Anzeige

Neuseeland

Die ganze Welt auf 2 Inseln (2/3)

Neuseeland: Die ganze Welt auf 2 Inseln


Wo waren wir? Beim Reisen mit dem Camper waren wir. Das funktioniert hier auch deswegen so gut, weil in Neuseeland all jene Dinge nicht existieren, mit denen man sich bei Womo-Touren in anderen Ländern herumschlagen muss. Es gibt hier keine Staus und – mal abgesehen von Auckland und Wellington an einem Freitagnachmittag – keine verstopften Innenstädte. Es gibt keine Womo-Hijacker wie in Südfrankreich. Keine Campingplätze, auf denen deutsche Rentner in Karohemden um Lagerfeuer sitzen und sich auf der Mundharmonika an „Draußen im Tale“ versuchen. Außerdem kann man sich ins Gras setzen, ohne Angst vor irgendwelchem hochgiftigen Geziefer haben zu müssen. Anders als im Nachbarland Australien leben keinerlei hochgiftige Spinnen in Neuseeland – und keine Schlangen, nach deren Biss man noch maximal siebeneinhalb Minuten Zeit hat, all seine weltlichen Angelegenheiten zu regeln. Kängurus, die einem das Steak vom Grill klauen, gibt es hier auch nicht.

Man sieht überhaupt wenig Tiere in Neuseeland. Das hat geologische Gründe. Als sich jene Inseln, die Abel Tasman viele Millionen Jahre später Nieuw Zeeland nennen sollte, vom Urkontinent Gondwana lösten, hatten sich sämtliche Säugetiere offenbar zuvor in Sicherheit gebracht. Geblieben ist eine merkwürdige Vogelwelt. Die meisten Arten haben keinerlei Furcht vor dem Menschen; es ist anscheinend so, dass ihre innere Uhr dessen Ankunft in ihrer Welt noch überhaupt nicht registriert hat. Andere wiederum haben das Fliegen verlernt. Beziehungsweise: Sind gerade dabei, es zu verlernen.

 

Das Pukeko, ein putengroßes Geschöpf mit blau schimmerndem Bauch, ist bei diesem alzheimerisch anmutenden Prozess des Vergessens gerade auf einem Level angelangt, wo es dem Betrachter Angst und Bange werden kann. Wenn ein Pukeko fliegt, schlingert es auf unberechenbarem Konfrontationskurs vor dem Wohnmobil hin und her und sieht aus wie ein Unglück auf der Suche nach einem Ort, an dem es geschehen kann. Wer das einmal mit schweißnassen Händen am Lenkrad verfolgt hat, kann gut nachvollziehen, warum der Vogel zu den bedrohten Arten zählt. Wie übrigens auch das Takahe, das aussieht wie der rugbyspielende Cousin des Pukeko. Und der Nationalvogel Kiwi, ein huhngroßes Geschöpf, mit Federn wie Fell und einem Schnabel, der an ein chirurgisches Instrument erinnert. Auch der Kea, ein grüner Papagei, der nichts lieber frisst als die Gummistreifen der Wohnmobil-Scheibenwischer. Und das Weka, das ebenfalls nicht mehr fliegen kann und einem sofort das Essen stibitzt, wenn man einen Moment nicht aufpasst.

 

Ganz schlimm ist es um den Kakapo bestellt. Der moosgrüne, plumpe Papagei erinnert mit seinen Federkoteletten an einen viktorianischen Gentleman, besitzt aber offensichtlich einen mitleiderregenden IQ – anders lässt es sich nicht erklären, warum die letzten vier oder fünf verbliebenen Kakapomännchen die Köpfe von 1,90 Meter großen Naturschützern für die Hinterteile von Kakapoweibchen halten, bloß weil sie aus grünen Hemden heraus schauen. Man kann froh sein, wenn man so einem Teil nicht beim Wandern begegnet.

 

Das muss man nämlich machen, auf jeden Fall! Neuseeland ist ein Outdoorparadies, man könnte sich hier wochenlang immer neue Blasen an den Füßen holen und wunde Hintern und Dauermuskelkater dazu. Natürlich gibt es Leute, die 32 Stunden Anflugzeit hinter sich bringen, um sich anschließend mit einem Gummiseil an den Fußknöcheln von einer Brücke fallen zu lassen oder festgeschnallt im Innern eines durchsichtigen Gummiballs die Almwiesen hinunter zu dotzen (Queenstown im Süden der Südinsel ist auf solche ausgefallene Verrücktheiten spezialisiert). So richtig entdeckt man das Land aber erst, wenn man auf seinen Wanderwegen unterwegs ist.

Neuseeland — Die ganze Welt auf 2 Inseln: Seite 1 Seite 3 Im Camper durch Neuseeland

App Abbildung

Das MARCO POLO travel magazine auf Ihrem Tablet:

  • Kostenlos und monatlich neu
  • Reportagen, Karten, Reisetipps, Bildstrecken und Videos
  • Für iPad, Android und Windows 8

Jetzt downloaden:

Mein Reiseplaner
Mein Reiseplaner
Der neue MARCO POLO
REISEPLANER

Unser Reiseplaner macht verreisen einfach. Lieblingsorte merken, Reise planen, Koffer packen und los geht's.

Mehr Infos zum Reiseplaner
Nach oben