Streit in Saudi Arabien Menschenmassen in Mekka: Beten im Schatten der Wolkenkratzer

Der heiligste Ort des Islam wird von Touristen überrannt. 2,5 Millionen Muslime pilgern alleine während der Wallfahrt Hadsch nach Mekka, dem Geburtsort des Propheten Mohammed. Längst empfangen moderne Luxushotels die Pilger. Nun gibt es Streit: Um mehr Platz zu schaffen, werden historische Bauwerke abgerissen.

Ziel der Pilger ist die berühmte Al-Haram-Moschee mit dem schwarzen Kubus, die Kaaba, in der Mitte. Nur noch ein osmanischer Säulenbau aus dem 17. Jahrhundert trennt sie von den heranrückenden Neubauten, wie dem neuen Fünf-Sterne-Hotel „Mecca Royal Clock Tower Hotel“. Das ist 601 Meter hoch, hat 120 Stockwerke, 858 Zimmer und kostete drei Milliarden US-Dollar.

 

Um mehr Platz für die stetig wachsende Anzahl der Gläubigen zu schaffen, reißen die Behörden den Säulenvorbau nun ab, wie der Fernsehsender CNN berichtet. Durch den Abriss würde der Platz für die Pilgerflut verdreifacht, erklärten die Verantwortlichen. Und das sei bitter nötig. Der Besucheransturm führte in der Vergangenheit bereits zu gefährlichen Massenpaniken. Dabei starben 1.426 Menschen im Jahr 1990, 2006 wurden 350 Pilger totgetrampelt.

 

Durch die Renovierungsarbeiten würden in Mekka und Medina bedeutende historische Stätten für immer verloren gehen , warnt Irfan Al Alawi von der Islamischen Heritage Research Foundation. „Ich bin nicht dagegen, die Moscheen zu vergrößern, aber das geht auch, ohne die kulturellen Stätten zu zerstören“, zitiert CNN den Forscher. Den Abriss kritisiert er als „kulturellen Vandalismus“.

 

Auch die Türkei versucht seit zwei Jahren, den Abriss der Säulen zu verhindern. „Es ist sehr wichtig, den Vorbau der Kaaba als Erbe des Osmanischen Reichs zu bewahren“, klagte Türkeis Direktor für Kulturbesitz und Museen gegenüber CNN. Bereits im Jahr 2002 stritten die Türken mit Saudi Arabien, als diese eine historische Festung in Mekka zerstörten, um Platz für das Fünf-Sterne-Luxushotel zu machen. Experten aus den USA schätzen, dass bereits 95 Prozent von Mekkas jahrhundertealten Gebäuden zerstört wurden. Man wolle den Pilgern mehr Komfort bieten, rechtfertigen Saudi Arabische Politiker den Umbau der Stadt. Al Alawi wirft den Verantwortlichen vor, die historischen Stätten absichtlich zu zerstören. Schon als der erste Saudi-König Ibn Saud ik im Jahr 1925 Medina eroberte, riss er Mausoleen nieder. Al Alawi blickt nun ängstlich nach Medina, wo die „Moschee des Gesandten“, in der Mohammed begraben liegt, stark umgebaut werden soll.

 

Saudi Arabien wird nicht nur bei Touristen und Pilgern immer beliebter, sondern auch bei Einheimischen. Als vor wenigen Wochen die Schulferien begannen, explodierten in Mekka, Medina und der Hafenstadt Dschiddah die Besucherzahlen von Hotels und Ferienwohnungen. Die Preise schnellten um die Hälfte nach oben, wie die Zeitung „Saudi Gazette“ berichtet. In der Tourismusbranche sollen laut Experten zwischen 2010 und 2020 19,5 Milliarden Euro ausgegeben werden. Von den 951 Hotels im Land trägt ein Fünftel fünf Sterne.


Von Jonathan Frey

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