Außer einer kleinen moslemischen Minderheit auf den Inseln Kos und Rhodos und im festländischen West-Thrakien sowie kleinen jüdischen Gemeinden in den Großstädten bekennen sich fast alle Griechen zum griechisch-orthodoxen Christentum.
Überall auf den Inseln begegnet man den orthodoxen Priestern, die als Popen zu bezeichnen etwas abfällig ist. Auf Griechisch heißen sie pappádes (Einzahl: pappás). Sie tragen lange, dunkle Gewänder und eine schwarze Kopfbedeckung. So lange die Natur mitspielt, sind Priester immer langhaarig und vollbärtig: Was Gott wachsen lässt, soll der Priester nicht ohne Not entfernen. Orthodoxe Priester dürfen vor der Priesterweihe heiraten und haben oft große Familien. Sie werden vom Staat bezahlt; eine Kirchensteuer gibt es hier nicht. Alle Priester bessern ihr Einkommen durch Gebühren für Hochzeiten, Taufen usw. auf; viele von ihnen sind nebenbei auch als Bauern tätig.
Orthodoxe Gottesdienste dauern häufig zwei und mehr Stunden. Nur wenige Kirchenbesucher harren diese lange Zeit über aus. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen; man plaudert auch während des Gottesdienstes gelegentlich leise miteinander. Predigten sind unüblich. Formeller Hauptinhalt des Gottesdienstes ist der Wechselgesang, der vom Priester und einigen Laien vorgetragen wird.
Die orthodoxen Christen erkennen den Papst nicht als Oberhaupt der Christenheit an, sondern halten diesen Anspruch für eine Eingebung des Teufels. Sie fühlen sich den Aposteln und ersten Christen eng verbunden, weil sie ihre Glaubensgrundsätze aus dem Frühchristentum heraus entwickelt und seit dem 9. Jh. nicht mehr verändert haben. Sie beklagen auch das Werk der evangelischen Reformatoren. Die vom Papst verkündeten Dogmen sehen sie keinesfalls als von Gott gegeben an.
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