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Andalusischer Steckbrief: Gesellschaft, Kultur und Politik
Flamenco
Ein lang gezogenes Aaayyy stimmt ein auf das Klagelied über die untreue Geliebte oder den gestorbenen Bruder. Nicht die Schönheit der Stimme überzeugt die Zuhörer, sondern ihre Ausdruckskraft, die emotionale Tiefe (jondura). Wie in Trance sitzt der Sänger oder die Sängerin kerzengerade auf einem Stuhl, angefeuert von den bewundernden ¡Olés! aus dem Publikum. Klatschende Hände, die palmas (d.h.: Handflächen), unterstützen mit komplizierten Rhythmen den Gesang. Rund 40 unterschiedliche Stile hat der Flamenco, von der schwermütigen siguiriya bis zu den populären fandangos. Die Frühzeit des Flamencos beginnt in der zweiten Hälfte des 18. Jhs. in Cádiz, Jerez de la Frontera und dem Sevillaner Viertel Triana. Der Flamenco wurzelt in der Musik der Zigeuner und der andalusischen Volksmusik. Seine Hochzeit erlebt er zwischen 1860 und 1910. Schon damals erwies sich der zur Musik aufgeführte Tanz als die größte Attraktion fürs breite Publikum. Auch die Gitarrenbegleitung setzte sich durch.
Die meisten flamencos sind Zigeuner, und viele sind überzeugt, dass ein payo (Nicht-Zigeuner) niemals ihre künstlerische Tiefe erreichen kann. Der Flamenco, der auf den Bühnen der Touristen-tablaos präsentiert wird, beschränkt sich meist auf die fröhliche Seite der Musik und stellt den Tanz heraus. Das Programm ist damit nicht grundsätzlich von minderer Qualität. Wen Sie dort allerdings nicht antreffen werden, ist der duende (Kobold), der geheime Magier des Flamencos, der den Funken der Emotion vom Künstler auf die Zuschauer überspringen lässt (Info und Termine: www.andaluciaflamenco.org).