Genau genommen führt der Spaziergang durch den „Neuen Friedhof vor dem Frauentor“, wie er 1818 bei der Eröffnung genannt wurde. Nach und nach wurde er zum Hauptfriedhof Weimars erweitert, der älteste Teil jedoch wird bis heute Historischer Friedhof genannt. Er gehört zu den geschichtlich bedeutendsten und zugleich schönsten deutschen Begräbnisstätten. Der Spaziergang vom Markt über den Historischen Friedhof und wieder zurück dauert etwa anderthalb Stunden. Öffnungszeiten des Friedhofs: März-Sept. 8-21, Oktober bis Februar 8-18 Uhr.
Vom Markt aus führt der Weg am Goethehaus vorbei zum Wielandplatz, von dort die Amalienstraße entlang zum Haupteingang des Friedhofs am Poseckschen Garten. Dort, linker Hand, steht ein neoromanisches Bauwerk, das 1878/79 als Begräbnishalle erbaut wurde, 1921 jedoch zur Gedächtnishalle für die Toten des Ersten Weltkriegs umgestaltet wurde. Bei der Halle, rechter Hand am Hauptweg, liegt das Grab des Schriftstellers Christian August Vulpius (1762-1827), des Bruders von Goethes Ehefrau Christiane. Goethe schätzte seinen Schwager als Übersetzer und Bibliothekar an der Herzoglichen Bibliothek.
An der rechten Friedhofsmauer befindet sich die Grabstätte der Familie von Stein. Das Marmormedaillon für Charlotte von Stein (1742-1827) fertigte Adolf von Donndorf nach einer eigenen Zeichnung der Verstorbenen an. Die standesbewusste, kluge Frau war viele Jahre Goethes Wegbegleiterin. Wenige Schritte entfernt liegt das Grab von Oberbaudirektor Clemens Wenzeslaus Coudray (1775 bis 1845), der 1828 über seine Beziehung zu dem Dichterfürsten sagte: „Goethes Wohlwollen, ich darf sagen, Freundschaft, beglückte mich...“
Coudray hat neben vielen anderen Gebäuden in Weimar auch die Fürstengruft geschaffen - in der, wie man seit 2008 weiß, kein Schiller liegt. In dem schlichten klassizistischen Mausoleum führt eine schmale Steintreppe von der kuppelgewölbten Weihehalle in das von vier Pfeilern getragene Gewölbe. Neben den Särgen von Goethe und Schiller stehen hier weitere 31 Särge von Angehörigen des Weimarer Herzogshauses. Ursprünglich war für Goethe und Schiller ein besonderes Mausoleum in der Nähe der Fürstengruft vorgesehen, doch Carl August lehnte es mit der Begründung ab, er wolle auch im Tode mit den beiden großen Dichtern vereint sein. Anlässlich der Schiller-Feiern 1955 hatten die DDR-Kulturpolitiker den schlichten Eichensärgen von Goethe und Schiller einen herausragenden Platz eingeräumt, die Särge der Fürsten hingegen in den Hintergrund gerückt und die Begräbnisstätte in „Goethe-Schiller-Gruft“ umbenannt. Heute ist alles wieder wie einst gestaltet, im Vordergrund steht der Sarkophag von Goethes Freund Carl August (1757-1828), Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach.
Links neben der Gruft bekam Johann Peter Eckermann (1792 bis 1854), Goethes Privatsekretär und vom Herzog zum Hofrat ernannt, seine letzte Ruhestätte. Bekannt wurde er durch die 1836 erschienenen „Gespräche mit Goethe“. Ein Durchbruch verbindet die Gruft mit der 1860-62 angebauten Russisch-Orthodoxen Kapelle, in der Maria Pawlowna in heimischer Erde ruht. Die Tochter des russischen Zaren Paul I. war die Schwiegertochter Carl Augusts. In der Kapelle finden regelmäßig russisch-orthodoxe Gottesdienste statt (Auskunft: Tel. 426068).
Hinter der Kapelle, zwischen den Gräbern der ehemaligen Bewohner des Marie-Seebach-Stiftes, steht das Euphrosyne-Denkmal. Marie Seebach (1829-1897), zu ihrer Zeit eine populäre Schauspielerinnen, hatte ihr Vermögen einer Stiftung für betagte Bühnenkünstler vermacht. Das Denkmal, eine Sandsteinsäule, geschmückt mit Masken, tanzenden Nymphen und Tierkreiszeichen, ließ Goethe zur Erinnerung an die mit 19 Jahren gestorbene Schauspielerin Christiane Becker-Neumann anfertigen, die ihn als Euphrosyne in der Oper „Das Petermännchen“ begeistert hatte.
Rechter Hand, an der westlichen Friedhofsmauer, befindet sich die Grabstätte der Familie Goethe, in der auch die Enkelsöhne des Dichters, Walther (1818-85) und Wolfgang (1820-83), ruhen. Goethes Frau Christiane - sie starb bereits 1816 - ist auf dem Jakobsfriedhof begraben, sein Sohn August in Rom. Neben der Goethe-Grabstätte liegt die von Johann Daniel Falk (1768-1826), dem Begründer der „Gesellschaft der Freunde in der Not“, und seiner Ehefrau.
Wer weiterforschen will, geht in den neueren Teil des Friedhofs mit dem Ehrenhain für unbekannte antifaschistische Kämpfer aller Nationen, in dem Häftlinge des KZ Buchenwald ruhen, und zu den Gräbern der Opfer des Bombenangriffs auf Weimar am 9. Februar 1945, denen sich Gräber für im Zweiten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten anschließen. Das Denkmal der Märzgefallenen, die Weimarer Opfer des Kapp-Putsches von 1920, schuf Walter Gropius 1922.
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