Reiseführer Heidelberg: Sehenswertes

Heidelberg
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Sehenswertes

Reiseführer Heidelberg: Schloss


Die Gesamtanlage von Schloss und Schlossgarten erlebte eine wechselvolle Geschichte von Aufbau, Zerstörung und teilweiser Rekonstruktion. Man kann an dem unterschiedlich gestalteten Gemäuer ablesen, dass hier verschiedene Baumeister und Bauherren wirkten. Und auch heute wird – meist unbemerkt – gebaut.

Der Aufbau von Wehr und Residenz begann um das Jahr 1400 und endete 1619 mit dem Beginn des Dreißigjährigen Kriegs. Berühmtheit erlangte das Schloss allerdings erst als Ruine. Dazu wurde es 1688/89 im Orléansschen Erbfolgekrieg gemacht. Dem Sonnenkönig Ludwig XIV. gefiel die Pfalz so gut, dass er sie Frankreich kurzerhand einverleiben wollte. Von ihm gehegte Erbansprüche, die sich mit der nach Frankreich verheirateten Liselotte von der Pfalz verbanden, versuchten französische Truppen militärisch durchzusetzen. Sie fielen unter der Führung des berüchtigten Feldherrn Mélac 1689 und 1693 in Heidelberg ein und machten es dabei dem Erdboden gleich. Das Schloss blieb beim Wiederaufbau der Stadt im 17. und 18. Jh. unberücksichtigt. Zwar machten die Kurfürsten zaghafte Versuche der Restaurierung, doch dann gerieten sie mit ihren Bürgern in heftigen Streit, ob die Stadt evangelisch oder katholisch werden sollte. Schließlich zogen sie beleidigt nach Mannheim und residierten fortan dort.

Aus diesen doppelten Streitigkeiten zog Heidelberg letzten Endes großen Gewinn. Die Ruine des Schlosses, der rote Sandstein seiner zerborstenen und ausgebrannten Türme und Paläste, zog zu Beginn des 19. Jhs. die Romantiker aus aller Welt geradezu magisch an. Die Besucher des 21. Jhs., die internationalen Jetsetter, die für ein paar Stunden oder allenfalls zwei Tage in dieses einmalige, übrig gebliebene Juwel der Romantik einfallen, stehen vor einem Dilemma. Wie sollen sie in der Kürze der Zeit nachvollziehen, was doch nach Zeit und Muße verlangt? Vielleicht helfen da ein wenig die Beleuchtungen und Feuerwerke im Sommer, wenn das Schloss, die ehemalige Residenz der Pfälzer Kurfürsten, in glühendes Rot getaucht wird, als Erinnerung an die Zerstörungen und Brände, die das Gemäuer mehrmals in seiner Geschichte hinnehmen musste.

Schon von der Stadt aus sticht die Fassade des 1601–04 errichteten Friedrichsbaus ins Auge, die einzige gestaltete Außenfassade des Schlosses, das seine Schönheit ansonsten nach innen kehrt. Im Piano nobile ist eine Präsentation von Tafelsilber zu besichtigen (nur im Rahmen einer Schlossführung). Die wertvollen Stücke gehörten zu den mehr als 300 Geschenken zur goldenen Hochzeit des Großherzogs Friedrich und seiner Gemahlin Luise im Jahr 1906.

Eine schmale Brücke führt in den Innenhof. Im Osten des Hofs ließ Kurfürst Otto Heinrich zwischen 1556 und 1559 den nach ihm benannten Ottheinrichsbau errichten. Die formenreiche Innenhoffassade sollte fortan als mustergültiges Beispiel deutscher Renaissancebaukunst bestaunt werden. Im Nordanschluss steht der 1546 fertiggestellte Gläserne Saalbau, benannt nach dem Fest- und Spiegelsaal im ersten Geschoss. Gotische und Renaissance-Elemente teilen sich hier den Zuspruch der Betrachter.

Neben dem Friedrichsbau liegt in einem kleinen Keller das sagenumwobene, 250 Jahre alte Große Fass. Man sieht gleich, dass dieser Raum nicht für den 221726 l fassenden Bottich gebaut wurde, sondern für kleinere Vorgänger. Aber Karl Theodor, 1742–99 Kurfürst, schien die Enge nicht zu stören: Er ließ die heutige Version des Fasses zimmern. Das älteste und schmuckloseste Gebäude der heutigen Schlossanlage ist der Ruprechtsbau (15. Jh.) im Westen des Hofes. Ein Bibliotheksbau verbindet ihn mit dem ehemaligen Frauenzimmerbau, wo heute der Königssaal Empfängen und Aufführungen dient.

Von Friedrich V. als „Hortus Palatinus“ angelegt, war dem „Garten der Pfalz“ durch den Dreißigjährigen Krieg seine geplante Entfaltung nicht vergönnt. Seit 2007 setzt sich eine Stiftung für eine viel diskutierte Neugestaltung bzw. Wiederherstellung des ehemaligen Renaissancegartens ein. Fast noch schöner als am Tag zeigen sich Schloss und Garten bei einem Abendspaziergang. Für alle, die gut zu Fuß sind, gibt es bei der Tourist-Information am Bahnhof ein kostenloses Faltblatt, das die Fußwege zum Schloss erklärt. Schlosshof tgl. 8–18 Uhr (im Winter oft kürzer), Schlossgarten Tag und Nacht zugänglich, Schlossführungen tgl. 11, 12, 14 und 16 Uhr, Sa, So auch 13 und 15 Uhr | Eintritt inklusive Fasskeller und Apothekenmuseum 3 Euro, Eintritt zusätzlich 4 Euro | Tel. 538421 | www.schloss-heidelberg.de | Bergbahn Station Schloss


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