Boomtown Saigon: Relax @ HCMC

HCMC nennen die Vietnamesen die Trendmetropole des Südens. Mehr Zeit für die Namensnennung erlaubt das Tempo von Ho Chi Minh City – das einstige Saigon – nicht.


Ein Denkmal des vietnamesischen Staatsmannes Ho Chi Minh steht vor dem kolonialen Rathaus von Ho-Chi-Minh-StadtAxel Krause, HB Verlag

Ein Moloch mit Tentakeln aus Beton, die tief in das feuchtheiße Umland des Mekong-Deltas greifen – daran erinnert die lange Fahrt durch Saigons Vorstädte. Ho Chi Minh City heißt die Hauptstadt des Südens heute, und für viele Vietnamesen gilt sie als Zukunftslabor des Landes. In der Tat ist HCMC, wie Saigons Yuppies ihre Stadt nennen, der Trendsetter Vietnams. Sind im nächsten Jahr spitze Schuhe und rosarote Kostümchen angesagt, dann sind sie in HCMC vermutlich schon wieder passé.

Martialisches Speiseeis

Das gilt noch mehr für die lebhafte Gastroszene. Momentan hip: Frühlingsrollen mit japanischer Wasabi-Paste, Speiseeis im martialischen Kanonen-Design (mit Rädern aus weiß-schwarzen Drachenfruchtscheiben) und Bars wie das „Panorama“ im Saigon Trade Center. Aber auch Einblick in die Innenhöfe und Patios eleganter Villen erlaubt der Boom der Szenelokale und Clubs: Im Falle des „Au Lac Garden Café“ gehört sogar ein hübscher Garten dazu.

Net-Kids und Fließbandgalerien

Dass Mitte der 1990er-Jahre in ganz Vietnam nur ein einziger E-Mail-Account für eine Handvoll Wissenschaftler existierte, ist heute kaum mehr vorstellbar. Zumal die elektronische Post vom australischen Provider gesammelt, dreimal am Tag in die Hauptstadt geschickt, dort ausgedruckt und von Fahrradboten an die Empfänger verteilt wurde! Schon gar nicht vorstellbar ist das im heutigen Saigon alias HCMC, dessen Jugend sich heute mit besonderer Vorliebe hinter den Plexiglaskulissen der Internetcafés verschanzt. Schließlich setzt erfülltes Partyleben ja auch ein gewisses Mindestmaß an Information und Flirtchats voraus. Saigon, dessen Nachtleben längst berüchtigt ist, hält auch hier seine Bewohner auf Trab. Doch das ist nur ein Teil des Bildes. So wie der Besuch bei den Kunstkopisten der Stadt, etwa in der „Thauh Hoa Galerie“: Dalís, Van Goghs und Gauguins werden hier wie am Fließband nachgepinselt – auch das eine Spezialität von HCMC.


Kunst und Kommerz liegen nah beieinander - auch an der Notre-Dame-KathedraleRobert Haidinger

Basar für Traveller

Authentisch ist die Stadt im Süden des Landes trotzdem. Das beweist bereits ein kurzer Spaziergang durch die lebendige Atmosphäre von Pham Ngu Lao, Saigons Antwort auf Bangkoks Khao San Road. Reiseagenturen, Billighotels und Travellercafés verdichten sich hier zu einem modernen Basar der Dienstleistungen – Antik- und Kuriositäten-Läden für gefälschte Zippo-Feuerzeuge und echte Vietcong-Helme inklusive.

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