Abschlussbericht Faire Biketour

4618 Kilometer durch ein Paralleluniversum

Die "Faire Biketour 2012" ist zu Ende. Aus den vorgesehenen 111 Tagen wurden letztendlich 114, aus den geplanten 4444 schließlich 4618 Kilometer. Doch nüchterne Zahlen wie die rund 40.000 Höhenmeter oder die 250 Stunden im Sattel lassen nicht annähernd erahnen, was man während einer fast viermonatigen Radtour fühlt und spürt, bei brütender Hitze oder Dauerregen, bei Irrfahrten oder Pannen. Von letzteren bin ich weitestgehend verschont geblieben, von allem anderen nicht.

Doch diese nicht immer nur schönen Erfahrungen verblassen angesichts der vielen netten Menschen, die ich auf diese langen Reise kennenlernen durfte, den vielfältigen Landschaften, die mich oftmals aus dem Staunen nicht herauskommen ließen und den vielen kleinen Episoden, die ich Tag für Tag erlebte und die – aneinandergereiht – die Essenz einer Fahrradtour ausmachen: Sei es der spektakuläre Abend mit Sonnenuntergang und Vollmond an den Kreidefelsen in Rügen, das Vertrauen meiner Gastgeber in Leipzig, die mir – ohne mich zu kennen – den Schlüssel zu ihrer Wohnung in die Hand drückten, um dann kurz darauf in den Urlaub zu fahren oder der türkische Friseur in Hamburg, der mir zum Haare schneiden ein Glas Tee reichte.

Wer längere Zeit mit dem Fahrrad in Deutschland unterwegs ist, fühlt sich wie in einem Paralleluniversum. Nur gelegentlich teilt man sich die Straße mit Autos, nur hin und wieder über- oder unterquert man eine Autobahn, sodass man auf den vielen schönen Radwegen oder noch zahlreicheren einsamen Landstraßen ein wahres Gefühl für die Topografie des Landes bekommt. Das Höhenprofil ist allgegenwärtig, denn auch der kleinste Anstieg muss mit der eigenen Muskelkraft bewältigt werden. Und ist es mal flach, sorgt ein entsprechender Wind für Widerstand. Doch das Ergebnis fühlt sich gut an: ein ganzes Land aus eigener Kraft und CO2-frei umrundet zu haben.

Noch besser fühlt es sich an, wenn man in über 30 Vorträgen und Lesungen Hunderte von Menschen erreicht hat, die sich für Themen wie „Fair einkaufen“ und „Fair reisen“ interessieren und sich auf die eine oder andere Weise für eine bessere Welt engagieren. Menschen, denen das Schicksal anderer Menschen nicht gleichgültig ist, Menschen die zudem mit ihren Spenden zur Unterstützung einer Kindertagesstätte in Guatemala beigetragen haben.

Eine Radtour durch Deutschland ist eine fantastische Erfahrung und die Frage, ob ich es noch einmal machen würde, kann ich spontan mit „ja“ beantworten. Da es aber in Deutschland (und auch den deutschsprachigen Nachbarländern) noch so viel mehr zu entdecken und zu tun gibt, mit neuer Route, neuen Vorträgen, neuen Ideen. Denn nur die Suppe wieder aufzuwärmen, wäre mir definitiv zu langweilig.

Text und Bilder: Frank Herrmann

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