Das Wahrzeichen Berlins hat eine gründliche Renovierung hinter sich
Er ist ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten, von der SED erbaut, die mit der Fertigstellung zum 20. Gründungstag des sozialistischen Staates die Überlegenheit ihres Systems bewiesen sah. Seit damals ist er mit 365 Metern (bzw. seit 1997 mit 368 Metern) das höchste Gebäude Deutschlands. Als er vor 16 Jahren von der Telekom übernommen und das erste Mal saniert wurde, änderte sich sein Aussehen – zumindest von innen – grundlegend. Nun will man zurück zu den Anfängen, hin zum Original. Beige- und Goldtöne, kaffeefarbene Uniformen für das Personal, Holzpaneele statt Putz – Kurzum: ein als solcher erkennbarer (edler) Retro-Look.
Sternenhimmel und Ostalgie
Wer den Fernsehturm durch die neue Drehtür betritt, wird im, jetzt wesentlich helleren, Eingangsbereich von neuen, schallschluckenden Teppichen, lederbezogenen Sitzbänke und einem größeren Souvenir-Shop empfangen. Durch ein neues Lichtkonzept und die allgemein wärmeren Farben soll Berlins Wahrzeichen einladender werden. Man habe sich für den Umbau die Atmosphäre zur Eröffnung 1969 zum Vorbild genommen, teilte Christina Aue, die Geschäftsführerin des Turms, mit. Auch die Panorama-Etage wartet edel auf: Graue Wand und schwarzer Boden sind Gold- und Kaffeefarben gewichen, große Deckenleuchten haben die kleinen Halogenstrahler (und die durch sie entstehenden störenden Spiegelungen auf den Scheiben) ersetzt und eine neue Lounge verschönert Besuchern, die auf einen Platz im Restaurant hoffen, die Wartezeit. Selbiges Restaurant hat die 90er (zugunsten der 70er) ebenfalls hinter sich gelassen. Knallrote Sofas und eine als Sternenhimmel gestaltete Decke sollen gemeinsam mit einem Pianisten für die richtige Atmosphäre sorgen. Zu guter Letzt bleibt nur noch die neue Speisekarte zu erwähnen, die, wie könnte es auch anders sein, von Ragout fin bis Soljanka allerlei Ostklassiker zu bieten hat.
Ein Plus für den Sozialismus
Einer der interessantesten Aspekte in der Geschichte des Fernsehturms sind seine Spitznamen, der bekannteste davon ist wohl "Telespargel". Ein Name, der zwar nicht von der Partei erdacht, aber doch von ihr hochgehalten wurde. Schon allein um unvorteilhafte Bezeichnungen gar nicht erst aufkommen zu lassen, verbreitete die Parteizeitung "Neues Deutschland" während der Bauarbeiten die Begriffe "Tele-Riese" und "Riese am Alex". Zwar vergeblich (die Namen fanden nie Eingang in den Volksmund) aber zum Amüsement der Westmedien, die, genau wie die Berliner Bevölkerung, wesentlich gehässigere Namen erdachte. Viele davon nahmen Bezug auf das Kreuz, das sich an sonnigen Tagen auf der Stahlkuppel des Turms bildet und damit die kirchenfeindliche Führung zu verspotten schien. Oftmals war von der "Rache des Papstes" die Rede. Angeblich versuchte die SED mehrmals mit verschiedenen Methoden das Kreuz zu entfernen, scheiterte aber. Eines Tages soll dann, in Herunterspielung des Problems, auf einer Parteitagung statt eines Kreuzes von einem "Plus für den Sozialismus" die Rede gewesen sein...
Von David Desta, MARCO POLO News-Redaktion
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