Stadtspaziergänge
Ob diesseits oder jenseits Tiber: die Ewige Stadt ist ein wunderbares Pflaster
Altes Rom: Via Appia Antica
Sonntags nie? Ganz im Gegenteil! Gerade am Sonn- oder Feiertag sollten Sie einen Ausflug zur „Königin der Straßen“ einplanen, denn da ist die alltags stark befahrene Via Appia Antica Fußgängerzone und Fahrradparadies.
Schon vor 2300 Jahren zogen Kaiser, Feldherrn, Händler, Beamte und Kolonnen von Legionären über die wichtigste Verbindung Roms, die der Zensor Appicus Claudius Caecus 312 v. Chr. bis zum Hafen Brindisi angelegt hatte. Heute braust der Autoverkehr über die nur 4,30 m breite Straße. Es gibt keine Bürgersteige, sodass Sie hinter der Porta S. Sebastiano zunächst gnadenlos an die Mauer gedrängt werden.
Zum Glück ist die schöne Via Appia an Sonn- und Feiertagen 9 bis 19 Uhr für Autos gesperrt und damit die Oase, die diese archäologische Weltsensation verdient. (Fahrradverleih So 9.30-17 Uhr | Tel. 065126314 | gegenüber der Quo-Vadis-Kirche). Gesäumt von antiken Gräbern, drei der fünf wichtigsten Katakomben, Aquädukten und vielen illegal erbauten Villen aus den 1960ern verwandelte die Stadt die antike Heeresstraße 1997 in einen archäologischen Park.
Von der Porta San Sebastiano geht es am Marsfeld vorbei leicht abwärts bis zur kleinen Kirche Quo-Vadis (zzt. wegen Renovierung geschl.), wo auch die Via Ardeatina abbiegt. Dort soll Petrus auf der Flucht vor Neros Schergen Christus begegnet sein und auf seine Frage „Herr, wohin gehst du?“ die Antwort „nach Rom, um mich ein zweites Mal kreuzigen zu lassen“ erhalten haben. Ein Abstecher in die Via Ardeatina bringt Sie zu nicht nur zu den Domitilla- und Kalixtus-Katakomben, sondern auch zu einem Mahnmal von Nazi-Verbrechen: Im März 1944 erschoss die Wehrmacht in den Fosse Ardeatine 335 unschuldige Römer, um ein Attentat auf die SS in der Via Rastrella zu sühnen.
Zurück an der Via Appia Antica passieren Sie Basilika und Katakomben von San Sebastiano. Auf der linken Seite sehen Sie eine antike Arena, den Circo di Massenzio und das Grab des Romulo: nicht das des Romgründers, sondern des Sohnes von Kaiser Maxentius, 309 n. Chr. früh verstorben. Das imposanteste Bauwerk der Via Appia ist sicher die zinnenbewehrte Tomba di Cecilia Metella, Grabmal einer reichen Römerin und Generalstochter. Hier beginnt der schönste Abschnitt des Wegs unter Pinien und Zypressen, vorbei an unzähligen Gräbern - in der Antike waren Bestattungen innerhalb der Stadtmauern verboten -, die von Efeu, Mohn und Gänseblümchen umrahmt sind. Hier draußen ist auch das alte römische Pflaster frei gelegt. Caesars Reisewagen war so gut gefedert, dass der Kaiser bequem weite Strecken zurücklegen konnte, während heutige Radfahrer dagegen erwartet eine unvergessliche Rüttel- und Schütteltour über die antiken Spurrillen. Bus 218 (ab S. Giovanni in Laterano) oder Bus 118 (ab Piazzale Ostiense) beide bis zu den Sebastianskatakomben | Archeobus von der Piazza S. Marco (Piazza Venezia) bis zum Grab Cecilia Metella tgl. 10-17 Uhr stdl. | Fahrpreis 7,75 Euro