick übers hügelige Inland, die beige-braune Wüstenei ist mit kleinen weißen Siedlungen und grünen Oasen betupft. Dann plötzlich ein Sturm, Regen peitscht fast waagerecht aus dunklen Wolken, die Wanderer hasten eine endlose Bruchsteinmauer entlang über den windigen Kamm, finden endlich Unterschlupf im Aussichtslokal Mirador Morro Velosa auf 675 Meter über Normal Null. Schnell einen Café solo oder besser einen Ron con Miel, kanarischen Rum mit etwas Honig.

So plötzlich der Wolkenbruch gekommen ist, so flink strahlt wieder die Sonne vom Firmament, und die zarte Vegetation in den kargen, uralten Vulkanbergen atmet für einen Augenblick durch und freut sich duftend über die kühle Erfrischung. Zurück nach Betancuria kraxelt man durch einen schroffen Barranco, eine der vielen Schluchten und Einschnitte, die Fuerteventura durchziehen und in deren feuchten Talgründen oft kleine Palmenoasen wachsen. Tatsächlich hat sich die Insel in den letzten Jahren vom reinen Strandurlaub-Paradies zu einem veritablen Ziel für Wanderer entwickelt, wobei die Wege oft schlecht beschildert, aber gut zu begehen sind und selten alpines Talent verlangen; außerdem sind lautstarke Wandergruppen hier Mangelware. Also: 300 Sonnentage per anno hin, lauschige Badetemperaturen rund ums Jahr her – speziell in den kühleren Wintermonaten versäumt viel, wer nur am Meeressaum flaniert, Ruhe und frische Luft gibt’s reichlich auch in den Bergen.


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