Früher beackerten die Prager auf diesem Hügel Weinberge und Steinbrüche. Heute ist der Petřín ihr Lieblingsort für einen ungefähr zweistündigen Sonntagsausflug.
Der Spaziergang beginnt am Náměstí Kinských (Kinský-Platz). Von dort führen hundertjährige Bäume zu einer ausgedehnten Rasenfläche, die bereits 1825 angelegt wurde. Am oberen Ende steht das Kinský-Lustschloss. Hinter diesem eindrucksvollen Empiregebäude erinnern eine walachische Glockensäule und, ein Stück weiter im Park, eine Holzkirche an mährische Volkskunst.
Den Weg zum Gipfel des Hügels säumt die gotische Hungermauer aus dem Jahr 1360. Der Sage nach hat Karl IV. sie als Teil der Stadtbefestigung nach einer Missernte bauen lassen. Tausende von Hungernden fanden dadurch Arbeit, bekamen als Lohn Lebensmittel aus den königlichen Vorratskammern und wurden so gesättigt.
Vom 63,5 m hohen Eiffeltürmchen haben Sie einen fantastischen Blick über die Stadt. Die 1891 errichtete Eisenkonstruktion mit ihren 299 Stufen ist tatsächlich eine Kopie des Pariser Originals (April-Sept. tgl. 10-22, Oktober und März tgl. 10-20, Nov.-Feb. tgl. 10-18 Uhr). Im gleichen Jahr wurde das benachbarte Spiegellabyrinth angelegt, in dem sich auch ein 90 m² großes, dreidimensionales Schaubild befindet, das den Kampf der Prager Studenten gegen schwedische Truppen auf der Karlsbrücke im Jahr 1648 zeigt.
Vom Kamm des 327 m hohen Petřín gibt es mehrere Abstiegsmöglichkeiten: Entweder geht man an einem Kreuzweg vorbei in Richtung Vlašská-Straße, oder man folgt einem Spazierweg durch die Hungermauer zum Růžový sad (Rosengarten). Viele wählen jedoch die nahe gelegene Standseilbahn, die 511 m hinunter zur Straßenbahnstation Újezd führt. Die sanfte Fahrt vom Petřín ist ein Erlebnis und der Blick aus der Kabine über die historische Altstadt wunderschön. Aber auch wer den Abstieg in Richtung Vlašská-Straße wählt, wird mit einem Blick auf einen Ort der Geschichte belohnt. Am Fuß des Petřín-Hügels steht nämlich das Lobkowicz-Palais, in dem seit 1975 die deutsche Botschaft in Prag untergebracht ist. Im Herbst 1989 flüchteten sich Tausende DDR-Bürger auf das Gelände und erreichten so ihre Ausreise. Unvergessen bleibt in diesem Zusammenhang der Auftritt von Hans-Dietrich Genscher am 30. September 1989. Der damalige Bundesaußenminister verkündete vom hinteren Balkon den in einer Zeltstadt lebenden Flüchtlingen in einer bewegenden Ansprache ihre Ausreiseerlaubnis. Im Garten der Botschaft erinnert ein Werk von David Černý daran: Der Prager Künstler schuf einen Trabi mit Beinen. Die deutsche Vertretung in Prag hat aber nicht erst 1989 als Anlaufpunkt für DDR-Bürger Schlagzeilen gemacht: Fünf Jahre zuvor war die Nichte von Ministerpräsident Willi Stoph in den dreistöckigen Barockbau geflüchtet, um in den Westen auszureisen.
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Abtauchen in den Glanz vergangener Tage, Spaziergänge an der Moldau, Streifzüge durch Viertel voller Atmosphäre und abends im Straßencafé die milden Abende genießen: Prag bietet sommerliche Auszeiten pur.
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