![]() Marseille - welch schöne Hafenstadt! |
Sonne knallt gegen Hafenbeton. Möwen flattern kreischend ihren Schatten hinterher, und junge Katzen schmusen mit den Spitzen eines Riesenankers. Doch dann, ein paar Schritte weiter, ist plötzlich wieder alles anders: Marseille macht auf mondän. Zunächst taucht die Rue Paradis mit ihren feinen Modeläden auf. Und dann warten gleich um die Ecke Lavendelhüte und leuchtende Erdbeeren auf Strohkrempen serviert. Wer in Michelles Laden den wogenden Modellen, die mehr an Erntedankfeste als an Hüte erinnern, unerwartet gegenüber tritt, dem fällt es in der Regel wie Schuppen von den Augen: Mamma Marseille, jetzt hat man dich am provenzalischen Zipfel erwischt!
Marseille hat Charakter, keine Frage, verstand sich die Stadt doch schon immer als Ideenlabor und mediterraner Schmelztiegel. Die feminine, leichtfüßige Note der Provence ist Teil dieses Erbes. Das beweist ein Blick auf filigrane Gürtel, geblümte Chiffons und andere zart-verspielte Kreationen in der Boutiquenzeile der Rue de la Mode, die offiziell Rue de la Tour heißt, und so manche Pariserin mit blasser Nase herumstehen lässt. Gegenwärtig erfindet sich Frankreichs älteste Stadt wieder einmal neu – und das über 2600 Jahre nach der Gründung als griechische Kolonie. Byebye Massalia! Jetzt kommt die Trend-Metropole!
![]() Der sanfte Duft der lindgrünen und buttergelben XXL-Seifenwürfel zieht sich durch die Gassen |
Denn auch damit kann die spannendste Stadt des französischen Südens aufwarten: einem Modeshop, der sich als surreal-mediterrane Landschaft präsentiert. Besonders überraschen sollte diese Entdeckung nicht. Spürbar zieht sich der sanfte Duft der Lavendelfelder, die das Umland jeden April blühend verzaubern, durch so manche Gasse der Stadt. Schnuppert man etwas intensiver, so entdeckt man früher oder später lindgrüne und buttergelbe XXL-Seifenwürfel. Savon de Marseille, die beste Seife der Hafenstadt. Die dekorativen Würfel sind neben Pastis, dem berühmten Anisschnaps, und Bouillebaisse, der ebenso berühmten Fischsuppe, ihr drittes typisches Produkt.
Offiziell heißt der Motor hinter diesem Designer-Marseille „Euroméditerranée“, und er verwandelt das Hafenviertel La Joliette in einen urbanen Urwald aus Baukränen und bereits eröffneten Schickimicki-Cafés. Beispiel Les Docks: Die sensibel restaurierten alten Speicher wurden von Firmen bezogen, und zwischen dem Backstein der ehemaligen Lagerhallen werden nun Pasta & Panini kredenzt. Ein Hauch von Goldgräberstimmung liegt über der Gegend. Der Umbau des benachbarten ehemaligen Getreidespeichers Le Silo zum Theater mit Dachrestaurant, und die neue Promenade am Fort Saint-Jean samt Museum für die Kulturen des Mittelmeerraumes fügt sich bestens in dieses Bild.
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