„Waldkarpaten“ nennen die Einheimischen den südöstlichsten Zipfel Polens zwischen der Slowakei und der Ukraine. Das abseits liegende, dünn besiedelte Bergland mit herrlichen, wilden Buchenwäldern ist wohl der urwüchsigste Teil Polens. Typisch für diese Landschaft sind die połoniny, lang gezogene, kahle Bergrücken oberhalb der Wälder. Große Teile der Bieszczady sind in einen Nationalpark umgewandelt worden.
Sie können die Gegend bequem mit dem Auto auf der Bieszczady-Ringstraße erkunden. Die Fahrt beginnt und endet in Sanok. Über Lesko fahren Sie bis Ustrzyki Dolne, wo es ein interessantes Naturkundemuseum gibt (Muzeum Przyrody | Di-Sa 9-17 Uhr | ul. Bełska 7). Über Czarna Góra und Smolnik mit hübschen Holzkirchen erreicht man den südlichsten Punkt der Strecke: Ustrzyki Górne. Von da aus geht es Richtung Norden über zwei Pässe mit schönen Aussichten nach Wetlina im Durchbruchtal des gleichnamigen Flusses.
Übernachten können Sie im komfortablen Hotel Czarna (41 Zi. | Czarna | Tel. 0134616161 | www.ckrczarna.pl | €-€€) oder im schön renovierten Herrenhaus Dwór Wola Sękowa mit sehr gutem Essen (13 Zi. | Nowotaniec | Tel. 0134664253 | www.dworwolasekowa.com.pl | €).
Die Kapelle der Schützenden Mutter Gottes in Komańcza ist eine der drei noch erhaltenen Holzkirchen der Unierten (griechisch-kathol.) Lemken, einer westukrainischen Volksgruppe, die ehemals in Bieszczady lebte. Die Kirche von 1802 besitzt eine Ikonostase, eine dreiflüglige Wand mit Heiligenbildern, von 1830. In der Kirche befindet sich heute ein kleines Lemken-Museum, das bei Bedarf geöffnet wird.
Diese Magnatenresidenz in einem herrlichen Park liegt 10 km von Przemyśl entfernt. Die imposante quadratische Anlage mit Basteien stammt aus dem 15. Jh. und beherbergte häufig große Persönlichkeiten, u.a. die polnischen Könige. Übernachtung im Schloss: Hotel Zamkowy (92 Zi. | Tel. 0166718321 | www.krasiczyn.com.pl | €-€€).
Krynica-Zdrój gilt als die Perle unter den polnischen Kurorten. Die Kurpromenade und die schmucken Pensionen im Schweizer Stil verströmen noch den nostalgischen Charme des frühen 20. Jhs. Ein kleiner Schandfleck ist die neue Trinkhalle aus Beton, doch gibt es dort 23 verschiedene Mineralwässer. Berühmt ist das heilkräftige „Kryniczanka“. Zahlreiche Sanatorien bieten zudem Anwendungen für jedes Zipperlein. Zu Ehren des Sängers Jan Kiepura, der in Krynica ein Haus hatte, findet jeden August ein Opernfestival statt. Die ausgedehnten Naturreservate laden im Sommer zu Wanderungen ein. Im Winter ist Krynica ein beliebtes Skigebiet. Wer es ruhig mag, kann sich in dem außerhalb am Waldrand gelegenen Hotel SPA Dr. Irena Eris einquartieren (47 Zi./Ap. | ul. Czarny Potok 30 | Tel. 0184723500 | www.hotelspa.pl | €€€). Touristinformation: ul. Piłsudskiego 8 | Tel. 0184716105 | www.krynica.org.pl
Die kleine Industriestadt (17000 Ew.) besitzt mit ihrem Magnatenschloss aus dem 17. Jh. eines der schönsten Bauwerke in Polen, das alljährlich Tausende von Besuchern anlockt. Es gehörte nacheinander einigen der namhaftesten Familien Polens. Die prächtigen Räume des Schlosses präsentieren eindrucksvoll die Wohnkultur des Großadels. Neben dem Hoftheater, dem großen Ballsaal über zwei Geschosse, dem Spiegelkabinett und einer Skulpturengalerie beherbergt das Schloss auch eine interessante Gemälde-, Glas- und Porzellansammlung (Feb.-Nov. tgl. 9-15 Uhr | www.zamek-lancut.pl). Zum Schloss gehören auch eine kleine Synagoge, das Kutschenmuseum in den Ställen mit Hunderten von Fahrzeugen sowie eine Ikonen-Ausstellung im Seitenflügel (Di-So 9-16 Uhr). Im Mai öffnet der Ballsaal seine Türen für Musik - nicht nur für Kammermusik, auch für Cross-over.
Das unscheinbare Städtchen Leżajsk (13000 Ew.), 37 km nordwestlich von Jarosław, wäre wohl schon allein wegen seiner kostbaren Orgel bekannt. Sie ist die schönste in Polen: Reich verzierte 5900 Pfeifen und 74 Register machen dieses Instrument, an dem bis 1729 fast 50 Jahre gebaut wurde, so einzigartig. Es befindet sich im Bernhardinerkloster. Einzigartig nicht nur für Polen ist aber auch die Pilgerfahrt von Tausenden von Juden Mitte März zum Grab des Wunderrabbiners Elimelech auf dem jüdischen Friedhof.
Die größte polnische Stadt (310000 Ew.) östlich der Weichsel wurde 1317 gegründet. Seine Blütezeit erlebte Lublin in der Renaissance, als dort viele bedeutende Dichter und Bildhauer tätig waren. Das Schloss auf dem Burghügel wurde nach seiner Zerstörung im neogotischen Stil wieder aufgebaut, von der Burg ist nur der Turm aus dem 13. Jh. übrig geblieben. Dort befinden sich jetzt ein Museum mit volkskundlicher Abteilung, eine Gemäldegalerie mit Bildern des berühmten polnischen Malers Jan Matejko und eine sehenswerte Ikonensammlung (Muzeum Lubelskie | Di-So 10-16 Uhr | ul. Zamkowa 9 | www.zamek-lublin.pl). Der wertvollste Bau auf dem Burggelände ist die von Władysław Jagiełło 1395 gestiftete Dreifaltigkeitskapelle. Ihr Gewölbe ruht auf einem einzigen Pfeiler und ist vollständig mit byzantinisch-russischen Wandmalereien bedeckt.
Den Altstadtkern bilden mittelalterliche Straßenzüge mit den Resten der Stadtmauer und dem Krakauer Tor (Brama Krakowska), von dem die Bramowa-Straße zum Marktplatz führt. In seiner Mitte thront das klassizistische Alte Rathaus, an seinen Seiten und in den benachbarten Straßen stehen prächtige Bürgerhäuser aus dem 16.-18. Jh. und das Dominikanerkloster im Renaissancestil. Bemerkenswert ist die Kathedrale mit ihrer „Flüstersakristei“, in der der kleinste Laut deutlich zu hören ist.
Lublin ist Sitz der katholischen Universität KUL, ehemals eine Oase des freien Gedankens im kommunistischen Polen. An der Hauptstraße des modernen Lublin, der Krakowskie Przedmieście, stehen prunkvolle Gebäude wie z.B. unter der Nr. 56 das Grand Hotel Lublinianka (72 Zi. | Tel. 0814466100 | Fax 0814466200 | www.lublinianka.com | €-€€).
Im südöstlichem Vorort Lublins, Majdanek, legten die Nationalsozialisten 1941/42 ein Vernichtungslager an, in dem etwa 400000 Menschen ihr Leben verloren. In den übrig gebliebenen Lagerbaracken befindet sich heute ein Museum (Państwowe Muzeum na Majdanku | Di-So 8-17, im Winter bis 15 Uhr | ul. Droga Męczenników Majdanka 67 | www.majdanek.pl). Touristeninformation: Lubelski Ośrodek Informacji Turystycznej LOIT | ul. Jezuicka 1/3 | Tel. 0815324412 | www.loit.lublin.pl
Die Altstadt von Przemyśl (67000 Ew.) ist vom Krieg verschont geblieben. Sie liegt malerisch am Ufer des Flusses San. Lohnenswert ist der Besuch des Marktplatzes, der Kathedrale, der Franziskanerkirche und des Schlosses mit dem angrenzenden Stadtpark. Vom Schlossturm hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt. Die sichtbaren Kirchentürme und die Kuppeln der orthodoxen Kirchen zeugen von der kulturellen und ethnischen Vielfalt in der Geschichte der Stadt. Heute lebt in Przemyśl eine ukrainische Minderheit. Spuren der galizischen Zeit, als die Stadt der Habsburger Monarchie angehörte, finden Sie in den Festungsbauten, den Zins- und Amtshäusern und dem neubarocken Bahnhof. Bestes Hotel am Platz ist das Hotel Marko-Exim (15 Zi. | ul. Lwowska 40 | Tel. 0166789272 | www.hotelmarko.com | €€). Touristenzentrum: Rynek 26 | Tel. 0166751664 | www.przemysl.pl
Am linken Weichselufer auf sieben Hügeln erbaut, hat sich das Renaissancestädtchen mit seinen verwinkelten Gassen den Charme vergangener Zeiten bewahrt. Man sagt, dass jeder, der Sandomierz (22000 Ew.) einmal gesehen hat, sich danach sehnt, zurückzukommen. So auch angeblich der sowjetische Oberst Skopenko, der die Stadt 1945 befreite. Er ließ sich auf dem Friedhof von Sandomierz beisetzen.
In dem geschlossenen Altstadtkomplex stehen die Sehenswürdigkeiten nah beieinander: auf dem Marktplatz das Renaissancerathaus und der Palast des Rittergeschlechts Oleśniki, in dem sich heute das Regionalmuseum befindet, in der Mariacka-Gasse die gotische Kathedrale und auf dem Hügel westlich davon die spätromanische Dominikanerkirche St. Jacobus. In diesem wertvollsten Baudenkmal der Stadt werden in Vitrinen die Gebeine der Mönche ausgestellt, die im 13. Jh. von den Tataren ermordet wurden. Nördlich vom Markt stehen das Benediktinerkloster und die St.-Michael-Kirche mit ihrem barocken Inneren. Vom Opatowska-Stadttor aus dem 16. Jh. haben Sie einen schönen Ausblick. Übernachten Sie wie ein König im 28 km entfernten Schloss Baranów Sandomierski, auch „kleiner Wawel“ genannt: Zespół Zamkowo - Parkowy w Baranowie Sandomierskim (29 Zi. und App. | ul. Zamkowa 20 | Tel. 0158118039 | Fax 0158118040 | www.baranow.motronik.com.pl | €-€€).
Das Städtchen Sanok (37500 Ew.) liegt malerisch auf einer Bergterrasse oberhalb des Flusses San. Wie fast alle Städte der Region war Sanok unter den Nachbarn umkämpft. Im Krieg war die Stadt stark zerstört, die gesamte jüdische Bevölkerung wurde ermordet. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist das Schloss aus dem Mittelalter, später im Renaissancestil ausgebaut. Dort zeigt das Historische Museum die größte Ikonensammlung Polens sowie die surrealistischen Bilder des aus Sanok stammenden Malers Zdzisław Beksiński (Muzeum Historyczne | Juni-Okt. Di-Sa 9-17, So 8-10, Nov.-Mai Di-Sa 9-15, So 8-10 Uhr | ul. Zamkowa 2 | www.muzeum.sanok.pl).
Am rechten San-Ufer, im Stadtteil Biała Góra, befindet sich auf einem weitläufigen Gelände eines der größten Freilichtmuseen Polens. Es ist der untergegangenen bäuerlichen Welt der Lemken und Bojen gewidmet: Skansen (Mai-Sept. tgl. 8-18, Oktober 8-16, Nov.-März 8-14, April 9-16 Uhr | ul. Trauguta 3 | www.skansen.sanok.pl). Das Hotel Jagielloński bietet Ihnen guten 3-Sterne-Komfort (22 Zi. | ul. Jagiellońska 49 | Tel. 0134631208 | Fax 0134641208 | www.hoteljagiellonski.bieszczady24.pl | €€). www.sanok.pl
Zamość, das „Padua des Nordens“, entstand als utopischer Architektenentwurf der Renaissance. Reiche polnische Magnaten erwarben im 16. Jh. das Gebiet der heutigen Stadt. Der 36-jährige Großkanzler Jan Zamoyski ließ dann von dem italienischen Baumeister Bernardo Morando sein Schloss und die Stadt entwerfen. Heute erstrahlt das Unesco-Welterbe (58400 Ew.) in der Schönheit seiner restaurierten Renaissancebauten.
Das Zentrum der idealen Stadt besteht aus dem quadratischen Großen Markt mit dem Rathaus. Der Markt wird von wunderschönen Kaufmannshäusern mit Laubengängen gesäumt. Die schönsten stehen auf der Nordseite und gehörten Kaufleuten und Handwerkern aus Armenien, die seit 1585 in Zamość angesiedelt wurden. Im „Haus zum Engel“ ist heute das Regionalmuseum untergebracht mit interessanten Informationen zur Stadtgeschichte (Di-So 9-16 Uhr | ul. Ormiańska 30). Gegenüber, an der Südfront, steht das Haus des Architekten Morando (Nr. 25). In einer Seitenstraße (ul. Staszica 37) unweit davon wurde 1870 Rosa Luxemburg geboren. Eine kleine Gedenktafel erinnert an die Sozialistin. Am Markt steht auch die dreischiffige Kollegiatskirche. Von der multikulturellen Vergangenheit der Stadt zeugen die griechisch-orthodoxe Kirche in der Altstadt, die Synagoge (ul. Pereca) und die Kathedrale (ul. Kolegiacka).
Zum Übernachten bietet sich das Hotel Zamojski an, mit Blick auf den Marktplatz (53 Zi. | ul. Kołłątaja 2-6 | Tel. 0846392516 | Fax 0846392501 | €-€€). Touristeninformation: Rynek Wielki 3 | Tel. 0846392292 | www.zamosc.pl
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