Was für eine Stadt!
Ob Kapitol, Kolosseum oder Campo de' Fiori, seit Jahrtausenden lässt Mamma Roma ihre Grazie und Grandezza vor klassischer Kulisse, auf den Märkten und Plätzen, zuweilen sogar im Stadion spielen. Es gibt wenige Besucher, die ihrem Charme nicht erliegen. In den letzten Jahren hat die 2760 Jahre alte Dame unter den Weltstädten ein Facelifting gemacht: Klassische Tempel, Säulen, barocke Kirchenfassaden erstrahlen in altem Glanz. Genießen Sie auch die Shopping-Tempel der alta moda, den schaumigen Cappuccino auf der Piazza oder tauchen Sie in die Szene des Testaccio ein. Nichts, Rom, kommt dir gleich!
Was tut da der schöne Mann mit dem eleganten Tropenhelm und weißen Stulpen mitten im Chaos auf der tosenden Piazza Venezia? Die Hüfte hat er leicht gebeugt, den Arm angewinkelt, die Hand wie Michelangelos Adam ausgestreckt. Ein Karajan in Uniform. Wird jetzt gleich die Geige schluchzen, die Pauke dröhnen, das Orchester einsetzen zur 9. Symphonie? Troommh! Nur ein disharmonisches Röhren der Autos, Knattern der Mopeds, Rasseln der Busse. Alle fahren gleichzeitig, und schon ist die Piazza wieder verstopft. 50 Verstöße trotz neuer italienischer Straßengesetze, armer Verkehrsdirigent.
Wenn Sie das Verkehrschaos wie dieser Polizist mit der nötigen pazienza, Geduld, ertragen und dann endlich auf der wunderbaren Piazza Navona sitzen, der Kellner Ihnen mit elegantem Schwung den cremigen Cappuccino mit dem obligaten Glas Wasser serviert, dann werden Sie merken, dass das chaotische Rom doch erste Sahne ist. Und dass sich in den letzten Jahren auch vieles verbessert hat. Seit Barockbaumeister Gianlorenzo Berninis Zeiten war das historische Zentrum nicht mehr so herausgeputzt. Abgasgeschwärzte Fassaden erstrahlen in frischen Farben, im Kolosseum und im Circus Maximus gibt es stimmungsvolle Popkonzerte, die Galleria Borghese ist nach 17-jähriger Restaurierung aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Aphrodite und andere göttliche Skulpturen residieren endlich wieder standesgemäß in den neuen Antikenmuseen Palazzo Altemps und Palazzo Massimo. Das Foro Romano, das Herz der Antike, steht nun allen Römern offen, und an manchen Sonntagen sind die Via dei Fori Imperiali und die Via Appia Antica ein autofreies Fußgängerparadies. Wunderbares Rom!
Bücher & Filme
Italienische Reise: Von der einjährigen Lust- und Bildungsreise, die den Geheimrat Johann Wolfgang Goethe im Herbst 1786 inkognito nach Rom brachte, hatte sein Arbeitgeber, Herzog Carl August von Sachsen-Weimar, keine Ahnung …
Römische Erzählungen: Der machohafte Schriftsteller Alberto Moravia schildert das pralle Leben Roms.
Eine italienische Familie: Die römische Familienchronik von Franca Magnani gibt einen fabelhaften Einblick ins Nachkriegsitalien.
Ich, Claudius, Kaiser und Gott: antike Soapstory um Mesalina, geschrieben von Robert von Ranke Graves.
La Dolce Vita: Römischer Kultfilm von Federico Fellini! Leicht angestaubt, aber die schöne Szene, wo Anita Ekberg und Marcello Mastroianni nachts in den eiskalten Trevi-Brunnen steigen, gehört zum kollektiven Bewusstsein der Menschheit.
Estate romana, Römischer Sommer: Wohngemeinschaft mit drei sensiblen gescheiterten Existenzen, Rom bildet die Kakophonie im Hintergrund; ein Film von Matteo Garrone.
Rome: 100 Millionen Dollar ließ der amerikanische TV-Sender HBO für Bruno Hellers süffisante historische Soap-Serie „Rome“ springen; sie spielt zu Zeiten Caesars, opulent gedreht in Cinecittà.