![]() Heute eine gemütliche Kleinstadt - Fort Worth |
Texas? Dallas! Ölbarone, riesige Cowboyhüte zum Business-Anzug, Miss Ellie und die Southfork-Ranch haben das Texas-Bild ganzer Generationen deutscher TV-Zuschauer geprägt. Dabei regiert nur wenige Meilen von Dallas entfernt großes Hollywood- statt kleinem Pantoffelkino: Die Straßen von Fort Worth wurden an der Schwelle zum 20. Jh. wirklich von Butch Cassidy und Sundance Kid – unsterblich geworden durch den gleichnamigen Western mit Paul Newman und Robert Redford – unsicher gemacht. Dass es zurzeit der Viehtriebe hier, im berüchtigsten „Hell’s Half Acre“ des Westens, zwischen Saloon und Bordellen, Hahnenkämpfen und Glückspiel, Faustkämpfen und Revolverschüssen, höllisch zur Sache ging, sieht man der geruhsam-sympathischen Stadt heute nicht mehr an.
Sein Wildwest-Erbe trägt Fort Worth stolz zu Markte. Dabei ist „treiben“ statt „tragen“ eigentlich das bessere Wort: Wer um 11.30 Uhr – oder um 16 Uhr, so viel Fahrplan muss sein – durch den Stockyard District stromert, begegnet einer vielhufigen Vergangenheit. Mit Muhen, Pfiffen und Geschrei wird eine Longhorn-Herde entlang der liebevoll restaurierten Westerngebäude getrieben – ganz so, wie es wohl vor 150 Jahren war, als die lebenden Steaks millionenfach auf dem Chisholm Trail ihrem Bestimmungsort entgegentrabten. Allerdings hatten die Herden damals ein bisschen mehr als nur 16 bis 20 Tiere...
![]() Im Stockyards National Historic District fühlen sich auch Touristen wie waschechte Cowboys |
Der Stockyards National Historic District, der Bezirk rund um die ehemaligen Ställe, ist aber nicht allein touristisches Terrain. Zwar reiten Cowboys stilecht an den authentisch herausgeputzten Fassaden entlang und die vielen Geschäfte, Restaurants und Saloons sind so western-like, dass man schwören könnte, gerade sei John Wayne im wiegenden Gang zum nächsten Duell-Termin um die Ecke verschwunden. Aber im Livestock Exchange Building wird wie in den alten Tagen Vieh gehandelt, heute allerdings per Video- und Satellitenkonferenz. In die Vergangenheit der „Wall Street des Westens“ und ihrer Auktionen entführt das Stockyards Museum, im benachbarten Cowtown Coliseum findet statt, was sich kein Texas-Besucher entgehen lassen darf: waschechte Rodeos, mit bockenden Bullen, galoppierenden Gäulen und coolen Cowboys.
Doch „Cowtown“, so der Spitzname des einstigen Militärstützpunktes im feindlichen Komantschenland, ist viel mehr als nur ein Freilichtmuseum seliger Fontier-Zeiten. Die Blocks rund um den Sundance Square sind ein Paradebeispiel für die Wiederbelebung einer Innenstadt – und das heißeste Nachtleben-Pflaster im ganzen Staat. Selbst, wenn der größte Saloon der Welt in den Stockyards liegt: In Billy Bob’s Texas können auf zwei Tanzflächen und in über 40 Bars bis zu 6000 Gäste die Kuh fliegen lassen. Stilvoller und spannender allerdings lässt man sich am Sundance Square durch texanische Sommernächte treiben.
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