Kilometerlange Spaziergänge durch Wald und Wiesen in einer Großstadt? Kein Problem in Stuttgart. Dieser schöne Spaziergang führt Sie durch den Schlossgarten. Mit dem Abstecher in die städtische Natur lässt sich auch ein Besuch der Weißenhofsiedlung oder des Planetarium s verbinden. Dauer: etwa drei Stunden.
Die ein wenig tiefstaplerisch als „Grünes U“ bezeichnete Parklandschaft ist Ergebnis langer Mühen von Gärtnern und Landschaftsarchitekten, die zentralen Parks zu einem Grünzug zu verbinden. Die Internationale Gartenbauausstellung machte es 1993 möglich: Vom Schlossplatz aus kann man heute auf rund 8 km Länge und im Bogen bis über den Killesberg spazieren, ohne eine Straße zu betreten. Die Anlagen erreichen eine Größe von 5,6 km² - der Central Park in New York ist 3,4 km² groß.
Starten Sie den Spaziergang am Neuen Schloss, hinter dessen prächtigem Flügel die Gartenanlage beginnt. Rund um den Eckensee stehen neben dem Neuen Schloss das Kunstgebäude, der Landtag und das Staatstheater. Am Schauspielhaus vorbei geht es über einen Fußgängersteg weiter in den Mittleren und Unteren Schlossgarten - jener Bereich der Parkanlage, der sich in den kommenden Jahren durch die Bauarbeiten von Stuttgart 21 am meisten verändern wird. Der rechts liegende Landespavillon wird der Baustelle zum Opfer fallen, die Zukunft des Planetarium s ist ungewiss.
Ebenfalls am Rande des Hauptweges liegen die Überreste des Alten Lusthaus es, das im 16. Jh. an der Stelle des Kunstgebäudes am Schlossplatz stand und einst als „Schmuckstück deutscher Renaissance“ gerühmt wurde. Nach einem Brand 1902 blieben nur noch Treppenanlage und einige Säulen übrig. Auch die Tage des gegenüberliegenden Biergartens im Schlossgarten (tgl. ab 10.30 | www.biergarten-schlossgarten.de), der mit seinem bajuwarischen Flair zur Pause lädt, sind wohl wegen Stuttgart 21 gezählt.
Halten Sie sich weiter rechts auf dem Hauptweg, und Sie gelangen zum Nil-Café am See (tgl. ab 11 Uhr) - Gelegenheit zu einer Pause auf einem Steg, der in den See ragt. Weiter führt der Weg über einen zweiten Übergang in den unteren Teil der Anlagen. Jenseits der Straßenbahngleise liegen der Park der Villa Berg und die Mineralbäder Leuze und Berg. Auf der linken Anhöhe erhebt sich das Museum Schloss Rosenstein. Das „königliche Lusthaus“ wurde von König Wilhelm I. allerdings nur sporadisch genutzt, angeblich, weil eine Wahrsagerin dem Herrscher seinen dortigen Tod prophezeit hatte. Tatsächlich starb er dort 1864. Heute beherbergt das Gebäude die biologische Sammlung des Naturkundemuseums. Linker Hand erstreckt sich der Rosensteinpark. Er wurde vor mehr als 150 Jahren als englischer Landschaftspark angelegt. Rechts grenzt die Wilhelma an und erlaubt einen Blick auf die Gehege von Kamelen und Eisbären. Weiter hinten liegen das 1850 erbaute Löwensteintor als Zugang zum Park sowie die Spielpyramide und der Neubau des Museums am Löwentor. Zu dessen Eingang gelangt man auf dem Weg zwischen den beiden Gebäuden, dann führt eine Zeitspur durch 600 Mio. Jahre Erdgeschichte in die Welt der Fossilien.
Nun können Sie entweder vom Löwentor mit der U 15 Richtung Heumaden zurück in die Innenstadt fahren. Oder Sie spazieren links vom Tor über die Brücke und einige Meter den Berg hinauf zum romantisch-verwilderten Leibfriedschen Garten.
Halten Sie sich danach links, und überqueren Sie die Heilbronner Straße über die beiden eleganten Hängebrücken. Ihr Konstrukteur Jörg Schlaich hat auch den Killesbergturm entworfen, der nun direkt vor Ihnen im Killesbergpark wie eine gewundene Schraube in die Höhe sticht. Für die 43 m hohe Tragseilkonstruktion wurden 39000 m Drahtseile verarbeitet und 70000 kg Stahl verbaut. 175 Stufen führen hinauf und genau so viele gegenläufig hinunter. Der Ausblick von der Plattform ist großartig. Allerdings sollten Sie schwindelfrei sein, denn der Turm schwankt je nach Wind und Besucherzahl heftig. Mit der Stadtbahn U 7 gelangen Sie zurück ins Zentrum.
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