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Flugpreise

Billigflieger verzweifelt gesucht (2/2)

Flugpreise

Erfolgsdruck: Neue Unternehmen kalkulieren für die ersten Monate, manchmal Jahre mit roten Zahlen und subventionieren so ihre Tickets, um sich damit Bekanntheit als Preisbrecher zu erkaufen. Irgendwann geht das nicht mehr, und um das Minus nicht weiter durchzuschleppen, müssen die Preise auf realistisches Niveau steigen. Börsennotierte Fluggesellschaften unterliegen dabei besonderer Beobachtung. Investoren wollen Gewinne sehen – oder strafen die Aktie ab. Wer bestehen will, muss mittelfristig auskömmliche Preise verlangen, und die liegen deutlich oberhalb der Schnäppchen-Tarife aus der Werbung.

Gestiegene Nebenkosten: Die Erfindung immer neuer Gebühren – bei Ryanair zum Beispiel fürs aufzugebende Gepäck (mindestens 15 Euro), fürs so genannte Priority Boarding (5 Euro), für die Sitzplatzreservierung (10 Euro) – hat die Endpreise spürbar klettern lassen. Gleichzeitig sind die Kerosinpreise in den Himmel geschnellt und mit ihnen die Kerosinzuschläge vieler Airlines. Und auch die zum Januar 2011 eingeführte deutsche Abflugsteuer, offiziell „Luftverkehrsabgabe“, macht sich in der Gesamtrechnung deutlich bemerkbar. Sie allein schlägt abhängig von der Länge der Flugstrecke bereits mit derzeit 7,50, mit 23,43 oder 42,18 Euro zusätzlich zu Buche.

Besseres Yield-Management: So nennt man das komplizierte, weitgehend automatisierte Preisfindungsprinzip der Airlines. Aufgrund von Erfahrungswerten aus der Vergangenheit kalkuliert der Computer Tarife und hebt sie an, wenn früh eine gute Auslastung erreicht ist oder senkt sie, wenn das Gegenteil der Fall ist. Damit so ein System funktioniert und die Airline bei diesem elektronischen Fingerhakeln besser dasteht als der Passagier, sind sehr viele Erfahrungswerte nötig. Die liegen anders als in den Pioniertagen inzwischen vor. Ergebnis: Die Preise sind höher.

Falsche Wahrnehmung in der Öffentlichkeit: Es ist niemals so gewesen, dass Fluggesellschaften alle Sitze zum Schnäppchenpreis hergegeben haben – auch wenn die massive Werbung diesen Eindruck erweckt hat. Tatsächlich sieht das Geschäftsmodell einen Mix aus sehr billigen Flugscheinen und solchen zu gewöhnlichen Preisen (ungefähr auf dem ursprünglichen Niveau vor Ausbruch des Billigflieger-Booms) vor. Je kurzfristiger gebucht wurde und je flexibler das Ticket umbuchbar war, desto teurer wurde es auch. Das gilt noch immer – mit dem Unterschied, dass inzwischen von vornherein oft spürbar weniger Tickets zum Schnäppchenpreis als zu Zeiten des schlimmsten Konkurrenzkampfs freigeschaltet werden. Und dass der Einstiegspreis höher ist.

WO JETZT DIE SCHNÄPPCHEN-CHANCEN LIEGEN:

Bei den großen Airlines gucken: Die Linienflieger von einst wie Lufthansa, Air France und British Airways, wie Swiss oder SAS haben hinzugelernt und betreiben ihre Europa-Flotten inzwischen nach Billigflieger-Logik, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das bedeutet: Abseits von Monopol-Strecken machen sie gute Preise und unterbieten die angeblichen Billigflieger sogar bisweilen. Zur Zeit sehr oft attraktiv ist etwa das Preisbild bei Swiss, jedoch meist verbunden mit Umsteigen in Zürich.

Von Umbrüchen profitieren: Nach der Insolvenz der ungarischen Malev vor einigen Monaten haben Lufthansa, Air Berlin und Ryanair aus dem Stand zumindest zeitweilig neue Ungarn-Strecken oder zusätzliche Flüge auf bestehenden Strecken von Deutschland nach Ungarn aufgelegt. Die Folge: Trotz Malev-Ausfall gab es plötzlich ein Überangebot an Budapest-Tickets, und die waren ziemlich günstig, so lange dieser Konkurrenzkampf intensiv tobte. Ähnliches ist immer wieder zu erwarten, wenn eine Airline die Segel streichen muss und andere zu mehreren in die entstandene Lücke grätschen.

Augen und Ohren offen halten: Wann immer eine Airline (und völlig egal welche) eine neue Strecke aufnimmt, legt sie dafür werbewirksame Einführungspreise vor, um zu trommeln und um die Flieger aus dem Stand gut auszulasten. Wer flexibel ist und dann zugreift, kommt mit etwas Glück fast an das Schnäppchen-Niveau von einst heran.

Preisvergleichs-Portale nutzen: Seit den Glanzzeiten des Billigflieger-Booms vor fünf Jahren sind Preisvergleich- und Tickethändler-Portale im Internet deutlich besser geworden. Es lohnt sich, diese Suchmaschinen zumindest mal nach Tarifen fahnden zu lassen, um einen ersten Überblick übers Preisgefüge auf der Wunsch-Strecke zu bekommen.

Bei der Suche wenig preisgeben: Die Airline-Portale fragen zu Beginn der Suche häufig ab, wie flexibel man ist (Suche +/- drei Tage oder exaktes Datum, ganzer Tag oder exakte Uhrzeit...). Je mehr man sich selber dort einschränkt, desto mehr weiß das Gegenüber über die persönliche Not, mit einer ganz bestimmten Maschine an einem ganz bestimmten Tag fliegen zu müssen. Es ist nicht viel anders als auf einem Basar: Zeige beim Teppichhändler allzu deutlich das Interesse an einem ganz bestimmten Stück, und prompt hat es mit ziemlicher Sicherheit unerwünschte Auswirkungen auf den Preis.



Seite 1: Billigflieger verzweifelt gesucht

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