Cardins Glaspalast könnte den Anblick Venedigs bald entscheidend verändern
Stattliche 245 Meter misst das Gebäude - damit wäre es gut doppelt so hoch wie der berühmte Campanile von San Marco. "Palais Lumière", also Lichtpalast, nennt Designer Cardin sein Projekt, in das schätzungsweise rund drei Milliarden Euro investiert werden sollen. Ein treffender Name: Die drei geschwungenen, unterschiedlich hohen und in verschiedene Richtungen zeigenden Türme, die sechs Plattformen miteinander verbinden, sind gänzlich aus Glas. Nach etwa vier Jahren Bauzeit soll das Gebäude neben Privat- und Büroräumen mit Panoramablick auch ein Kino, einen Konzertsaal, sowie eine Modeschule beherbergen. Venedig wählte Cardin nicht zufällig als favorisierten Standort für seinen Lichtpalast: Er wurde in der Nähe der Stadt als Pietro Cardini geboren, bevor seine Eltern kurz darauf nach Paris gingen. Nun will er im industriellen Stadtteil Marghera ein Symbol für das moderne Venedig schaffen. Für den inzwischen 90-Jährigen wäre das Gebäude sein wohl letztes großes Projekt und die Verwirklichung eines lang gehegten Traums.
Der Lichtpalast: zu modern für Venedig?
Noch ist der Bau jedoch nicht abgesegnet, denn es werden auch kritische Stimmen laut. Die Gegner des Lichtpalastes berufen sich vor allem auf die Auszeichnung der Stadt als Weltkulturerbe. Ein solch modernes Gebäude passe wenig in das Bild vom historischen, romantischen Venedig, das laut Unesco ein einziges, architektonisches Meisterwerk sei. Des Weiteren brachte die Flugverkehrsbehörde Einwände vor: Die zulässige Maximalhöhe von 140 Metern würde der Palast deutlich überschreiten. Falls allerdings keine konkrete Gefahr für die Einflugschneise entstehe, sei über eine Ausnahmegenehmigung nachzudenken.
Ökologischer und wirtschaftlicher Nutzen für die Region
Luca Zaia, der Präsident Venetiens, und der Stadtrat Venedigs sind indes angetan von Cardins Plänen und sprachen sich bereits für einen raschen Baubeginn im September aus. Die Gründe dafür liegen neben einem Prestigegewinn für die Region wohl vor allem bei den ökologischen und wirtschaftlichen Faktoren des Gebäudes. Insgesamt soll der Palast rund 7.000 dauerhafte Arbeitsstellen schaffen - ein wichtiges Argument für die schwer verschuldete und schrumpfende Stadt. Zudem soll der Lichtpalast unter umweltfreundlichen Gesichtspunkten und inmitten einer großen Grünfläche errichtet werden.
Von Kathrin Wiesmann, MARCO POLO News-Redaktion
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