Griechenland Festland

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Das moderne Griechenland bereitet ebenso viele Überraschungen wie die Antike und Byzanz

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    Antike Götter

    Die meisten antiken Bauten, deren Überreste wir heute gern bestaunen, wurden zu Ehren von Göttern erbaut. Die Götter waren den alten Griechen allgegenwärtig. Sie residierten auf dem Olymp, dem höchsten Berg des Landes, mischten sich in Kriege und das Alltagsleben der Menschen ein, hatten Liebschaften mit Irdischen und legten großen Wert darauf, dass die Menschen sie gebührend ehrten. Sie waren in den Tempeln präsent, die für sie nicht nur in den Städten, sondern auch auf Bergen und auf hohen Kaps am Meer errichtet wurden. Die Römer übernahmen viele Götter der Griechen und gaben ihnen lateinische Namen. Da uns diese oft bekannter sind, stehen im Folgenden die lateinischen Götternamen in Klammern:

    Göttervater Zeus (Jupiter) galt als mächtigster der Götter. Ihm zu Ehren wurden die Olympischen Spiele veranstaltet. Zeus' Bruder Poseidon (Neptun), dem ein bedeutendes Heiligtum auf Kap Soúnion geweiht war, war für das Meer und Erdbeben zuständig. Hades (Pluto), sein zweiter Bruder, hütete die Unterwelt; ihn ehrte man im Totenorakel Nekromanteíon bei Mesopótamo in Epirus.

    Gemahlin des Zeus war Hera (Juno), deren Hauptheiligtum auf der Insel Sámos lag. Sie beschützte die Ehe. Ihr einziger gemeinsamer Sohn war Hephaistos (Vulcanus), der Gott der Schmiedekunst, dem ein Tempel auf dem Marktplatz von Athen geweiht wurde. Hephaistos' Gattin Aphrodite (Venus) war die Göttin der Liebe, ihr Hauptheiligtum lag auf der Insel Zypern. Ihr Geliebter war der Kriegsgott Ares (Mars).

    Aus einem der häufigen außerehelichen Verhältnisse des Zeus soll Apollon (Apollo) hervorgegangen sein, der Gott der Schönheit und des Lichts. Seine bedeutendsten Heiligtümer standen in Delphi sowie in Bassae auf dem Peloponnes. Seine Zwillingsschwester Artemis (Diana) war die Göttin der Jagd, die in Brauron bei Athen einen Tempel hatte. Dionysos (Bacchus) war der Gott der Fruchtbarkeit und des Weins. Als Gott des Theaters wurden ihm in jedem griechischen Theater vor der Aufführung Opfer gebracht.


    Byzanz

    Byzanz ist in Griechenland präsenter als die Antike. Man besichtigt byzantinische Kirchen und Klöster, Wandmalereien und Ikonen, Burgruinen und Stadtmauern. Man hört von byzantinischen Traditionen, die in der Musik, der Volkskunst und im Denken der Menschen fortleben. In nahezu allen Gotteshäusern trifft man auf den byzantinischen Doppeladler, Symbol der weiter bestehenden Kirche und des untergegangenen Reichs. Byzanz wurde 1204 von den Venezianern und den Teilnehmern des vierten Kreuzzugs geplündert. Weite Teile des Festlands und der Inseln gerieten damals unter die Herrschaft fremder Herren. Byzanz selbst ging jedoch erst 1453 endgültig unter, als die Türken die Stadt eroberten und sie in Istanbul umbenannten. Die Griechen nennen sie weiter mit ihrem spätantiken Namen Konstantinoúpolis, Konstantinopel.


    Fauna

    Vor allem im Norden Griechenlands leben noch große Säugetiere wie Braunbären, Wölfe, Goldschakale, Wildschweine, Hirsche und Rehe. Im übrigen Griechenland sind sie schon lange ausgerottet. Neben der Verstädterung und verheerenden Waldbränden hat dazu vor allem die Jagdleidenschaft der Griechen beigetragen, die nur schwer in gesetzliche Bahnen zu lenken ist.

    Inzwischen wurden freilich einige Nationalparks eingerichtet, die auch von großem touristischen Interesse sind. Dazu gehören der Olymp in Makedonien und der Víkos-Aoós-Nationalpark in Epirus. Naturschützer unternehmen beachtliche Anstrengungen zum Schutz der von der Landwirtschaft bedrohten Naturparadiese des Néstos- und des Évros-Deltas im Nordosten des Landes.

    Zu den besonders auffälligen, aber seltenen Großvögeln in Griechenland gehören Adler und Geier, Uhus, Flamingos und Pelikane. Noch häufiger zu sehen sind Reiher und vor allem Störche. Mit ein wenig Glück sieht man auch Wiesel, Land- und Sumpfschildkröten sowie Schlangen. Skorpione hingegen sind selten und ebenso wenig wie die Schlangen eine Bedrohung für die Menschen.

    Die Meere Griechenlands sind stark überfischt und durch die immer noch betriebene Dynamitfischerei sowie die bedrohlich wachsende Sportfischerei mit Harpunen zunehmend gefährdet. Nur noch selten sieht man Delphine; vor Haien braucht beim Baden niemand Angst zu haben.


    Flaggen

    Neben der weiß-blauen Nationalflagge Griechenlands findet man vor Kirchen, aber auch vor Privathäusern häufig eine zweite Flagge. Auf gelbem Grund ist auf ihr der schwarze byzantinische Doppeladler dargestellt. Das ist die offizielle Fahne der griechischen Orthodoxie.


    Flora

    Im Frühjahr bedecken Blütenteppiche einen Großteil Griechenlands. Im Sommer und Herbst hingegen sind Felder und Wiesen braun und ausgedörrt, im Winter sprießt wieder das erste Grün. Griechenlands Flora ist nicht nur mediterran, sondern in den Bergen auch kontinental; über zehn Prozent aller hier wachsenden Pflanzen sind endemisch, kommen also nur in Griechenland vor.

    Olivenhaine prägen die griechische Kulturlandschaft. In fruchtbaren Ebenen, insbesondere auf dem Peloponnes, wachsen Orangen und Zitronen in großen Plantagen. Bedeutende Nutzpflanzen sind außerdem Baumwolle und Tabak, Weizen, Gerste und Mais. Platanen und Oleander säumen viele im Sommer oft ausgetrocknete Bachläufe. Macchia aus Stein- und Kermeseichen, Ginster, Mastixsträuchern, Erdbeerbäumen und allerlei Kräutern wie Thymian und Oregano bedeckt viele Kahlflächen. In Höhen über 500 bis 800 m wird sie abgelöst durch die phrygana, eine Trockenmacchia aus Kräutern, Wacholder, Heide und Wolfsmilchgewächsen.

    Häufig anzutreffen, aber erst in den letzten Jahrhunderten eingeführte Pflanzen sind Agaven, Feigenkakteen und, besonders viel an Straßen, Eukalyptusbäume.


    Ikonen

    Darstellungen von Heiligen und biblischen Ereignissen auf Tafelbildern nennt man in der orthodoxen Kirche Ikonen. Man findet sie in allen Gotteshäusern, aber auch in vielen Autos, Bussen, Geschäften, Restaurants und Wohnungen. Sie sind etwas ganz anderes als fromme Bilder in unseren Kirchen. Ikonen sind „Tore zum Himmel“. Sie bringen die Heiligen ins Haus, machen sie präsent. Deswegen genießen sie auch große Verehrung, werden geküsst, mit Edelmetall, Vorhängen, Edelsteinen, Ringen und Uhren geschmückt. Als „Konsulate des Himmels“ auf Erden werden Ikonen behandelt, als wären sie der Heilige selbst.

    Der Ikonenmaler muss sich ebenso wie der Schöpfer von Wandmalereien in den Kirchen auch heute noch streng nach uralten Regeln richten. Er hat nur wenig Freiheiten, seine Fantasie und künstlerische Kreativität sind nicht gefragt. Das führt dazu, dass sich so viele Ikonen gleichen, ganz egal, aus welchem Jahrhundert sie stammen. Die Maler halten sich streng an den byzantinischen Formenkanon. Er hat sich während und vor allem nach dem Bilderstreit, dem Ikonoklasmus (726-843), herausgebildet. In jener Zeit kam es über die Frage, ob Ikonen verehrt werden dürfen, zu einem regelrechten Bürgerkrieg im Byzantinischen Reich. Die Ikonenfreunde siegten. Fortan aber musste es für jede Darstellungsweise eine theologische Rechtfertigung geben und damit Malvorschriften, die bis heute eingehalten werden.


    Kamáki

    Allein reisende Frauen müssen in Griechenland nicht lange allein bleiben. Dafür sorgen die kamákia (wörtlich übersetzt: „Harpunen“). Schick gekleidet und mit einem Goldkettchen auf der halb entblößten Brust, vermögen sie in vielen Sprachen ein Gespräch zu beginnen. Man trifft sie vor allem in den Touristenzentren an; viele von ihnen sind im Hauptberuf Kellner oder Souvenirhändler. Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, dass sie es nicht nur auf eine möglichst hohe „Trefferzahl“ anlegen: Aus so manchem kamáki ist der Ehemann einer Ausländerin geworden.


    Kioske

    Kioske, auf Griechisch in der Einzahl períptero genannt, stehen auf jedem Platz und in Städten an fast jeder Straßenkreuzung. Meist sind sie sieben Tage pro Woche von frühmorgens bis spätnachts geöffnet und bieten alles, was der Mensch eventuell dringend brauchen könnte: Zeitungen und Illustrierte, Portionsbeutel mit Instantkaffee, Zigaretten und Rasierapparate, Zahnbürsten und Kämme, einzelne Aspirintabletten, Kondome und noch vieles mehr.


    Komboloi

    Vor allem ältere griechische Männer tragen stets ein komboloi bei sich, ein Kettchen, dem Rosenkranz ähnlich. Es hat jedoch keinerlei religiöse Bedeutung, sondern dient einzig und allein dem Zeitvertreib. Wahrscheinlich haben es die Griechen in Abwandlung der islamischen Gebetskette übernommen.


    Príka

    Bis 1983 stand es im griechischen Gesetzbuch: Der Vater hatte seinen Töchtern eine Mitgift - die príka - zu verschaffen. Normalerweise gehörte dazu ein Haus, mindestens aber eine Wohnung. Dieses Gesetz ist abgeschafft worden, ein Haus oder ein Apartment als Mitgift der Braut sind aber immer noch üblich. Nur dass jetzt häufig neben dem Vater und den Brüdern auch die jungen Frauen selbst arbeiten, um das dafür notwendige Geld zu verdienen. Das Haus bleibt während der Ehe übrigens im Besitz der Frau und dient ihrer sozialen Absicherung. Der Bräutigam soll in die Ehe eine gute Ausbildung und einen einträglichen Beruf mitbringen, denn er ist verpflichtet, die Familie zu ernähren.


    Religion

    Außer in Thrakien, wo es eine starke islamische Minderheit gibt, bekennen sich fast alle Griechen zum griechisch-orthodoxen Christentum. Den Urlaubern fallen zunächst die Kirchen und die vielen kleinen Kapellen auf, die anders aussehen als bei uns. Viele sind überkuppelt, innen sind sie meist prunkvoll ausgestattet. Statuen, Beichtstühle und Weihwasserbecken fehlen im Gegensatz zu römisch-katholischen Kirchen.

    Überall in Griechenland begegnet man den orthodoxen Priestern, die lange, dunkle Gewänder, einen üppigen Bart und eine Kopfbedeckung tragen, unter der nur ein Zopf herausschaut. Die orthodoxen Priester dürfen vor der Priesterweihe heiraten und haben oft große Familien. Sie werden vom Staat bezahlt.

    Orthodoxe Gottesdienste dauern häufig zwei und mehr Stunden. Nur wenige Kirchenbesucher harren diese lange Zeit über aus. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen; man plaudert auch während des Gottesdienstes gelegentlich miteinander. Predigten sind kaum üblich; formeller Hauptinhalt ist der Wechselgesang der täglich anderen Liturgie, die vom Priester und einigen Laien vorgetragen wird. Gesangbücher für die Gemeinde gibt es nicht.

    Die orthodoxen Christen erkennen den Papst nicht als Oberhaupt der Christenheit an. Sie fühlen sich den Aposteln und frühen Christen eng verbunden, weil sich ihre Glaubensgrundsätze aus dem Urchristentum heraus entwickelt und seit dem 9. Jh. nicht mehr verändert haben. Zur offiziellen Kirchenspaltung, dem sogenannten Schisma, kam es bereits 1054. Dogmatische Unterschiede gibt es viele; zur Spaltung kam es, weil die Orthodoxen glauben, dass der Heilige Geist nur von Gottvater ausgeht, während die „Papisten“ verkündeten, er ginge von Vater und Sohn zugleich aus.

    Bei der Taufe halten die Orthodoxen am vollständigen Untertauchen des Täuflings fest. Und für sie ist Maria nach ihrem Tod nicht leiblich gen Himmel gefahren, Christus trug nur ihre Seele davon. Darum wird am 15. August auch nicht Mariä Himmelfahrt gedacht, sondern Mariä Entschlafung.


    Umweltschutz

    Ein Umweltbewusstsein entsteht in Griechenland erst ganz langsam. Natur- und Umweltschutzorganisationen, darunter seit 1991 auch ein griechischer Ableger von Greenpeace, haben einen sehr schweren Stand. Eine ökologische Partei gibt es zwar, aber die griechischen Grünen sind mit keinem Abgeordneten im 300-köpfigen Parlament vertreten.

    Müll wird überall in unübersehbaren Mengen produziert. Trotz angedrohter Strafen kippt man ihn gern irgendwo ins Gelände. Die Gemeinden machen es kaum anders: Sie verbrennen den Müll unter offenem Himmel. Sondermüllsammlungen oder gar -deponien sind unbekannt. Nahezu jeder Wirt zieht Getränkedosen Glasflaschen vor, Plastikwaren haben die alten Materialien Holz und Ton ersetzt. Die Menschen aber scheinen nicht verstanden zu haben, dass Plastik, anders als Holz und Ton, nahezu unvergänglich ist.

    Die größten Fortschritte beim Umweltschutz hat das einst von Smog geplagte Athen gemacht. Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2004 wurden Schnellbahnen, eine Straßenbahn und U-Bahn-Linien gebaut, moderne Elektro- und mit Biogas betriebene Busse gekauft und selbst vierspurige Hauptverkehrsachsen in Fußgängerzonen umgewandelt. Die Athener Luft ist dadurch erheblich sauberer geworden. Im ganzen Land haben die Griechen viel in den Ausbau der Eisenbahnstrecken investiert, sodass der Zug jetzt eine echte Alternative zu Auto, Bus und Flugzeug ist.

    Ägäis und Ionisches Meer sind weitgehend sauber. Nur in den Ballungsgebieten von Athen und Thessaloníki macht sich bemerkbar, dass die Industrie Abwässer ungeklärt ins Meer leitet. In der Nähe beider Städte ist das Meer schwermetallverseucht.

    Die privaten Haushalte sammeln ihre Fäkalien hingegen in Sickergruben, sodass sie nicht in die See gelangen. Die Besatzungen der Fährschiffe sind durch ein freiwilliges Programm der Reeder zu umweltbewusstem Handeln erzogen worden und werfen Müll kaum noch einfach über Bord.

    Wegen der hohen Stromkosten gehen immer mehr Haus- und Hotelbesitzer dazu über, zur Warmwasseraufbereitung Sonnenkollektoren auf ihren Dächern zu installieren. Strom wird in Griechenland noch zu 90 Prozent aus einheimischer Braunkohle oder importiertem Dieselkraftstoff gewonnen. Mithilfe der EU entstehen jedoch vor allem auf den Inseln immer mehr Windkraftwerke. Atomkraftwerke gibt es nicht.

    Gegen Lärm scheinen Griechen nahezu unempfindlich zu sein. Das zeigt sich nicht nur an den vielen knatternden Mopeds und der lauten Musik in Lokalen und Privathäusern bis weit nach Mitternacht, sondern auch daran, dass Nachtlandeverbote auf den Flughäfen noch nicht einmal in Erwägung gezogen werden.

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