Extreme Abenteuerlust: Mit dem Husky-Schlitten durch Alaska
Zwar gibt es noch keinen Raumpendler, der Touristen auf einem Kurztrip in Weltall befördert, dafür aber zahlreiche andere Urlaubsextreme, die sich heute bequem im Internet buchen lassen. Sogar eine Tauchfahrt zum Wrack der Titanic steht bei deutschen Reiseveranstaltern schon auf dem Programm – ein Urlaubserlebnis, das der Berliner Reiseforscher Hasso Spode „Narko-Kapitalismus“ nennt. Das Wort "Narko" leitet sich von Narkose ab und bezeichnet die Sehnsucht nach dem gewissen Etwas: "Das können Drogen sein, aber eben auch ein Adrenalinschub im Urlaub", erklärt Spode den Hang vieler Reisenden zum außergewöhnlichen Urlaubserlebnis. Neu ist dieser Trend für den Reiseforscher allerdings nicht, wie ein Blick auf die Geschichte des Tourismus zeigt.
Extremurlaub hat Tradition
Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in der Epoche der Romantik die Idee vom "Reisen um des Vergnügens Willen", die der Tourismus-Pionier Thomas Cook in seinem Reiseangebot verwirklichte: Um das Jahr 1900 gehörten Einbaumfahrten auf dem Amazonas zum Programm des Reiseveranstalters – und das obwohl die moderne Form des Tourismus zu dieser Zeit gerade mal 50 Jahre alt war. "Als die ersten Hotels und Kurorte entstanden, spaltete sich ein Teil der Reiselustigen ab", sagt Hasso Spode, "denen war das zu langweilig". Inzwischen hat sich der Abenteuertourismus auf dem deutschen Reisemarkt fest etabliert und zu einer beliebten Urlaubsform entwickelt: Laut einer Studie der Hamburger Stiftung für Zukunftsforschung buchen zehn Prozent der Deutschen einen "Extremurlaub", darunter doppelt so viele Männer wie Frauen.
Zum Abendbrot nach Hause
Als Motiv für die extreme Urlaubserfahrung nennt Reiseforscher Spode bei jüngeren Urlaubern eine "spätpubertären Identitätssuche", bei älteren Menschen mit gutem Einkommen dagegen die "Langeweile". Eine weitere Erklärungen für den Reiz der Abenteuerreisen sieht der Leiter der Hamburger Stiftung für Zukunftsforschung, Ulrich Reinhardt, im Wandel der Gesellschaft: "Wir identifizieren uns nur noch begrenzt über unsere Arbeit oder den Alltag, sondern über die Sachen, die wir in unserer Freizeit machen", meint der Gesellschaftsforscher, den so manches "Abenteuerpaket" der Reiseanbieter auch zum Schmunzeln bringt. "Tauchen mit Haien, aber danach bitte schön ein Vier-Sterne-Hotel", scherzt Reinhardt. "Entführ mich in eine Extremwelt, aber bring mich zum Abendbrot wieder nach Hause". Das dürfte dann bald auch für die ersten Weltraumtouristen gelten.
Von Martin Fuchs, MARCO POLO News-Redaktion
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