Im Rila-Gebirge: Schatzsuche

Bulgarien hat sein Kulturerbe gut versteckt: Inmitten dichter Laubwälder liegt das Rila-Kloster, und auch Plovdiv, das antike Zentrum Thrakiens, will erst entdeckt werden.


Wasserspeier vor den Klostermauern versorgen Pilger und Wanderer mit dem kühlen NassRobert Haidinger

Ein wenig Backofenhitze kann nicht schaden. Im Gegenteil: Eher steigert die spätsommerliche Wärme die Vorfreude auf einen klaren Schluck Gebirgswasser. Das tut auch der Wildbach, der sich neben dem schmalen Sträßchen Richtung Rila-Kloster schlängelt. Doch zuerst will es erreicht sein, das berühmteste Gebäude seiner Art Bulgariens. Abweisend wirken die hohen Mauern auf den ersten Blick, fast meint man eine Festung hinter den mächtigen Platanen zu sehen. So versprechen zunächst nur die außen angebrachten Wasserspeier ein wenig Erlösung – und zwar vor dem allmählich doch stärker gewordenen Durst.

Erfrischung für Pilger

Sauber und kalt ist das köstliche Wasser, das, von den Hängen des angrenzenden Rila-Gebirges kommend, hier in kleine Kalksteinbecken spritzt. Wie man es schlürft, spielt dabei keine Rolle. Bedächtig und auf Pilgerart etwa, mit Hilfe der angehängten Schöpfkellen, die im marmorweißen Schatten der Klostermauern schimmern. Oder einfach frisch aus den gewölbten Händen heraus, und im zweiten Durchgang bereits unter dem Messingspund liegend, die Augen dankbar Richtung Himmel gerichtet.

Heiliger Ruhe und himmlicher Küche

Viel mehr als eine Art Hintergrundrauschen bescheren die köstlichen Bächlein des Rila-Gebirges den meisten Besuchern freilich nicht, zumeist beansprucht das berühmte Kloster die ganze Aufmerksamkeit. Es ist Bulgariens Showpiece in Sachen UNESCO-Weltkulturerbe, und – wenn man denn nicht zu Fuß unterwegs ist – den kurzen Abstecher von der südlich von Sofia verlaufenden E 79 allemal wert. Wegen seiner herrlichen Lage inmitten dichter Buchenwälder. Und wegen seiner Geschichte.


Das Rila-Kloster ist ein zentrales Element des bulgarischen WeltkulturerbesRobert Haidinger

Des Zaren letzte Ruhestädte

Den ältesten Teil des Gebäudekomplexes stellt der 1335 errichtete Chreljo-Turm dar. Vor allem aber prägen später entstandene Erker und Balkone die eindrucksvolle Klosterarchitektur des Nationalheiligtums, die 24 m hohen Außenmauern versprachen auch Bulgariens letztem Zaren ausreichend Ruhe – und zwar die letzte. Das Grab Boris des III. befindet sich in der Hauptkirche, gemeinsam mit berühmten Holzschnitzereien und vergoldeten Ikonostasen.

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