Zum Teil unwiederbringlich verloren: Antike Fresken in Pompeij
Etwa drei Millionen Touristen jährlich besuchen das antike Pompeji am Golf von Neapel, das 1997 als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO aufgenommen wurde. Doch nun ist es schon wieder passiert: Nach dem Einsturz der Gladiatorenschule "Schola Armaturarum" vor etwa einem Jahr ist eine antike Mauer nahe des Steintors "Porta di Nola" zusammen gebrochen. Als letztendlicher Auslöser werden starke Regenfälle der vorhergegangenen Tage verantwortlich gemacht, die das Bauwerk in mehrere Kubikmeter Schutt verwandelten. Allerdings leidet die 44 Hektar große Kulturstätte seit Jahren unter den Folgen eines fatalen Missmanagements, das bei der maroden Anlage nun seine volle Tragweite zeigt. Die letzte Hoffnung zur Rettung für Pompeji liegt daher in der Freigabe von bereits bewilligten Fördergeldern der EU.
Multimedia-Spektakel statt Restaurierung
Bis zu 25 Millionen Euro an Eintrittsgeldern spült die archäologische Sensation in die Kasse, dennoch sind nach den Einstürzen bereits Tausende Quadratmeter an Fresken und Wandmalereien verloren. Überhaupt seien alle Monumente in Italien gefährdet, warnt der private Verein "Italia Nostra", der sich dem Schutz des historischen und kulturellen Erbes des Landes verschrieben hat. Tatsächlich brach im März des vergangenen Jahres auch ein Gewölbegang des Nero-Palastes "Domus Aurea" in Rom ein, was den bereits eingeschränkten Besucherverkehr vollständig stoppte. Kurz darauf verlor das Kolosseum als größtes erhaltenes Amphitheater der römischen Antike einige Putzplatten und offenbarte dabei seinen baufälligen Zustand. "Was passiert ist, das rührt von der Vernachlässigung her", rügt Italia Nostra die Verschwendung von Geldern für große Multimedia-Spektakel um Pompeji.
Verspätetes Engagement
Während der Begutachtung des jüngsten Schadens in Pompeji verkündete der amtierende Kulturminister Giancarlo Galan, die EU zur Freigabe der Finanzmittel zum Erhalt des Weltkulturerbes zu drängen. Dabei soll ein Rundgang durch die archäologische Stätte mit EU-Regionalkomissar Johannes Hahn helfen, die bereits zugesagten 105 Millionen Euro frei zu schalten. In Misskredit steht dagegen Galans Vorgänger Sandro Bondi, der bereits den Einsturz der Gladiatorenschule im vergangenen Jahr vor der Abgeordnetenkammer in Rom erklären musste. Galan verkündete dagegen angesichts der jüngsten Trümmer noch einmal, dass Pompeji Priorität habe.
Von Martin Fuchs, MARCO POLO News-Redaktion
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