Kräutersammeln für Kinder in der Jugendherberge Grumbach
Lange waren Jugendherbergen eine günstige Unterkunft für Schulklassen und junge Reisende mit geringem Anspruch an Komfort. Doch das hat sich inzwischen geändert: Seit die regelmäßigen Klassenfahrten nicht mehr selbstverständlich sind, werben die Herbergen mit neuen Angeboten verstärkt um Familien. Dazu wurden die Zimmer mit Doppelstockbetten entrümpelt und neue Freizeitaktivitäten wie etwa Ausflüge zu Hochseilgärten, Geocaching, Surfunterricht oder Segelkurse mit in das Programm genommen. Zwar sind im Vergleich zur Hotellerie Abstriche beim Komfort nicht zu vermeiden, dennoch entfallen nach Angaben des Deutschen Jugendherbergswerkes (DJH) bereits knapp ein Fünftel der Übernachtungen auf Familien.
Reisetrend mit Schneeballsystem
"Als wir angefangen haben, kamen vor allem Schüler und Studenten", sagt Kerstin Krause, die mit ihrem Mann seit 27 Jahren die Jugendherberge "Waldkater" in Thale leitet. Doch inzwischen zählen zu den Stammgästen der Herberge mit 200 Betten auch zahlreiche Familien: "2011 waren es zum ersten Mal mehr Familien als Schulklassen", berichtet Krause. "Das ist wie ein Schneeballsystem. Wenn's einer Familie gefällt, erzählt sie's zwei anderen weiter". Verantwortlich für den Reisetrend sind vor allem die familiengerechten Freizeitangebote, die in der Jugendherberge auch als Pauschalpakete gebucht werden können. Auf dem Programm stehen dabei neben Kinobesuchen auch Spieleabende, Minigolf oder eine "Sagenwanderung" mit einer Hexe als Führerin. Selbst eine Kinderanimateurin sorgt für die nötige Unterhaltung der kleinen Gäste.
Neue Zielgruppe im Mittelpunkt
Ein ähnliches Konzept verfolgt auch die Umwelt-Jugendherberge "Grumbach" im sächsischen Erzgebirge, deren Familienanteil unter den Gästen ständig gestiegen ist: "Viele kamen früher nur für ein verlängertes Wochenende", sagt die Herbergsleiterin Sabine Schuricht. Heute bleiben manche dagegen bereits für 14 Tage im Sommer, so dass auf die neue Zielgruppe "Familie" verstärkt eingegangen wird. In Grumbach gibt es daher eine Spielecke, Kinderbetten, Windeleimer und Babyphones, sowie ein neues Pauschalpaket, das seit April gebucht werden kann: Unter dem Motto "Der Ruf der Brennnessel" können Kinder mit ihren Eltern auf Bergwiesen Wildkräuter sammeln und daraus einen Salat mit selbst hergestelltem Kräuteressig und Kräuteröl zubereiten. Auch die Herstellung von Brennnessel-Papier soll für jede Menge Familienspaß in der Jugendherberge sorgen.
Von Martin Fuchs, MARCO POLO News-Redaktion
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