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Couchsurfen auf Mallorca - geht das? (2/4)

Couchsurfen auf Mallorca


Seit mehr als drei Jahren bin ich auf der Website www.couchsurfing.org angemeldet und habe zu Hause in meiner Wohnung in Hamburg bereits einige Couchsurfer beherbergt. Zu allen habe ich noch Kontakt und mir fest vorgenommen, sie auch einmal zu besuchen – in Barcelona, Edinburgh, in Wien oder Los Angeles. Nun brauche ich zum ersten Mal selbst eine Couch. Als ich bei Robert ankomme, bereiten er und seine Freunde gerade ein Barbecue auf dem Platz vor der kleinen Kneipe des Hochhauses in Cala Mayor vor, in dem Robert wohnt. Er knetet den Teig für Kürtöskalács, ein süßes ungarisches Brot, den man auf Holzstäbe aufrollt, bevor man ihn backt. Heute kommen die Menschen zum Public-Viewing – Spaniens Fußball-Nationalmannschaft spielt.

Schon lange bevor die Partie losgeht, sichern sich die Kinder ihre Plätze in der ersten Reihe. Ihre kleinen Gesichter sind mit rotgelber Farbe geschminkt, und zwei der Jungs lehnen sich lässig auf ihre abgewetzten Fußbälle, mit denen sie sonst auf dem Vorplatz dribbeln. Robert — den hier alle Roberto nennen — spielt seine Gitarre, einer seiner Freunde trommelt auf dem Cajón, ein Dritter singt. Und alle anderen klatschen im Rhythmus der Musik mit. Wir sitzen bis tief in die Nacht vor der kleinen Kneipe – es wird gesungen, getanzt, gelacht. Und nach dem Spiel Spaniens Sieg gefeiert.

Am nächsten Morgen weckt mich ein Geräusch, das ich zunächst nicht einordnen kann. Eine mit Rosen bestickte Spitzengardine weht sanft in meine Richtung, als ich meine müden Augen öffne. Als ich das Geräusch erneut höre, setze ich mich auf – und blicke direkt in die Augen eines Huhns. Die sind so klein und glänzend wie Stecknadelköpfe und mustern mich aufmerksam, bevor der Kopf hinabschnellt und das Tier geräuschvoll ein weiteres Korn vom Boden pickt. Etwas unglücklich sieht das Huhn schon aus, wie es mich so aus dem Käfig anstarrt. Rechts daneben zieht eine riesige Wasserschildkröte in einem Aquarium ihre Bahnen, und das Kaninchen vis-à-vis knabbert geschäftig, während seine Augen ängstlich in alle Richtungen zucken. Robert wohnt nur vorübergehend in diesem kleinen Zimmer, das eigentlich ein Balkon ist, und so teilt er den winzigen Raum mit den Tieren und Pflanzen. Und er teilt ihn mit mir.

Wir frühstücken in der Kneipe unten im Haus, und ich habe das Gefühl, die Menschen hier bereits zu gut kennen. Auch wenn ich bloß einen Abend und eine Nacht mit ihnen verbracht habe und nur wenige Worte Spanisch spreche. Mit ein paar Brocken Englisch und Händen und Füßen lässt es sich auch gut kommunizieren. Mal wird mir eine Zigarette angeboten, mal ein Stück Brot. Die Kinder stehen im Halbkreis vor mir und wollen fotografiert werden. Dann strecken sie die Zungen raus oder verpassen dem Kind neben sich ein paar Hasenohren.



Seite 1: Das Prinzip des Couchsurfens Seite 3: Ankunft und Abschied Seite 4: "It‘s a tiny tiny world."

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