Der Gardasee überrascht. Ist man eben noch durch die Alpen gefahren, sah Tannen und Kühe, streicht nun eine leichte Brise durch Palmen. Das mediterrane Klima lädt vor allem im Frühjahr ein, wenn nördlich der Alpen milde Temperaturen nur ein Wunschtraum sind. Dann kann man hier schon an der Mole sitzen, die Beine baumeln lassen mit einem Eis in der Hand, auf dem Surfbrett über den See gleiten, unter Olivenbäumen frischen Fisch aus dem See essen, durch römische Ausgrabungen spazieren oder mit dem Mountainbike rasante Abfahrten genießen - oder auch einfach nur beim Cappuccino in einem Straßencafé dem Glitzern des Wassers zusehen.
Es gibt wohl nicht viele Seen, die so viele unterschiedliche Gesichter und damit für so viele verschiedene Ansprüche das passende Urlaubsangebot haben. Wer Ruhe sucht und bei der Lektüre der Zeitung oder eines Buchs nicht viel mehr hören möchte als das Klack, Klack von Segelbespannungen im Wind und dazu ein tiefes Dong, Dong beim Aneinanderstoßen von Booten, der ist in Gargnano gut aufgehoben: In der Mitte des Westufers wohnt die Ruhe. Noble Hotels haben an diesem Uferabschnitt Tradition. Ende des 19. Jhs. erkannte der Deutsche Louis Wimmer den Reiz des Gardasees und baute das erste Grandhotel in Gardone, weitere folgten. Ein etwas altväterischer, gediegener Tourismus ist bis heute dort zu Hause.
Dagegen fühlt sich in Bardolino und Garda wohl, wer abends lange unter Menschen sein möchte. In den Gassen der Altstädte ist es dann fast voller als tagsüber, und bis Mitternacht sieht man sogar noch kleine, blonde Kinder mit einer Eistüte in der Hand. Junge Erwachsene werden das Südufer anlaufen, wenn sie auf richtiges Nightlife stehen. In der Umgebung von Desenzano locken einige der größten Diskotheken Italiens.
Italienische Dämmerung: 1912 wanderte der englische Autor D. H. Lawrence über die Alpen nach Italien und mietete sich zusammen mit seiner Geliebten in Gargnano ein. Im Buch beschreibt er diese Tage am Gardasee.
Katastrophen mit Seeblick: Bodo Kirchhoffs sechs anspruchsvolle Geschichten handeln alle von Menschen am See. Es sind keine heiteren Urlaubsstorys, sondern tiefgründige Erzählungen.
The International: Tom Tykwers Bankenthriller spielt rund um den Globus, in einer Szene verschwindet ein Auto in einer Tunnelstraße an einem mediterranen See. Auch wenn der Film behauptet, das sei der Iseosee: Gedreht wurde am Gardasee.
Ein Quantum Trost: Die Eröffnungsszene des James-Bond-Films wurde 2008 am Gardasee gedreht: eine Verfolgungsjagd durch die Tunnel der Gardesana. Dabei flog Filmtechniker Fraser Dunn mit dem Aston Martin in den See. In einer scharfen Kurve durchschlug das Auto die Leitplanke. Dunn konnte sich befreien und schwamm zum Ufer. Ein Kran hievte das 160000 Euro teure Auto heraus; für die Abwrackprämie kam die Aktion indes zu früh.
Die Schatzinsel: 1966 drehte das ZDF diesen Abenteuervierteiler. Die zum Studio gehörenden Schiffe zerstörte dann ein Sturm.
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