Riesengebirge

Uhrzeit 20:25

Temperatur 5 °C

Stichworte

Wissenswertes über Pflanzen und Tiere, berühmte Leute und manche Besonderheit

    Anzeige

    Bauden

    Eine Baude ist laut Duden eine Unterkunftshütte im Gebirge. Im Riesengebirge errichteten Holzfäller, Viehhirten und Bergleute diese schlichten Schutzhütten (Buden). Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann - besonders auf der wettergünstigen Südseite - die Weidewirtschaft im Riesengebirge, und weitere solcher Unterkünfte entstanden. Deshalb weist der tschechische Teil heute besonders viele Bauden auf. Meist wurden sie in unmittelbarer Nähe einer Quelle erbaut, die nicht nur Trinkwasser lieferte, sondern auch das Butterfass antrieb. Mit dem zunehmenden Tourismus baute man viele der Hütten aus, wandelte sie zu Herbergen um. Im 19. Jh. gab es im gesamten Riesengebirge ungefähr 1200 Bauden. Sie trugen wesentlich dazu bei, dass sich die Gegend zu einer so beliebten Wanderregion entwickelte. Den seit Jahrhunderten üblichen Namen Baude gibt es mit bouda auch im Tschechischen, die Polen bezeichnen diese Unterkünfte als schronisko (Herberge).


    Beneš-Dekrete

    Die 1945/46 beschlossenen Dekrete bildeten die Grundlage für die gewaltsame Vertreibung von Millionen Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei und ihre Enteignung. Benannt sind sie nach Edvard Beneš, dem ersten Staatspräsidenten nach dem Zweiten Weltkrieg. Grundlage für die Dekrete bildete das Potsdamer Abkommen von 1945, in dem auch die „Überführung der deutschen Bevölkerung“ festgelegt wurde. Eine Annullierung der Dekrete lehnte das tschechische Parlament im April 2002 einstimmig ab und nahm damit vielen Tschechen die Unsicherheit, dass es nach dem EU-Beitritt 2004 eine neue Eigentumsordnung geben könnte. Da der Parlamentsbeschluss aber keine Entschuldigung für begangenes Unrecht enthält, verstummen in Deutschland die Diskussionen um die Dekrete nicht.


    Fauna und Flora

    Fuchs und Dachs, Reh- und Rotwild leben ebenso im Gebirge wie Marder, Wiesel und Eichhörnchen. Die zu Beginn des 20. Jhs. angesiedelten Mufflons aus Korsika haben sich bestens eingelebt. Luchs und Wolf sind dagegen ausgerottet, der letzte Bär musste 1701 sein Leben lassen, die letzte Wildkatze 1896. Adler horsten schon seit über 100 Jahren nicht mehr im Riesengebirge, der Uhu wurde vor Jahrzehnten zum letzten Mal gesehen. Beobachten können Sie Birkhühner, Blaukehlchen und an den Gebirgsbächen Wasseramseln und Eisvögel.

    Etwa 200 Blumenarten kommen vor, besonders viele sind auf den Waldwiesen zu finden. Im südlichen Gebirgsteil ist die Flora dank der stärkeren Sonneneinstrahlung bedeutend üppiger. Seit dem Mittelalter wurde im Gebirge nach Erzen gegraben, und es erfolgten große Kahlschläge, denn für die Befeuerung der Hochöfen wurde Holz benötigt. Im 17. und 18. Jh., entwickelte sich, besonders auf der Südseite, die Weidewirtschaft, was zu neuen Rodungen führte. Die im 19. Jh. eingeführte Monokultur überzog die Hänge dann mit schnell wachsenden Fichten.


    Glas

    Die erste Glashütte in der Region ist in einer Urkunde für das Jahr 1366 bezeugt, hergestellt wurde das grünliche „Waldglas“. Seit dem 17. Jh. entwickelte sich beiderseits des Gebirges eine umfangreiche Glasproduktion. Zu Weltruhm gelangte die 1841/42 von der Schaffgotschen Familie gegründete, seit 1995 geschlossene Josephinenhütte im heutigen Szklarska Poręba (Schreiberhau), die sich auf Kristallglas spezialisierte. Auch die deutschen Kaiser bezogen ihre Tafelgläser von hier. Auf der anderen Seite des Riesengebirges, im Böhmischen, gab es ab 1684 in Seifenbach (heute ein Ortsteil von Harrachov) eine Glashütte.


    Gnadenkirchen

    Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die evangelische Konfession unterdrückt, ihre Kirchen den Katholiken übergeben. In der Konvention von Altranstädt vereinbarten 1707 Karl XII. von Schweden und Kaiser Joseph I. von Österreich, die Religionsfreiheit wiederherzustellen. Sechs evangelische Kirchen, die sogenannten Gnadenkirchen, durften gebaut werden. Eine davon befindet sich in Jelenia Góra (Hirschberg). Sie war die einzige evangelische Kirche in dieser Gegend, und die Gläubigen kamen oft von weit her zum Gottesdienst. Nach 1740 genehmigte Friedrich der Große den Bau weiterer Kirchen. Diese Bethauskirchen genannten schlichten Gotteshäuser sind im Riesengebirge in Bukowiec, Miłków und Podgórzyn zu sehen.


    Hauptmann-Brüder

    Carl Hauptmann (1858-1921) stand stets im Schatten seines berühmten Bruders Gerhart (1862-1946). Von 1891 bis zu seinem Tod wohnte Carl Hauptmann in Mittel-Schreiberhau (heute Szklarska Poręba), sein Bruder Gerhart zog 1901 aus und in sein neues Haus in Agnetendorf (heute Jagniątków). Carl Hauptmanns ausdrucksstarke Lyrik ist eng mit dem Riesengebirge verbunden, in seinen Romanen „Mathilde“ und „Die armseligen Besenbinder“ schildert er die Not und die sozialen Probleme der Bevölkerung. Besonders bekannt wurde sein „Rübezahlbuch“.

    Gerhart Hauptmann, der 1912 den Nobelpreis bekommen hatte, setzte mit dem Drama „Die Weber“ den um soziale Gerechtigkeit kämpfenden schlesischen Heimarbeitern ein bleibendes Denkmal. Die Sowjets behandelten ihn nach dem Zweiten Weltkrieg mit großem Respekt, war doch Hauptmanns erste Gesamtausgabe nicht in Deutschland, sondern 1902 bis 1905 in Moskau erschienen. Im Gegensatz zu seinen deutschen Mitbürgern war ihm gestattet worden, sein gesamtes Eigentum einschließlich der Bibliothek mitnehmen zu dürfen. Doch kurz vor der Zwangsaussiedlung starb der Dichter in Agnetendorf.


    Laboranten

    Vor allem im 18. Jh. waren die Laboranten im schlesischen Teil des Riesengebirges rege tätig. Als Laienapotheker sammelten sie Kräuter und stellten daraus bis zu 200 verschiedene Heilmittel her, die bis nach Russland und Österreich vertrieben wurden. Krummhübel (Karpacz) bildete das Zentrum des Laborantenwesens. Zu Beginn des 19. Jhs. schränkten zahlreiche - von Apothekern erwirkte - staatliche Verordnungen die Tätigkeit der Laboranten ein. Ab 1848 wurden keine neuen Konzessionen mehr erteilt. Der letzte Riesengebirgslaborant, Ernst August Zöfel, von Kaiser Wilhelm I. mit dem Kronenorden IV. Klasse dekoriert, starb 1884 in Krummhübel. Theodor Fontane hat den Berühmtesten dieser Zunft mit der Erzählung „Der letzte Laborant“ (1891) ein Denkmal gesetzt.


    Muren

    Schütt- oder Schlammstraßen - Muren genannt - entstehen nach starkem Regen an Steilhängen. Das Erdreich verliert infolge starker Durchnässung den Halt und gerät ins Rutschen. 1974 vernichtete eine Mure große Teile der Čertová zahrádka (Teufelsgärtchen), eine weitere Erdlawine ging bei der Čertová rokle (Teufelsschlucht) nieder und riss eine 450 m lange Schneise.


    Nationalparks

    Der überwiegende Teil des Riesengebirges steht unter Naturschutz. Auf polnischem Gebiet entstand 1959 der Karkonoski Park Narodowy, der ein Gebiet von beinahe 56 km² umfasst, im Wesentlichen die Region oberhalb von 1000 m. Auf tschechischem Gebiet hat der 1963 gegründete Krkonošský Národní Park eine Größe von fast 370 km². Beide Parks repräsentieren auf einer relativ kleinen Fläche eine vielfältige Natur, der Waldanteil beträgt etwa 80 Prozent. Besucherordnungen regeln das Verhalten in den Nationalparks.


    Rübezahl

    „Viele Menschen wollen Rübezahls Gunst und Gnade erfahren haben. Noch mehr seine niederträchtigen Tollheiten und gemeingefährlichen Tücken.“ So Carl Hauptmann in seinem „Rübezahlbuch“ von 1915, in dem er auch schreibt: „Ein jeder schwört, dass er ihn Auge in Auge vor sich gehabt, leibhaftig wie einen alten Eichenstamm oder mächtigen Steinklotz.“ Zum ersten Mal wird der Berggeist in einem 1565 von Franz von Koeckritz geschriebenen Gedicht genannt, ein „Ribicinia“ ist dort erwähnt. Die erste große Sammlung von Rübezahlgeschichten gab Johann Paul Praetorius 1662 unter dem Titel „Daemonologia Rubinzalii Silesii“ heraus.


    Schaffgotsch

    Vielerorts treffen Besucher auf den Namen Schaffgotsch. Die Familie der Reichsgrafen von Schaffgotsch hat an der Entwicklung des Riesengebirges großen Anteil, riesige Gebiete waren bis 1945 in ihrem Besitz. Ihnen gehörte die Josephinen-Glashütte in Schreiberhau ebenso wie die Badeanlagen in Bad Warmbrunn. Manch prächtige Kirchenausstattung geht auf die Grafen zurück. Auch den Boden, auf dem die Kirche Wang steht, stellten sie zur Verfügung. Nachweisbar ist das Geschlecht seit 1382, der letzte Wohnsitz bis zur Vertreibung Ende des Zweiten Weltkrieges war das Schloss in Bad Warmbrunn (Cieplice Śląskie Zdrój).


    Sprachen

    Im schlesischen Teil des Riesengebirges wird polnisch gesprochen, im böhmischen tschechisch. Polnisch und Tschechisch gehören zum westlichen Zweig der slawischen Sprachen, es wird das lateinische Alphabet benutzt. Im Polnischen erweisen sich vor allem die vielen Zischlaute für deutsch sprechende Zungen als schwierig. Die charakteristischen Nasallaute und die zahlreichen Zwischenlaute werden im Schriftbild durch Zeichen angegeben. Vokale werden kurz ausgesprochen, die Verbindungen „au“ und „eu“ spricht man wie zwei einzelne Vokale. Wer Polnisch beherrscht, versteht weitgehend auch Tschechisch und umgekehrt. In Touristinformationen, Hotels, Restaurants und selbst in abgelegenen Bergbauden wird - mehr oder weniger gut - Deutsch gesprochen.

    ANZEIGE

    Preis-Vergleich: Günstige Flüge & Mietwagen finden

    Promotion

    Angebote: Pauschalreisen Riesengebirge

    Bilder zu Riesengebirge

    • Riesengebirge Polen.jpg
    weitere Bilder zu Riesengebirge
    Anzeige
    Mein Reiseplaner
    Mein Reiseplaner
    Der neue MARCO POLO
    REISEPLANER

    Unser Reiseplaner macht verreisen einfach. Lieblingsorte merken, Reise planen, Koffer packen und los geht's.

    Mehr Infos zum Reiseplaner
    Nach oben