Teils unberührte Natur wird dem höchstgelegenen Flughafen der Welt weichen
Ehrgeizig ist man durchaus in China. Obwohl man bereits mit dem auf 4.334 Meter gelegenen Qamdo Bamda, dem Kangding (4.280 Meter) und dem Ngari Gunsa (4.274 Meter) die drei höchstgelegenen Flughäfen der Welt errichtet hat, will man sich nun selbst übertrumpfen. In Tibet, genauer gesagt im Bezirk Nagqu ist der Bau des höchstgelegenen Flughafens der Welt geplant. Auf 4.436 Meter über dem Meeresspiegel und damit 100 Meter höher als der bisherige Rekordhalter, inmitten tibetischen Hochlands. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua sind lediglich drei Jahre Bauzeit eingeplant, die Gesamtkosten belaufen sich umgerechnet auf etwa 214 Millionen Euro.
Nächster Schritt zur Modernisierung Tibets
Der Regierung in Peking zufolge wolle man so die Wirtschaft im Westen Chinas ankurbeln, tatsächlich wird der geplante Rekordflughafen der bereits sechste Zivilflughafen in Tibet sein, welche einige aber aufgrund der widrigen Witterung in der Region nur wenige Monate im Jahr betrieben werden können. Flughäfen gehören genauso wie Straßen und Bahnstrecken zu den Projekten, in die die chinesische Regierung seit Jahren Milliarden steckt, um in Tibet die Infrastruktur zu verbessern, die wirtschaftliche Lage zu verbessern und den Lebensstandard zu erhöhen.
Großprojekt hat nicht nur gute Seiten
Durch den Bau des neuen Flughafens verkürzt sich die Anreisezeit von Nagqu in Tibets Hauptstadt Lhasa von vier Autostunden auf vierzig Flugminuten. Touristen aus aller Welt können dadurch direkt in das Land der Klöster, Tempel, Flüsse und hohen Berge reisen. Die Sitten und Bräuche der Tibeter, für die allein sich ein Besuch schon lohnt, aber auch die vielen heißen Quellen, die üppige Vegetation und unzähligen wilden Tiere, die in einer von Menschenhand fast unberührten Naturlandschaft leben, machen den Westen Chinas zu einem attraktiven Reiseziel. Dabei darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass das vordergründig noble Vorhaben Chinas auch eine Schattenseite bergen könnte. Experten befürchten, dass durch die großen Bauvorhaben tausende Chinesen in die Region umsiedeln werden und die buddhistische Kultur Tibets Gefahr läuft, an den Rand gedrängt zu werden.
Von Maximilian Jaschek, MARCO POLO News-Redaktion
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