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Was ist dran an Mittelerde? (1/2)Film-Extra Neuseeland

Film-Extra Neuseeland - Was ist dran an Miittelerde?

Es gibt kaum ein Land, das derart eng mit großem Kino verbunden ist wie Neuseeland mit dem "Herr der Ringe"- und dem "Hobbit"-Universum. Autor Stefan Nink hat sich neben den Drehorten noch weit mehr epische Landschaften angeschaut, die gar nicht im Film vorkommen – und klärt dabei gleich die Frage, ob Mittelerde wie Neuseeland aussieht. Oder doch eher Neuseeland wie Mittelerde...

Möglicherweise hat es ja mit der Brille zu tun. Er nimmt sie nie ab. Er hat sie immer auf. Selbst jetzt, beim gemeinsamen Frühstück in Queenstown. Draußen dräuen unheilvolle Wolken über dem Lake Wakatipu, hier drinnen ist es sowieso schummrig, die schwarze Sonnenbrille bleibt trotzdem, wo sie ist. Jetzt sag doch mal, Dave, ganz ehrlich: Liegt es an ihr? Ist das eine – Zauberbrille? Hast Du mit ihrer Hilfe all diese tollen Orte und Plätze gefunden? Na? Dave tut so, als habe er die Frage nicht gehört. Stattdessen nimmt er sich eine Serviette vom Tisch. Dann putzt er mit ihr seine Brille.

Jetzt reden sie ja seit Wochen wieder alle von den üblichen Verdächtigen: von den "Hobbit“-Hauptdarstellern und den Maskenbildnern und den Leuten, die für die Spezialeffekte sorgen. Von den Filmmusikkomponisten und natürlich von Peter Jackson, dem Regisseur, und wie viele Oskars es denn dieses Mal wohl geben wird. Von Dave redet niemand. Es würde ihn auch niemand erkennen. Dabei war er schon bei der „Herr der Ringe“-Trilogie ungeheuer wichtig, und die drei neuen Hobbit-Filme sähen ohne ihn auch anders aus. Dave Comer hat die Drehorte für sämtliche sechs Mittelerde-Epen ausgesucht. Der location scout ist der Mann, der Neuseelands epische Landschaften auf die Leinwände der Welt holte. Und das Land damit möglicherweise mehr verändert hat als die meisten Menschen vor ihm.

Bevor wir damit weiter machen, erst einmal das hier: Es sieht hier wirklich so aus wie im Film. Oder, anders gesagt: Neuseeland sieht aus wie Mittelerde (möglicherweise sieht auch Mittelerde so aus wie Neuseeland, darüber könnte man lange grübeln). Man muss bloß ein paar Tage mit den Filmbildern im Kopf herum fahren, um das alles wieder zu erkennen, die Schneekoppenberge, die Wasserfälle, die endlosen Ebenen, alles. Die „Herr der Ringe“-Trilogie wurde an mehr als 150 Schauplätzen gedreht, also quasi flächendeckend, und für die drei Teile von "Der Hobbit" sind jetzt noch einmal etwa fünfzig hinzu gekommen – da wundert es nicht, dass einem das alles bekannt vorkommt. Manchmal ist dieses Gefühl so überwältigend, dass es wie eine Art Déjà-vu daherkommt. Als ob man das alles nicht nur bereits im Kino gesehen hätte, sondern selbst schon einmal hier gewesen wäre. Irgendwann, vor langer, langer Zeit.


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REITET, IHR TAPFEREN ROHIRRIM! Beim Trekking zu Pferd betören die Landschaften mit einem Zauber, dem man sich kaum entziehen kann. Warum sollte man auch ...

Genau deswegen zockelt man bei einer Reise durch Aotearoa auch permanent seinem Zeitplan hinterher: Man kann in diesem Land nämlich keine zehn Minuten unterwegs sein, ohne anhalten zu müssen. Dann muss man aussteigen und herumlaufen und fotografieren, und dann steigt man wieder ein, und fünf, sechs Minuten später wieder aus – das geht ständig so. Bei der Fahrt über die Mitte der Südinsel zum Beispiel, auf deren strohfarbenen Ebenen sie das Reiterreich Rohan gefilmt haben, mit den weißen Zackenkronen der neuseeländischen Alpen am Horizont. Im Tongariro National Park, dem „Lande Mordor, wo die Schatten droh’n“, mit seinen mächtigen Vulkanen. Und bei Paradise(!) nördlich von Queenstown, wo man auf Schotterwegen durch eine Landschaft rumpelt, die deshalb so aussieht wie das „Herr der Ringe“-Lothlórien, weil sie das „Herr der Ringe“-Lothlórien ist.


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UND ACTION! Queenstown bietet noch einiges mehr als klasse Drehorte – nämlich Kicks für Offroader, Bungee-Jumper und sonstige Abenteurer

Und so, wie man staunend und schweigend im Kinosessel sitzt, während die Kamera Neuseelands grandiose Landschaften aus der Vogelperspektive zeigt, so lässt Mittelerdes optische Grandezza einen auch im Mietwagen irgendwann ganz still werden: Reizüberflutung. Zuerst hört man auf, sich zu unterhalten. Dann stellt man die Musik ab, weil man einfach zu beschäftigt ist mit den Bildern, die da hinter jeder Kurve auftauchen, als sei man in einer flächendeckenden Requisitenkammer für Landschaften und Horizonte unterwegs.

Für die drei neuen Hobbitfilme hat Peter Jackson unter anderem am Lake Taupo gedreht und an den Huka Falls ganz in der Nähe. Nelsons Regenwälder an der Nordküste der Südinsel sind in den „Hobbit“-Folgen zu sehen und die Kalksteinlandschaften bei Waitomo (vor allem die unter der Erde, wo Glühwürmchen große Höhlen illuminieren). Etliche Drehorte lagen in freundlicher Feierabendbier-Entfernung zu Wellington, „the coolest little film-making capital in the world”. Und natürlich rückte der Produktionstross auch wieder im Norden der Nordinsel an, in Matamata, einem von diesen ungefähr 350 kleinen, typisch neuseeländischen „Sehr-hübsch-aber-wir-müssen-weiter“-Orten, die sich in die Kuhlen des immergrünen Hügellandes geschmiegt haben. Hier liegt seit Beginn der Ring-Dreharbeiten die Heimat der Hobbits, das beschauliche Hobbiton. Beziehungsweise, für alle deutschen Fans: Beutelsend.


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